CBG steht für Cannabigerol und ist ein natürlich vorkommendes Cannabinoid der Cannabispflanze. Es verursacht keinen mit THC vergleichbaren typischen Cannabisrausch und gehört zu den sogenannten Minor Cannabinoids, deren mögliche Wirkungen zunehmend wissenschaftlich untersucht werden.
Besondere Aufmerksamkeit erhält CBG auch wegen seiner Verbindung zu CBGA – Cannabigerolsäure.
CBGA ist eine wichtige Ausgangsverbindung bei der Bildung verschiedener Cannabinoide wie THC, CBD und CBC.
Deshalb wird CBG beziehungsweise CBGA im Internet gelegentlich als „Mutter aller Cannabinoide“ bezeichnet.
Diese Formulierung ist jedoch ungenau.
Nicht CBG selbst, sondern insbesondere CBGA spielt eine zentrale Rolle als biosynthetische Vorstufe verschiedener Cannabinoidsäuren.
Was ist CBG?
CBG ist die Abkürzung für Cannabigerol.
Cannabigerol gehört zu den Phytocannabinoiden – also Cannabinoiden pflanzlichen Ursprungs.
Weitere bekannte Phytocannabinoide sind:
- THC – Tetrahydrocannabinol
- CBD – Cannabidiol
- CBC – Cannabichromen
- CBN – Cannabinol
- THCV – Tetrahydrocannabivarin
Im Vergleich zu THC und CBD kommt CBG in vielen Cannabispflanzen nur in relativ geringen Konzentrationen vor.
Deshalb wird CBG häufig zu den sogenannten:
Minor Cannabinoids
gezählt.
„Minor“ bedeutet dabei nicht, dass der Stoff biologisch unwichtig ist.
Der Begriff beschreibt vor allem, dass er häufig in geringeren Mengen vorkommt als die dominierenden Cannabinoide einer Pflanze.
Wofür steht CBG?
CBG steht für:
Cannabigerol
Die Summenformel lautet:
C₂₁H₃₂O₂
CBG gehört wie THC, CBD und CBC zu den terpenophenolischen Bestandteilen von Cannabis.
Seine chemische Struktur unterscheidet sich jedoch von den anderen bekannten Cannabinoiden.
Dadurch besitzt CBG auch ein eigenes pharmakologisches Profil.
CBG sollte deshalb nicht als:
- schwaches CBD
- CBD-Vorstufe
- THC ohne Rausch
bezeichnet werden.
Es handelt sich um ein eigenständiges Cannabinoid.
Wie entsteht CBG in der Cannabispflanze?
Um die Entstehung von CBG zu verstehen, muss zunächst zwischen:
CBG
und:
CBGA
unterschieden werden.
CBGA steht für:
Cannabigerolsäure
Diese saure Cannabinoidform spielt eine zentrale Rolle in der Biosynthese verschiedener Cannabinoide.
Vereinfacht entsteht CBGA aus:
Olivetolsäure + Geranyldiphosphat → CBGA
Anschließend kann CBGA durch verschiedene Enzyme weiterverarbeitet werden.
Beispielsweise zu:
- THCA
- CBDA
- CBCA
Vereinfacht:
CBGA → THCA → THC
CBGA → CBDA → CBD
CBGA → CBCA → CBC
Ein Teil des vorhandenen CBGA kann außerdem durch Decarboxylierung zu CBG werden.
Vereinfacht:
CBGA → CBG
Damit ist CBGA eine wichtige biochemische Verzweigungsstelle innerhalb der Cannabinoid-Biosynthese.
Ist CBG die „Mutter aller Cannabinoide“?
Diese Bezeichnung findet man häufig in:
- Shops
- sozialen Medien
- Blogs
- Produktwerbung
Wissenschaftlich ist sie jedoch zu ungenau.
Präziser wäre:
CBGA ist eine zentrale biosynthetische Vorstufe mehrerer wichtiger Cannabinoide.
Aus CBGA können beispielsweise die sauren Vorstufen von:
- THC
- CBD
- CBC
gebildet werden.
CBG selbst entsteht dagegen unter anderem durch die Decarboxylierung von CBGA.
Deshalb sollte man unterscheiden:
CBGA = wichtige Vorstufe
CBG = daraus entstehendes eigenständiges Cannabinoid
Der Begriff „Mutter aller Cannabinoide“ eignet sich daher höchstens als vereinfachte populärwissenschaftliche Beschreibung für CBGA, nicht als präzise wissenschaftliche Definition von CBG.
Warum enthalten viele Cannabispflanzen nur wenig CBG?
Während sich eine Cannabispflanze entwickelt, wird ein Teil des vorhandenen CBGA für die Bildung anderer Cannabinoide verwendet.
Je nach genetischer Ausstattung der Pflanze können daraus beispielsweise größere Mengen:
- THCA
- CBDA
- CBCA
entstehen.
Dadurch bleibt bei vielen Sorten vergleichsweise wenig CBGA übrig, aus dem später CBG entstehen könnte.
Es existieren allerdings Pflanzen beziehungsweise Züchtungen, die gezielt auf höhere CBG-Gehalte selektiert wurden.
Der konkrete Cannabinoidgehalt hängt unter anderem ab von:
- Genetik
- Entwicklungsstadium
- Umweltbedingungen
- Erntezeitpunkt
- Trocknung
- Lagerung
- Verarbeitung
Ein Cannabisprodukt lässt sich deshalb nicht allein anhand des Sortennamens zuverlässig auf seinen CBG-Gehalt beurteilen.
Macht CBG high?
CBG verursacht nach aktuellem Kenntnisstand keinen mit Delta-9-THC vergleichbaren typischen Cannabisrausch.
Das ist einer der wichtigsten Unterschiede zwischen CBG und THC.
THC kann insbesondere über CB1-Rezeptoren im zentralen Nervensystem typische berauschende Effekte hervorrufen.
CBG besitzt ein anderes pharmakologisches Profil und führt nicht zu dieser charakteristischen THC-Wirkung.
Das bedeutet allerdings nicht:
CBG ist wirkungslos.
Ein Stoff kann biologisch beziehungsweise pharmakologisch aktiv sein, ohne einen typischen Rausch auszulösen.
Ähnlich wie bei CBD ist deshalb die präzisere Aussage:
CBG ist nicht typisch berauschend wie THC, wird aber auf verschiedene pharmakologische Wirkmechanismen untersucht.
Wie wirkt CBG im Körper?
Die Wirkung von CBG lässt sich nicht auf einen einzigen Rezeptor reduzieren.
Cannabigerol wird als sogenannter Multi-Target-Wirkstoff untersucht.
Das bedeutet, dass verschiedene biologische Zielstrukturen beteiligt sein könnten.
Dazu gehören unter anderem:
- CB1-Rezeptoren
- CB2-Rezeptoren
- TRP-Ionenkanäle
- Alpha-2-Adrenozeptoren
- Serotoninrezeptoren
- PPAR-Rezeptoren
- Enzyme des Endocannabinoid-Systems
Die genaue Bedeutung dieser Wechselwirkungen für die Wirkung beim Menschen ist jedoch noch nicht vollständig geklärt.
Viele Erkenntnisse stammen bislang aus:
- Zellkulturstudien
- Tierversuchen
- pharmakologischen Modellen
Diese Forschung ist wichtig, reicht allein aber nicht aus, um eine medizinische Wirksamkeit beim Menschen zu belegen.
CBG und das Endocannabinoid-System
CBG kann verschiedene Bestandteile des Endocannabinoid-Systems beeinflussen.
Zu diesem körpereigenen Signalsystem gehören unter anderem:
- CB1-Rezeptoren
- CB2-Rezeptoren
- Anandamid
- 2-AG
- Enzyme wie FAAH und MAGL
Bei CBG wurden Wechselwirkungen mit CB1- und CB2-Rezeptoren beschrieben.
Die Literatur zur genauen Stärke und funktionellen Bedeutung dieser Interaktionen ist jedoch komplex.
Je nach Versuchssystem wurden unter anderem schwache beziehungsweise partielle agonistische Eigenschaften beschrieben.
CBG wird außerdem hinsichtlich seines Einflusses auf weitere Zielstrukturen untersucht.
Deshalb wäre die Aussage:
„CBG wirkt einfach über CB1 und CB2“
zu stark vereinfacht.
Das Endocannabinoid-System einfach erklärt
Welche weiteren Zielstrukturen werden bei CBG untersucht?
Die CBG-Forschung beschränkt sich nicht auf klassische Cannabinoid-Rezeptoren.
TRP-Ionenkanäle
Untersuchungen zeigen Interaktionen von CBG mit verschiedenen sogenannten TRP-Kanälen.
Dazu zählen unter anderem:
- TRPA1
- TRPV1
- TRPV2
- TRPV3
- TRPV4
- TRPM8
Diese Ionenkanäle spielen je nach Typ unter anderem bei:
- sensorischer Wahrnehmung
- Temperaturverarbeitung
- Schmerzsignalwegen
- zellulären Prozessen
eine Rolle.
Alpha-2-Adrenozeptoren
CBG wird außerdem hinsichtlich einer Interaktion mit Alpha-2-Adrenozeptoren untersucht.
Diese Rezeptoren gehören zum adrenergen Signalsystem und beeinflussen verschiedene physiologische Prozesse.
Serotoninsystem
Auch mögliche Wechselwirkungen mit 5-HT1A-Rezeptoren werden erforscht.
Die genaue pharmakologische Einordnung ist komplex und kann je nach experimentellem Modell unterschiedlich ausfallen.
PPAR-Rezeptoren
Darüber hinaus werden Wechselwirkungen mit sogenannten PPAR-Rezeptoren untersucht.
Diese nukleären Rezeptoren sind unter anderem an der Regulation von:
- Stoffwechsel
- Genexpression
- Entzündungsprozessen
beteiligt.
Die Vielzahl möglicher Zielstrukturen zeigt:
CBG besitzt wahrscheinlich kein simples Ein-Rezeptor-Wirkprinzip.
Was ist der Unterschied zwischen CBG und THC?
CBG und THC sind beides Phytocannabinoide, unterscheiden sich aber deutlich.
| CBG | THC |
|---|---|
| Cannabigerol | Tetrahydrocannabinol |
| kein typischer THC-Rausch | deutlich berauschend |
| häufig Minor Cannabinoid | häufig eines der dominierenden Cannabinoide |
| komplexes Multi-Target-Profil | CB1 besonders relevant für den Rausch |
| klinische Forschung noch begrenzt | deutlich umfangreicher erforscht |
| kein vergleichbares typisches Abhängigkeitspotenzial belegt | Cannabiskonsumstörung möglich |
Der wichtigste Unterschied für Verbraucher ist:
THC kann einen typischen Cannabisrausch hervorrufen. CBG nicht.
Was ist der Unterschied zwischen CBG und CBD?
CBG und CBD werden häufig miteinander verglichen, weil beide keinen typischen THC-Rausch erzeugen.
Trotzdem sind sie nicht dasselbe.
| CBG | CBD |
|---|---|
| Cannabigerol | Cannabidiol |
| meist geringere Konzentrationen in Cannabis | häufig in CBD-reichen Pflanzen stark vertreten |
| entsteht unter anderem aus CBGA | entsteht über CBDA |
| kein typischer THC-Rausch | kein typischer THC-Rausch |
| wenig Humanforschung | deutlich mehr Human- und Arzneimittelforschung |
| kein allgemein etabliertes CBG-Arzneimittel | Cannabidiol wird als Arzneistoff eingesetzt |
CBD besitzt inzwischen eine deutlich größere wissenschaftliche und klinische Datenbasis.
Für CBG fehlen dagegen weiterhin umfangreiche kontrollierte Humanstudien.
Die Aussage:
„CBG ist das neue CBD“
ist deshalb wissenschaftlich wenig sinnvoll.
Beide Cannabinoide besitzen eigene pharmakologische Profile.
Welche Wirkung soll CBG haben?
CBG wird im Internet mit zahlreichen möglichen Wirkungen beworben.
Dazu gehören Aussagen rund um:
- Stress
- Angst
- Schmerzen
- Entzündungen
- Konzentration
- Schlaf
- Darmgesundheit
- Nervensystem
- Bakterien
Entscheidend ist jedoch:
Eine mögliche biologische Wirkung ist nicht automatisch eine klinisch bewiesene Gesundheitswirkung.
Die wissenschaftliche Evidenz muss deshalb nach Forschungsstufe betrachtet werden.
Gibt es Humanstudien zu CBG?
Ja – allerdings bislang nur wenige.
Eine 2024 veröffentlichte randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Cross-over-Studie untersuchte die akute Einnahme von 20 mg CBG bei 34 gesunden Erwachsenen.
Untersucht wurden unter anderem:
- Angst
- Stress
- Stimmung
- subjektive Drogeneffekte
- Gedächtnis
- mögliche Beeinträchtigungen
Die Untersuchung fand Hinweise auf eine Verringerung bestimmter Angst- und Stresswerte gegenüber Placebo, ohne dass ein typisches Rauschgefühl oder relevante motorische Beeinträchtigungen beobachtet wurden.
Ein interessantes Ergebnis.
Aber:
Eine einzelne kleine Studie mit 34 gesunden Teilnehmern beweist nicht, dass CBG eine Angststörung oder andere Erkrankungen behandelt.
Es bleiben zahlreiche Fragen offen:
- Funktionieren die Ergebnisse auch bei Patienten?
- Welche Dosis wäre geeignet?
- Wie wirken andere Darreichungsformen?
- Welche Effekte bestehen bei langfristiger Einnahme?
- Wie sicher ist eine dauerhafte Anwendung?
- Gibt es relevante Wechselwirkungen?
Die Humanforschung zu CBG befindet sich deshalb weiterhin in einem frühen Stadium.
Hilft CBG gegen Angst oder Stress?
Dafür gibt es erste Hinweise, aber noch keinen ausreichenden klinischen Wirksamkeitsnachweis.
Die kleine kontrollierte Humanstudie von 2024 ist wissenschaftlich interessant.
Sie reicht jedoch nicht aus, um CBG allgemein als Behandlung gegen:
- Angststörungen
- chronischen Stress
- Panikstörungen
zu empfehlen.
Dafür wären unter anderem notwendig:
- größere Studien
- klinische Patientengruppen
- wiederholte Untersuchungen
- längere Beobachtungszeiträume
- Vergleich mit etablierten Therapien
Deshalb sollte aus:
„In einer Studie wurden bestimmte Angstwerte reduziert“
nicht:
„CBG behandelt Angst“
gemacht werden.
Wird CBG gegen Schmerzen untersucht?
Ja.
CBG wird in der Schmerzforschung untersucht.
Dabei spielen mögliche Interaktionen mit unter anderem:
- Cannabinoid-Rezeptoren
- TRP-Kanälen
- adrenergen Signalwegen
eine Rolle.
Ein großer Teil der bisherigen Erkenntnisse stammt jedoch aus präklinischen Modellen.
Das bedeutet:
Es gibt derzeit keine ausreichende klinische Grundlage, CBG pauschal als Schmerzmittel zu bezeichnen.
Ein biologisch plausibler Mechanismus ist noch kein Beweis für eine wirksame Schmerztherapie beim Menschen.
Wird CBG bei Entzündungen untersucht?
Ja.
In Labor- und Tiermodellen wurden mögliche entzündungsmodulierende Eigenschaften von CBG untersucht.
Das Forschungsinteresse betrifft beispielsweise:
- Immunreaktionen
- entzündliche Signalwege
- Darmmodelle
- neurologische Entzündungsprozesse
Solche Ergebnisse sind wissenschaftlich relevant.
Sie beweisen jedoch nicht, dass ein CBG-Öl beim Menschen entzündliche Erkrankungen zuverlässig behandelt.
Hier gilt:
präklinische Wirkung ≠ nachgewiesene Therapie
CBG und das Nervensystem
CBG wird auch hinsichtlich möglicher Effekte auf das Nervensystem untersucht.
Forschungsfelder umfassen unter anderem:
- neuroinflammatorische Prozesse
- neuronale Signalwege
- oxidativen Stress
- neuroprotektive Mechanismen
Dabei stammen viele Ergebnisse aus Zell- oder Tiermodellen.
Begriffe wie:
„neuroprotektiv“
sollten deshalb nicht ohne Kontext als nachgewiesener gesundheitlicher Nutzen beim Menschen dargestellt werden.
Aktuelle Forschungsarbeiten betrachten CBG als potenziell interessantes Molekül für weitere neurobiologische Forschung – nicht als bereits etablierte Behandlung neurologischer Erkrankungen.
Wirkt CBG antibakteriell?
Auch antibakterielle Eigenschaften werden untersucht.
Besonders bekannt sind Laboruntersuchungen, in denen CBG Aktivität gegen bestimmte Bakterien zeigte.
Solche Ergebnisse können für die Arzneistoffforschung interessant sein.
Eine antibakterielle Wirkung im Labor bedeutet jedoch nicht automatisch, dass CBG:
- Infektionen beim Menschen behandelt
- Antibiotika ersetzt
- oral eingenommen eine antibakterielle Therapie darstellt
Zwischen einer Zellkultur beziehungsweise Laboranalyse und einer wirksamen klinischen Behandlung liegen zahlreiche weitere Forschungsschritte.
Wird CBG in der Krebsforschung untersucht?
Ja.
Wie verschiedene andere Cannabinoide wird CBG auch in experimentellen Krebsmodellen untersucht.
Dabei werden mögliche Effekte auf:
- Zellwachstum
- Zelltod
- Signalwege
- Entzündungsprozesse
erforscht.
Das ist jedoch besonders sensibel einzuordnen.
Es gibt keinen ausreichenden Beleg dafür, dass CBG Krebs beim Menschen behandelt oder heilt.
Ein Effekt auf Tumorzellen im Labor ist kein Beweis für eine wirksame Krebstherapie.
CBG sollte deshalb keinesfalls als Ersatz für medizinisch etablierte Krebsbehandlungen dargestellt oder verwendet werden.
Ist CBG medizinisch zugelassen?
CBG wird intensiv erforscht.
Eine breite etablierte medizinische Anwendung vergleichbar mit zugelassenem Cannabidiol bei bestimmten Epilepsieformen besteht jedoch derzeit nicht.
Das bedeutet:
Forschungsinteresse ist nicht gleich Arzneimittelzulassung.
Ein Produkt wird nicht automatisch zu einem wirksamen Medikament, nur weil sein Inhaltsstoff in wissenschaftlichen Studien untersucht wird.
Hat CBG Nebenwirkungen?
Die Sicherheitsdaten zu CBG beim Menschen sind noch begrenzt.
Das ist ein wichtiger Unterschied zu Substanzen, für die bereits umfangreiche klinische Studien existieren.
In der kleinen Humanstudie von 2024 wurden bei einer einmaligen Dosis von 20 mg keine typischen berauschenden Effekte oder erheblichen akuten Beeinträchtigungen beobachtet.
Daraus lässt sich aber nicht schließen:
„CBG ist sicher und nebenwirkungsfrei.“
Noch unzureichend geklärt sind insbesondere:
- langfristige Einnahme
- hohe Dosierungen
- regelmäßige Anwendung
- Leberstoffwechsel
- Wechselwirkungen mit Medikamenten
- Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit
- Verwendung bei Kindern und Jugendlichen
- Anwendung bei bestehenden Erkrankungen
Auch präklinische Forschung liefert Hinweise darauf, dass mögliche Effekte dosisabhängig betrachtet werden müssen.
Für zuverlässige Aussagen zum langfristigen Sicherheitsprofil fehlen weiterhin klinische Daten.
Kann CBG mit Medikamenten wechselwirken?
Mögliche Arzneimittelwechselwirkungen können derzeit nicht ausgeschlossen werden.
Cannabinoide werden im Körper unter anderem über Enzymsysteme metabolisiert.
Bei CBG sind die Daten zu klinisch relevanten Medikamenteninteraktionen deutlich begrenzter als beispielsweise bei CBD.
Deshalb wäre die Aussage:
„CBG hat keine Wechselwirkungen“
nicht wissenschaftlich abgesichert.
Besonders vorsichtig sollten Personen sein, die regelmäßig Medikamente einnehmen.
Dazu zählen insbesondere Medikamente:
- mit enger therapeutischer Breite
- mit starker Lebermetabolisierung
- mit sedierenden Wirkungen
Bei gesundheitlichen Fragestellungen sollte die Einnahme mit ärztlichem oder pharmazeutischem Fachpersonal besprochen werden.
Kann CBG abhängig machen?
CBG besitzt keine mit THC vergleichbare typische berauschende Wirkung.
Ein entsprechendes klassisches Cannabisrauschprofil ist deshalb nicht zu erwarten.
Für reines CBG ist bislang kein mit regelmäßigem THC-Konsum vergleichbares typisches Abhängigkeitspotenzial belegt.
Die Datenlage beim Menschen ist jedoch klein.
Außerdem muss zwischen:
reinem CBG
und:
einem CBG-haltigen Cannabis- beziehungsweise Hanfprodukt
unterschieden werden.
Solche Produkte können weitere Cannabinoide enthalten.
Was ist CBG-Öl?
Als CBG-Öl werden Produkte bezeichnet, die Cannabigerol in einem Trägeröl enthalten.
Je nach Herstellungsverfahren können zusätzlich andere Bestandteile enthalten sein.
Beispielsweise:
- CBD
- THC
- CBC
- weitere Cannabinoide
- Terpene
Die Bezeichnung „CBG-Öl“ allein sagt deshalb noch nichts darüber aus:
- wie viel CBG tatsächlich enthalten ist
- wie rein das Produkt ist
- ob THC enthalten ist
- ob die Konzentrationsangabe stimmt
- ob das Produkt medizinisch wirksam ist
Für eine zuverlässige Bestimmung der Zusammensetzung sind Laboranalysen notwendig.
Ist CBG natürlich?
Ja.
CBG ist ein natürlich vorkommendes Phytocannabinoid.
Es kann durch die Decarboxylierung seiner sauren Vorstufe CBGA entstehen.
Der Begriff „natürlich“ bedeutet allerdings nicht automatisch:
- sicher
- gesund
- nebenwirkungsfrei
- medizinisch wirksam
Die gesundheitliche Bewertung eines Stoffes hängt unter anderem von:
- Dosis
- Reinheit
- Aufnahmeform
- Einnahmedauer
- Wechselwirkungen
- individuellen Risikofaktoren
ab.
Ist CBG besser als CBD?
Dafür gibt es keine wissenschaftliche Grundlage.
CBD ist deutlich umfangreicher untersucht als CBG.
Für Cannabidiol existieren:
- zahlreiche Humanstudien
- klinische Studien
- pharmakokinetische Daten
- zugelassene medizinische Anwendungen
Bei CBG befindet sich die Humanforschung dagegen noch in einer frühen Phase.
Deshalb lässt sich nicht seriös behaupten:
CBG sei besser, stärker oder wirksamer als CBD.
Es handelt sich um zwei unterschiedliche Cannabinoide.
Welche pharmakologischen Eigenschaften medizinisch interessant sein könnten, muss für jede Fragestellung separat untersucht werden.
Ist CBG das „nächste CBD“?
CBG wird im kommerziellen Bereich teilweise als neuer Trend nach CBD vermarktet.
Aus wissenschaftlicher Sicht ist diese Bezeichnung problematisch.
CBG besitzt zwar interessante pharmakologische Eigenschaften und wird zunehmend erforscht.
Die klinische Evidenz ist jedoch deutlich kleiner als bei CBD.
Deshalb gilt:
Mehr Forschungsinteresse bedeutet nicht automatisch nachgewiesene gesundheitliche Wirkung.
Gerade bei Minor Cannabinoids sollte zwischen:
- Laborforschung
- Tierversuchen
- ersten Humanstudien
- klinischer Wirksamkeit
- zugelassener Behandlung
klar unterschieden werden.
Was ist CBG? Das Wichtigste zusammengefasst
CBG beziehungsweise Cannabigerol ist ein natürliches Phytocannabinoid der Cannabispflanze, das keinen mit THC vergleichbaren typischen Cannabisrausch verursacht.
Die wichtigsten Fakten:
- CBG steht für Cannabigerol.
- Es gehört zu den Phytocannabinoiden.
- CBG wird häufig als Minor Cannabinoid bezeichnet.
- Seine saure Vorstufe heißt CBGA.
- CBGA ist eine zentrale Vorstufe für verschiedene Cannabinoidsäuren.
- Aus CBGA können unter anderem THCA, CBDA und CBCA entstehen.
- Durch Decarboxylierung kann aus CBGA CBG entstehen.
- Die Bezeichnung „Mutter aller Cannabinoide“ trifft wissenschaftlich eher auf die Rolle von CBGA als auf CBG selbst zu.
- CBG verursacht keinen typischen THC-Rausch.
- CBG besitzt ein komplexes pharmakologisches Profil.
- Untersucht werden unter anderem CB1, CB2, TRP-Kanäle, adrenerge und weitere Rezeptorsysteme.
- Ein großer Teil der Forschung zu CBG ist bislang präklinisch.
- Es existieren erste kontrollierte Humanstudien.
- Eine kleine Studie von 2024 fand Hinweise auf akute Effekte auf bestimmte Angst- und Stresswerte.
- Daraus lässt sich noch keine etablierte Behandlung von Angststörungen ableiten.
- CBG wird unter anderem hinsichtlich Schmerz, Entzündung, neurologischer Prozesse und antibakterieller Eigenschaften untersucht.
- Für viele dieser Forschungsbereiche fehlen ausreichende klinische Wirksamkeitsnachweise.
- Das langfristige Sicherheitsprofil von CBG beim Menschen ist noch nicht ausreichend untersucht.
- Mögliche Arzneimittelwechselwirkungen können nicht ausgeschlossen werden.
- CBG ist nicht einfach „das neue CBD“.
CBG ist damit ein wissenschaftlich interessantes, aber klinisch noch vergleichsweise wenig untersuchtes Cannabinoid.
Gerade deshalb sollte zwischen vielversprechender Grundlagenforschung und tatsächlich nachgewiesener medizinischer Wirksamkeit klar unterschieden werden.
Häufige Fragen zu CBG
Was ist CBG einfach erklärt?
CBG steht für Cannabigerol. Es ist ein natürlich vorkommendes Cannabinoid der Cannabispflanze und verursacht keinen mit THC vergleichbaren typischen Cannabisrausch.
Wofür steht CBG?
CBG ist die Abkürzung für Cannabigerol.
Macht CBG high?
Nach aktuellem Kenntnisstand verursacht CBG keinen typischen THC-Rausch.
Ist CBG ein Cannabinoid?
Ja. CBG ist ein Phytocannabinoid und kommt natürlicherweise in Cannabis vor.
Was ist CBGA?
CBGA steht für Cannabigerolsäure. Sie ist eine wichtige biosynthetische Vorstufe, aus der unter anderem THCA, CBDA und CBCA entstehen können.
Ist CBG die Mutter aller Cannabinoide?
Die Formulierung ist ungenau. Wissenschaftlich sinnvoller ist es, CBGA als zentrale Vorstufe verschiedener Cannabinoidsäuren zu bezeichnen.
Was ist der Unterschied zwischen CBG und CBD?
CBG und CBD sind unterschiedliche Cannabinoide. Beide verursachen keinen typischen THC-Rausch, besitzen aber verschiedene pharmakologische Profile. CBD ist beim Menschen deutlich umfangreicher untersucht.
Was ist der Unterschied zwischen CBG und THC?
THC kann einen typischen Cannabisrausch verursachen. CBG besitzt keine vergleichbare berauschende Wirkung.
Hilft CBG gegen Angst?
Eine kleine kontrollierte Humanstudie aus dem Jahr 2024 fand erste Hinweise auf Effekte bei Angst und Stress. Die Daten reichen jedoch nicht aus, CBG als etablierte Behandlung von Angststörungen zu bezeichnen.
Hilft CBG gegen Schmerzen?
CBG wird in präklinischen Schmerzmodellen untersucht. Ausreichende klinische Belege für eine allgemeine schmerzlindernde Wirkung beim Menschen fehlen derzeit.
Hat CBG Nebenwirkungen?
Die Sicherheitsdaten beim Menschen sind bislang begrenzt. Insbesondere zur langfristigen Einnahme, hohen Dosierungen und möglichen Wechselwirkungen werden weitere klinische Daten benötigt.
Kann CBG mit Medikamenten wechselwirken?
Mögliche Wechselwirkungen können derzeit nicht ausgeschlossen werden. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte die Verwendung von CBG mit medizinischem oder pharmazeutischem Fachpersonal besprechen.
Ist CBG besser als CBD?
Dafür gibt es keine wissenschaftliche Grundlage. Beide Cannabinoide unterscheiden sich pharmakologisch, und CBD besitzt derzeit eine wesentlich größere klinische Datenbasis.
Quellen & weiterführende Informationen
Aktuelle wissenschaftliche Übersicht zu Cannabigerol
Comprehensive Review zu den molekularen Wirkmechanismen und dem Forschungsstand von CBG.
Cuttler et al. (2024): Acute effects of cannabigerol on anxiety, stress, and mood
Randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Cross-over-Studie mit 34 gesunden Erwachsenen und 20 mg CBG.
Aktuelle Übersicht zur Pharmakokinetik nicht berauschender Phytocannabinoide
Review zu CBD, CBG, CBC und ihren sauren Vorstufen mit besonderem Hinweis auf die weiterhin begrenzten klinischen Daten zu CBG.
Aktuelle Review-Literatur zur Pharmakologie von CBG
Übersichten zu CB1, CB2, TRP-Kanälen, Alpha-2-Adrenozeptoren und weiteren möglichen molekularen Zielstrukturen.
Aktuelle Forschung zu Sicherheit und Langzeitanwendung von CBG
Hier zukünftige hochwertige Humanstudien beziehungsweise systematische Reviews ergänzen.
Medizinischer Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und wissenschaftlichen Einordnung. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose, Behandlung oder individuelle medizinische Beratung. Viele mögliche Wirkungen von CBG wurden bislang überwiegend in präklinischen Modellen untersucht und sind nicht als medizinische Wirksamkeit beim Menschen nachgewiesen.