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Cannabisstängel: Aufbau, Funktion und Fasern einfach erklärt

Der Cannabisstängel trägt Blätter, Seitentriebe und Blüten und verbindet gleichzeitig Wurzeln und oberirdische Pflanzenteile über ein komplexes Leitgewebesystem. Besonders bei Nutzhanf ist der Stängel außerdem wirtschaftlich interessant, weil seine äußeren Bereiche lange cellulosehaltige Bastfasern und sein innerer Holzkern die sogenannten Hanfschäben liefern.

Der Stängel von Cannabis sativa L. erfüllt damit gleich mehrere Aufgaben:

  • mechanische Stabilität
  • Transport von Wasser
  • Transport von Mineralstoffen
  • Verteilung von Photosyntheseprodukten
  • Verbindung von Wurzeln, Blättern und Blüten
  • Ausbildung von Knoten und Seitentrieben
  • Speicherung verschiedener Stoffe
  • Bildung wertvoller Pflanzenfasern

Botanisch ist der Cannabisstängel deutlich komplexer als ein einfacher „Stab“, der die Pflanze aufrecht hält.

Wie ist der Cannabisstängel aufgebaut?

Vereinfacht lässt sich ein Cannabisstängel von außen nach innen in mehrere Gewebebereiche gliedern:

  1. Epidermis
  2. Rindengewebe
  3. Phloem mit Bastfasern
  4. vaskuläres Kambium
  5. Xylem beziehungsweise Holzkern
  6. Mark

Die genaue Struktur verändert sich mit:

  • Pflanzenalter
  • Genetik
  • Position am Stängel
  • Entwicklungsstadium

Besonders ältere Stängel zeigen zunehmend:

sekundäres Dickenwachstum und Verholzung.

Untersuchungen verschiedener Cannabisgenotypen zeigen deutliche Unterschiede bei Durchmesser, Gewebezusammensetzung und Faserentwicklung.

Aufbau der Cannabispflanze

Welche Funktion hat der Cannabisstängel?

Der Stängel besitzt drei besonders wichtige Grundfunktionen.

Stabilität

Er trägt:

  • Blätter
  • Seitentriebe
  • Blütenstände

und hält diese in einer geeigneten Position.

Stofftransport

Im Inneren verlaufen die Leitgewebe:

  • Xylem
  • Phloem

Sie verbinden Wurzeln und oberirdische Pflanzenteile.

Wachstum und Verzweigung

Am Stängel befinden sich:

Knoten – Nodes

an denen unter anderem entstehen können:

  • Blätter
  • Seitentriebe
  • Blütenstrukturen

Zwischen zwei Knoten liegt ein:

Internodium.

Der Stängel bestimmt damit maßgeblich die gesamte Architektur der Cannabispflanze.

Was sind Knoten bei Cannabis?

Ein Knoten ist ein Bereich des Sprosses, an dem bestimmte Pflanzenorgane entstehen beziehungsweise ansetzen.

Dazu können gehören:

  • Blätter
  • Seitentriebe
  • Knospen
  • Blütenstrukturen

Knoten sind deshalb wichtige Orientierungspunkte bei der Beschreibung der Pflanzenmorphologie.

Vereinfacht:

Knoten → Internodium → Knoten → Internodium

Mit zunehmendem Wachstum entstehen immer weitere Sprossabschnitte.

Was ist ein Internodium?

Das Internodium ist der Stängelabschnitt zwischen zwei benachbarten Knoten.

Seine Länge beeinflusst stark, wie eine Cannabispflanze äußerlich erscheint.

Längere Internodien können zu einer:

  • gestreckteren
  • offeneren

Pflanzenarchitektur führen.

Kürzere Internodien können dagegen eine:

  • kompaktere
  • dichter wirkende

Pflanze erzeugen.

Die Internodienlänge wird unter anderem beeinflusst durch:

  • Genetik
  • Entwicklungsstadium
  • Pflanzenhormone
  • Umweltbedingungen

Was befindet sich außen am Cannabisstängel?

Junge Sprosse werden zunächst von einer:

Epidermis

bedeckt.

Sie bildet die äußere Abschlussgewebeschicht der Pflanze.

Die Epidermis schützt innere Gewebe unter anderem vor:

  • unkontrolliertem Wasserverlust
  • mechanischen Einflüssen
  • bestimmten äußeren Belastungen

Bei älteren und stärker verholzten Stängelbereichen verändern sich die äußeren Gewebestrukturen zunehmend.

Kann ein Cannabisstängel grün sein?

Ja.

Besonders junge Cannabisstängel sind häufig:

grün.

Das deutet auf chlorophyllhaltige Gewebe hin.

Junge Sprossbereiche können deshalb in begrenztem Umfang auch:

Photosynthese

betreiben.

Der überwiegende Anteil der Photosynthese einer entwickelten Cannabispflanze findet jedoch in den Blättern statt.

Mit zunehmender Reife kann der Stängel:

  • dicker
  • härter
  • stärker verholzt

werden.

Was ist die Rinde des Hanfstängels?

Umgangssprachlich wird der äußere Bereich eines Hanfstängels häufig als:

Rinde

bezeichnet.

Botanisch befinden sich dort verschiedene Gewebe.

Besonders wichtig für Nutzhanf sind die im äußeren Stängelbereich liegenden:

Bastfasern.

Sie gehören funktionell zum Bereich des Phloems beziehungsweise angrenzender Fasergewebe.

Diese Fasern sind reich an:

Cellulose

und vergleichsweise arm an Lignin.

Was ist das Phloem?

Das Phloem ist eines der beiden zentralen Leitgewebesysteme einer Gefäßpflanze.

Es transportiert vor allem organische Verbindungen.

Dazu gehören insbesondere Produkte der Photosynthese wie:

Zucker beziehungsweise Saccharose.

Diese Stoffe können beispielsweise von photosynthetisch aktiven Blättern transportiert werden zu:

  • Wurzeln
  • jungen Trieben
  • Blüten
  • Samen

Das Phloem verbindet damit verschiedene sogenannte:

Source- und Sink-Gewebe

der Pflanze.

Interner Link: Cannabisblätter

Was ist das Xylem?

Das Xylem transportiert hauptsächlich:

  • Wasser
  • gelöste Mineralstoffe

von den Wurzeln in Richtung der oberirdischen Pflanzenorgane.

Vereinfacht:

Wurzel → Stängel → Blätter und Blüten

Zusätzlich besitzt das Xylem eine wichtige:

mechanische Funktion.

Seine Zellwände können stark lignifiziert sein.

Dadurch wird der innere Stängelbereich zunehmend:

  • fest
  • stabil
  • holzartig

Interner Link: Cannabiswurzeln

Was ist Lignin?

Lignin ist ein komplexer Bestandteil pflanzlicher Zellwände.

Es trägt wesentlich zu:

  • Stabilität
  • Festigkeit
  • Widerstandsfähigkeit

bestimmter Pflanzengewebe bei.

Besonders die inneren holzigen Bereiche des Hanfstängels besitzen deutlich mehr Lignin als die äußeren hochwertigen Bastfasern.

Das ist einer der wichtigsten chemischen Unterschiede zwischen:

Bastfaser und Schäbe.

Was ist Cellulose?

Cellulose ist ein Polysaccharid und einer der wichtigsten strukturellen Bestandteile pflanzlicher Zellwände.

Sie besteht aus langen Ketten von:

Glucosemolekülen.

Besonders Hanfbastfasern besitzen einen hohen Celluloseanteil.

Eine aktuelle Review gibt für Bastfasern je nach Material und Untersuchung ungefähr 55–72 % Cellulose an; andere Analysen finden abhängig von Genotyp und Methode ebenfalls stark cellulosebetonte Faserwände.

Dieser hohe Cellulosegehalt trägt zur:

  • Zugfestigkeit
  • Flexibilität
  • technischen Nutzbarkeit

der Fasern bei.

Was sind Bastfasern bei Hanf?

Bastfasern sind lange mechanische Faserzellen beziehungsweise Faserbündel im äußeren Bereich des Hanfstängels.

Sie liegen außerhalb des stärker verholzten Xylemkerns.

Sie bestehen überwiegend aus:

  • Cellulose
  • Hemicellulosen
  • Pektinen

und besitzen vergleichsweise wenig:

Lignin.

Gerade diese Kombination macht Hanfbastfasern technisch interessant.

Warum sind Hanffasern so stabil?

Die Stabilität beruht stark auf ihrer Zellwandstruktur.

Hanfbastfasern besitzen:

  • dicke Zellwände
  • hohe Celluloseanteile
  • geordnet verlaufende Cellulosemikrofibrillen
  • spezielle sekundäre Zellwandschichten

Besonders charakteristisch ist eine cellulosehaltige:

G-Schicht – gelatinous layer.

Diese spezielle Zellwandstruktur ist ein wichtiger Grund für die mechanischen Eigenschaften von Bastfasern.

Was sind primäre Bastfasern?

Bei Cannabis beziehungsweise Hanf können zwei Bastfasertypen unterschieden werden.

Primäre Bastfasern

Sie entstehen früh während der Pflanzenentwicklung.

Sie sind typischerweise:

  • besonders lang
  • cellulosehaltig
  • relativ wenig lignifiziert

und für hochwertige technische Fasern besonders interessant.

Was sind sekundäre Bastfasern?

Mit zunehmendem Dickenwachstum können später:

sekundäre Bastfasern

entstehen.

Sie werden durch Gewebe im Zusammenhang mit dem:

vaskulären Kambium

gebildet.

Sekundäre Bastfasern sind typischerweise:

  • kürzer
  • stärker lignifiziert

als die primären Bastfasern.

Die relative Menge beider Fasertypen verändert sich während der Pflanzenentwicklung.

Was ist das Kambium?

Zwischen Phloem und Xylem befindet sich bei sekundärem Wachstum das:

vaskuläre Kambium.

Dabei handelt es sich um eine Schicht teilungsfähiger Zellen.

Sie produziert vereinfacht:

nach innen → sekundäres Xylem

nach außen → sekundäres Phloem

Durch diese Aktivität nimmt der Stängel im Durchmesser zu.

Dieser Vorgang heißt:

sekundäres Dickenwachstum.

Verholzt Cannabis?

Ja.

Obwohl Cannabis eine einjährige krautige Pflanze ist, können ihre Stängel deutlich:

verholzen.

Besonders ältere Stängelbereiche entwickeln stark lignifiziertes sekundäres Xylem.

Cannabis ist deshalb ein interessantes Forschungsmodell für die Untersuchung des Übergangs von:

  • primärem Wachstum
  • zu sekundärem Dickenwachstum
  • und Faserbildung.

Wird der Cannabisstängel dicker?

Ja.

Junge Stängel wachsen zunächst besonders in:

Länge.

Später kann zusätzlich das:

radiale beziehungsweise sekundäre Wachstum

stärker werden.

Dadurch nimmt der Stängeldurchmesser zu.

Gleichzeitig entwickeln sich:

  • Xylem
  • Bastfasern
  • Zellwände
  • Lignifizierung

weiter.

Der Stängel verändert sich während seines Lebens also sowohl in Länge als auch Struktur.

Interner Link: Lebenszyklus der Cannabispflanze

Was sind Hanfschäben?

Nach der Trennung der langen äußeren Bastfasern bleibt ein großer Teil des inneren holzigen Stängels zurück.

Dieses Material wird bezeichnet als:

Hanfschäben

englisch:

Hurds beziehungsweise Shives.

Schäben bestehen überwiegend aus den stärker verholzten inneren Bereichen des Stängels.

Sie besitzen im Vergleich zu Bastfasern:

  • weniger Cellulose
  • mehr Lignin
  • andere Hemicellulosen
  • eine porösere Struktur

Bastfasern und Hanfschäben: Was ist der Unterschied?

MerkmalBastfasernHanfschäben
Positionäußerer Stängelbereichinnerer holziger Kern
Gewebevor allem Phloemfasernvor allem Xylemgewebe
Cellulosebesonders hochgeringer
Ligninvergleichsweise niedrigdeutlich höher
Strukturlang und zugfestkurz, holzig und porös
Typische NutzungTextilien, Seile, VerbundwerkstoffeBaustoffe, Einstreu, Dämmung
englischer Begriffbast fibrehurd / shive

Beide Materialien stammen somit aus demselben Cannabisstängel, besitzen aber deutlich unterschiedliche Eigenschaften.

Warum ist der innere Hanfstängel holzig?

Der innere Bereich enthält viel:

Xylem.

Während der Pflanzenentwicklung werden zahlreiche dieser Zellwände:

lignifiziert.

Dadurch nimmt ihre Festigkeit zu.

Diese Struktur hilft der Pflanze:

  • aufrecht zu stehen
  • Wasser zu transportieren
  • mechanische Belastungen auszuhalten

Nach der Verarbeitung liefert dieser Bereich die Hanfschäben.

Was ist das Mark im Cannabisstängel?

Im Zentrum junger beziehungsweise bestimmter Stängelabschnitte kann sich:

Mark – Pith

befinden.

Es besteht hauptsächlich aus:

Parenchymzellen.

Das Mark kann je nach Entwicklungsstadium:

  • relativ ausgeprägt
  • kleiner
  • teilweise hohl wirkend

sein.

Die genaue Anatomie hängt von Pflanzenalter und Genetik ab.

Ist ein Hanfstängel innen hohl?

Er kann teilweise hohl erscheinen.

Das bedeutet aber nicht, dass ein Cannabisstängel grundsätzlich nur aus einer dünnen Außenwand besteht.

Er besitzt verschiedene Schichten und Gewebe, darunter:

  • Leitgewebe
  • Xylem
  • Fasern
  • Markbereiche

Mit der Entwicklung können sich zentrale Bereiche verändern.

Die genaue Ausprägung unterscheidet sich zwischen verschiedenen Cannabisgenotypen.

Warum wächst Faserhanf häufig besonders hoch?

Faserhanf wurde über lange Zeit gezielt auf Eigenschaften selektiert, die für die Fasergewinnung vorteilhaft sind.

Dazu können gehören:

  • lange Stängel
  • geringer Verzweigungsgrad
  • lange Internodien
  • hoher Bastfaseranteil
  • geeignete Faserqualität

Das Ziel ist möglichst viel nutzbares:

Stängelmaterial.

Cannabislinien, die für Blütenproduktion selektiert wurden, können dagegen deutlich andere Pflanzenarchitekturen besitzen.

Ist hoher Hanf automatisch Faserhanf?

Nein.

Pflanzenhöhe allein reicht nicht für eine sichere Klassifikation.

Auch andere Cannabisgenetiken können hoch wachsen.

Eine Faserhanfsorte wird durch eine Kombination von Merkmalen charakterisiert.

Dazu gehören:

  • Genetik
  • Stängelmorphologie
  • Faseranteil
  • Nutzungseigenschaften
  • rechtliche Sorteneinordnung

Interner Link: Hanf vs. Cannabis

Gibt es genetische Unterschiede bei Cannabisstängeln?

Ja.

Untersuchungen verschiedener Cannabis-sativa-Genotypen zeigen erhebliche Unterschiede bei:

  • Stängeldurchmesser
  • Rindenanteil
  • Bastfaseranteil
  • Xylembereich
  • Faserqualität
  • mechanischen Eigenschaften

Das bedeutet:

Nicht jede Cannabispflanze besitzt denselben Stängel.

Auch die Anatomie des Sprosses ist Teil des genetisch beeinflussten Phänotyps.

Cannabisgenetik

Unterscheidet sich der Stängel während des Lebenszyklus?

Ja.

Ein junger Cannabisstängel unterscheidet sich deutlich von einem älteren.

Während der Entwicklung können:

  • Durchmesser zunehmen
  • sekundäres Xylem entstehen
  • Bastfaserbündel größer werden
  • sekundäre Fasern entstehen
  • Zellwände stärker lignifizieren

Besonders im unteren, älteren Bereich des Stängels ist die Entwicklung häufig weiter fortgeschritten als an jüngeren Sprossspitzen.

Forscher beschreiben dabei einen Entwicklungsgradienten entlang des Hanfstängels.

Was bedeutet Lignifizierung?

Lignifizierung bezeichnet die Einlagerung von Lignin in bestimmte Zellwände.

Dadurch werden die Zellwände:

  • fester
  • steifer
  • widerstandsfähiger

Bei Cannabis betrifft dies besonders:

xylemreiche beziehungsweise holzige Stängelbereiche.

Die cellulosehaltigen hochwertigen Bastfasern besitzen dagegen wesentlich geringere Ligningehalte.

Warum sind ältere Hanfstängel härter?

Mit zunehmendem Entwicklungsalter verändern sich die Zellwände.

Unter anderem:

  • entsteht mehr sekundäres Xylem
  • steigt die Lignifizierung
  • verdicken bestimmte Zellwände
  • nimmt der Stängeldurchmesser zu

Dadurch werden ältere Stängelabschnitte mechanisch deutlich stabiler.

Enthält der Cannabisstängel Cannabinoide?

Cannabinoide können in unterschiedlichen oberirdischen Pflanzengeweben nachgewiesen werden.

Der Cannabisstängel gehört jedoch nicht zu den besonders cannabinoidreichen Pflanzenteilen.

Hohe Cannabinoidkonzentrationen sind vor allem mit:

  • weiblichen Blüten
  • Brakteen
  • trichomreichen Zuckerblättern

verbunden.

Der Stängel besitzt vergleichsweise wenige der dafür besonders relevanten glandulären Trichome.

Deshalb gilt:

Stängel ≠ cannabinoidreiche Cannabisblüte

Interner Link: Cannabisblüte

Enthält der Cannabisstängel THC?

Je nach Pflanzenmaterial können geringe Mengen beziehungsweise Spuren von Cannabinoiden vorkommen.

Der Stängel produziert jedoch keine mit weiblichen Blüten vergleichbaren THC-/THCA-Konzentrationen.

Sichtbare Größe oder Dicke eines Cannabisstängels erlaubt daher selbstverständlich keine Aussage über den THC-Gehalt einer Pflanze.

Hat der Cannabisstängel Trichome?

Junge oberirdische Sprossbereiche können verschiedene:

Trichomtypen

besitzen.

Die besonders hohe Dichte cannabinoidreicher glandulärer Trichome findet sich jedoch auf weiblichen Blütenstrukturen.

Die Verteilung von Trichomen ist also stark:

organabhängig.

Interner Link: Was sind Trichome bei Cannabis?

Was hat der Stängel mit der Cannabisblüte zu tun?

Blütenstände entstehen an den Sprosssystemen der Pflanze.

Der Stängel beziehungsweise seine Verzweigungen:

  • tragen Blüten
  • versorgen sie mit Wasser
  • versorgen sie mit Mineralstoffen
  • transportieren Photosyntheseprodukte

Blüten sind deshalb physiologisch eng mit dem gesamten Leitgewebesystem verbunden.

Sie funktionieren nicht unabhängig von Wurzeln, Blättern und Stängeln.

Wie gelangt Wasser vom Boden bis zur Cannabisblüte?

Vereinfacht läuft der Weg:

Boden

Wurzeln

Xylem im Stängel

Blätter und Blüten

Wasser wird zunächst durch die Wurzeln aufgenommen.

Anschließend gelangt es über das Xylem durch die Sprossachse zu den oberirdischen Organen.

Transpiration über die Blätter ist ein wichtiger Bestandteil dieses Transportsystems.

Wie gelangen Zucker zu Blüten und Wurzeln?

Photosynthetisch aktive Blätter produzieren Kohlenhydrate.

Ein Teil davon wird über das:

Phloem

zu anderen Pflanzenorganen transportiert.

Dazu gehören:

  • Wurzeln
  • Wachstumspunkte
  • Blüten
  • Samen

Der Cannabisstängel ist damit eine zentrale Transportachse zwischen sogenannten:

Source- und Sink-Organen.

Kann ein Cannabisstängel Wasser speichern?

Pflanzengewebe enthält selbstverständlich Wasser.

Die Hauptfunktion des Cannabisstängels besteht jedoch nicht darin, große Wassermengen wie eine typische Sukkulente zu speichern.

Seine Hauptaufgaben liegen vielmehr bei:

  • Transport
  • Stabilität
  • Wachstum
  • Verbindung der Pflanzenorgane

Warum bricht ein Cannabisstängel nicht sofort?

Die mechanische Stabilität entsteht durch mehrere Gewebe.

Dazu gehören insbesondere:

  • Bastfasern
  • Xylemfasern
  • lignifizierte Zellwände
  • Cellulosemikrofibrillen

Der Stängel funktioniert gewissermaßen als natürlicher:

Faserverbundwerkstoff.

Flexible äußere Fasergewebe und ein festerer innerer Kern ergänzen sich mechanisch.

Warum wird Hanf seit Jahrtausenden für Fasern genutzt?

Die langen, starken Bastfasern lassen sich zu verschiedensten Materialien verarbeiten.

Historisch wurden Hanffasern unter anderem genutzt für:

  • Seile
  • Segeltuch
  • Stoffe
  • Netze
  • Papier

Heute werden zusätzlich untersucht beziehungsweise eingesetzt:

  • technische Textilien
  • Verbundwerkstoffe
  • Automobilteile
  • Dämmstoffe
  • biobasierte Kunststoffe

Die industrielle Fasernutzung gehört zu den ältesten bekannten Nutzungsformen von Cannabis.

Wofür werden Hanfbastfasern heute verwendet?

Moderne Anwendungen umfassen beispielsweise:

Textilien

Nach entsprechender Verarbeitung können Bastfasern zu Garnen und textilen Materialien verarbeitet werden.

Verbundwerkstoffe

Hanffasern können synthetische Verstärkungsfasern teilweise ersetzen.

Automobilindustrie

Naturfaser-Verbundwerkstoffe können beispielsweise für Innenraumkomponenten verwendet werden.

Papier

Der hohe Cellulosegehalt macht Hanffasern grundsätzlich für die Papierherstellung geeignet.

Dämmstoffe

Hanffasern können zu Dämmmatten und anderen Bauprodukten verarbeitet werden.

Wofür werden Hanfschäben verwendet?

Der holzige Kern besitzt andere Eigenschaften als die langen Bastfasern.

Schäben werden beispielsweise verwendet für:

  • Tiereinstreu
  • Dämmmaterial
  • Plattenwerkstoffe
  • Leichtbaustoffe
  • sogenannte Hanf-Kalk-Baustoffe

Ihre poröse Struktur kann unter anderem für:

Feuchtigkeitsaufnahme und Wärmedämmung

interessant sein.

Was ist Hanfbeton?

Der umgangssprachliche Begriff:

Hanfbeton

bezeichnet meist einen Baustoff aus:

  • Hanfschäben
  • mineralischem Bindemittel, häufig Kalk
  • Wasser

International wird häufig von:

Hempcrete

gesprochen.

Es handelt sich technisch nicht um klassischen tragenden Beton mit denselben Eigenschaften wie Stahlbeton.

Hanf-Kalk-Materialien werden vielmehr unter anderem wegen ihrer:

  • geringen Dichte
  • Dämmwirkung
  • Feuchtigkeitsregulation

eingesetzt.

Was bedeutet Rösten von Hanf?

Um Bastfasern vom umgebenden Pflanzengewebe zu lösen, wird traditionell ein Prozess eingesetzt, der:

Röste beziehungsweise Retting

genannt wird.

Dabei werden bestimmte Bestandteile zwischen den Faserbündeln abgebaut.

Besonders relevant sind:

  • Pektine
  • Hemicellulosen
  • Teile anderer verbindender Zellwandbestandteile

Dadurch können die Faserbündel leichter vom übrigen Stängel getrennt werden.

Welche Arten der Hanfröste gibt es?

Beschrieben werden beispielsweise:

  • Feldröste beziehungsweise Tauröste
  • Wasserröste
  • enzymatische Verfahren
  • mikrobielle Verfahren
  • chemische Verfahren

Die Methode beeinflusst die spätere:

  • Faserqualität
  • Farbe
  • Festigkeit
  • Verarbeitbarkeit

deutlich.

Was passiert nach der Röste?

Nach entsprechender Aufbereitung müssen die verschiedenen Stängelbestandteile mechanisch getrennt werden.

Dabei werden vereinfacht:

lange Bastfasern

von:

holzigen Schäben

getrennt.

Weitere Verarbeitungsschritte hängen davon ab, ob das Material beispielsweise für:

  • Textilien
  • Verbundwerkstoffe
  • Papier
  • Baustoffe

verwendet werden soll.

Sind Hanffasern nachhaltiger als Kunststoff?

Das lässt sich nicht pauschal für jedes Produkt beantworten.

Pflanzliche Fasern besitzen grundsätzlich interessante Vorteile, beispielsweise als:

  • nachwachsender Rohstoff
  • biobasierte Verstärkungsfaser
  • potenzieller Ersatz bestimmter fossiler Materialien

Eine vollständige Umweltbewertung muss jedoch den gesamten Lebenszyklus berücksichtigen.

Dazu gehören:

  • Landwirtschaft
  • Verarbeitung
  • Transport
  • Energieverbrauch
  • Haltbarkeit
  • Recycling
  • Entsorgung

„Natürlich“ bedeutet deshalb nicht automatisch:

in jeder Anwendung ökologisch überlegen.

Ist Hanf stärker als Stahl?

Solche Aussagen sind häufig irreführend.

Manche Vergleiche beziehen sich auf bestimmte Kennwerte wie:

spezifische Festigkeit im Verhältnis zum Gewicht.

Daraus lässt sich nicht ableiten:

„Ein Hanfstängel ist stärker als Stahl.“

Stahl und Pflanzenfasern besitzen völlig unterschiedliche:

  • Strukturen
  • Dichten
  • Festigkeitswerte
  • Einsatzgebiete

Seriöse Materialvergleiche müssen konkrete mechanische Kennwerte und Anwendungen berücksichtigen.

Sind männliche Cannabisstängel besser für Fasern?

Historisch wurden Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Faserhanfpflanzen beschrieben.

Auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Geschlecht und Genotyp bestimmte:

  • Stängelmorphologien
  • Fasermerkmale
  • mechanische Eigenschaften

beeinflussen können.

Eine einfache Regel wie:

„männlich = gute Faser, weiblich = schlechte Faser“

wäre jedoch zu pauschal.

Moderne Faserqualität hängt wesentlich von:

  • Sorte
  • Entwicklungsstadium
  • Gewebezusammensetzung
  • Verarbeitung

ab.

Kann man Sativa und Indica am Stängel erkennen?

Nicht zuverlässig.

Kommerzielle Sativa-/Indica-Bezeichnungen erlauben keine sichere genetische Klassifikation anhand:

  • Stängeldicke
  • Pflanzenhöhe
  • Verzweigung

Moderne Cannabisgenetiken besitzen häufig komplexe Hybridabstammungen.

Cannabis Sativa, Indica und Ruderalis

Kann man eine Cannabissorte am Stängel erkennen?

Ebenfalls nicht zuverlässig.

Stängelmerkmale können zwar genetisch beeinflusst sein.

Eine eindeutige Bestimmung einer Sorte allein anhand von:

  • Farbe
  • Dicke
  • Höhe
  • Fasern

ist jedoch nicht möglich.

Dazu wären deutlich umfassendere Informationen beziehungsweise genetische Untersuchungen erforderlich.

Warum können Cannabisstängel rot oder violett werden?

Stängel können neben Chlorophyll auch andere Pflanzenpigmente enthalten.

Besonders:

Anthocyane

können rötliche beziehungsweise violette Farbtöne erzeugen.

Die Ausprägung kann abhängig sein von:

  • Genetik
  • Alter
  • Umwelt
  • Pflanzengewebe

Ein violetter Stängel bedeutet jedoch nicht automatisch:

  • Nährstoffmangel
  • Krankheit
  • hohe THC-Produktion

Die Farbe allein ist kein eindeutiges Diagnosemerkmal.

Interner Link: Was sind Flavonoide bei Cannabis?

Hat ein dickerer Stängel mehr THC?

Nein.

Stängeldurchmesser und THC-Gehalt sind keine direkt gleichzusetzenden Eigenschaften.

Ein kräftiger Stängel kann mit:

  • Pflanzenalter
  • Genetik
  • Biomasse
  • sekundärem Wachstum

zusammenhängen.

Der THC-Gehalt wird dagegen in cannabinoidreichen Geweben chemisch bestimmt.

Für einen genauen Wert ist eine:

Laboranalyse

notwendig.

Cannabisstängel: Das Wichtigste zusammengefasst

Der Cannabisstängel ist die zentrale mechanische und physiologische Verbindung zwischen Wurzeln, Blättern und Blüten und enthält zugleich die wertvollen Fasern des Nutzhanfs.

Die wichtigsten Fakten:

  • Der Cannabisstängel trägt Blätter, Seitentriebe und Blütenstände.
  • Knoten sind Ansatzstellen für Blätter und weitere Pflanzenorgane.
  • Zwischen zwei Knoten liegt ein Internodium.
  • Im Stängel verlaufen Xylem und Phloem.
  • Xylem transportiert vor allem Wasser und Mineralstoffe.
  • Phloem transportiert vor allem organische Photosyntheseprodukte.
  • Zwischen Xylem und Phloem kann sich vaskuläres Kambium befinden.
  • Das Kambium ermöglicht sekundäres Dickenwachstum.
  • Cannabis kann trotz seines einjährigen krautigen Lebenszyklus deutlich verholzen.
  • Der äußere Stängelbereich enthält wertvolle Bastfasern.
  • Bastfasern sind besonders cellulosehaltig.
  • Sie enthalten vergleichsweise wenig Lignin.
  • Es gibt primäre und sekundäre Bastfasern.
  • Primäre Bastfasern sind typischerweise besonders lang.
  • Der innere Stängelbereich besteht überwiegend aus stärker lignifiziertem Xylem.
  • Daraus entstehen bei der Verarbeitung Hanfschäben.
  • Hanfschäben sind nicht dasselbe wie Bastfasern.
  • Bastfasern werden beispielsweise für Textilien und Verbundwerkstoffe genutzt.
  • Schäben werden unter anderem für Einstreu und Baustoffe verwendet.
  • Die Stängelanatomie unterscheidet sich zwischen Cannabisgenotypen.
  • Auch während des Lebenszyklus verändert sich die Stängelstruktur.
  • Ältere Bereiche zeigen stärkere Lignifizierung und sekundäres Wachstum.
  • Cannabisstängel sind nicht die cannabinoidreichsten Pflanzenteile.
  • Hohe THCA-/THC-Konzentrationen finden sich vor allem in trichomreichen weiblichen Blüten.
  • Stängeldicke oder -farbe sagen nichts zuverlässig über den THC-Gehalt aus.
  • Rötliche oder violette Stängel können unter anderem mit Pflanzenpigmenten zusammenhängen.
  • Zur Gewinnung langer Bastfasern werden Pflanzenstängel mechanisch und teilweise biologisch beziehungsweise chemisch aufgeschlossen.
  • Ein wichtiger traditioneller Prozess ist die Röste.
  • Cannabisstängel liefern damit zwei sehr unterschiedliche Rohstoffe: lange Bastfasern und holzige Schäben.

Der Cannabisstängel ist somit weit mehr als eine Stütze der Pflanze: Er ist gleichzeitig Transportachse, Wachstumsorgan, mechanisches Gerüst und einer der wichtigsten industriellen Rohstoffbereiche von Nutzhanf.

Häufige Fragen zum Cannabisstängel

Wie ist ein Cannabisstängel aufgebaut?

Vereinfacht besteht er aus äußeren Abschluss- und Rindengeweben, Phloem mit Bastfasern, Kambium, Xylem beziehungsweise Holzkern und einem zentralen Markbereich.

Was macht das Xylem?

Das Xylem transportiert hauptsächlich Wasser und gelöste Mineralstoffe von den Wurzeln zu den oberirdischen Pflanzenteilen.

Was macht das Phloem?

Das Phloem verteilt hauptsächlich organische Photosyntheseprodukte wie Zucker innerhalb der Pflanze.

Was sind Hanfbastfasern?

Bastfasern sind lange cellulosehaltige Faserzellen im äußeren Bereich des Hanfstängels.

Was sind Hanfschäben?

Hanfschäben sind die kurzen, holzigen Bestandteile des inneren Stängelkerns, die nach der Trennung von den Bastfasern verbleiben.

Was ist der Unterschied zwischen Bastfasern und Schäben?

Bastfasern sind lang, flexibel und sehr cellulosehaltig. Schäben stammen aus dem stärker lignifizierten inneren Xylembereich und sind kürzer und holziger.

Verholzt Cannabis?

Ja. Besonders ältere Stängelbereiche entwickeln zunehmend lignifiziertes Xylem und werden dadurch fester.

Enthält der Cannabisstängel THC?

Der Stängel ist kein besonders cannabinoidreiches Pflanzenorgan. Hohe THCA-/THC-Konzentrationen befinden sich vor allem in glandulären Trichomen weiblicher Blüten.

Ist ein dicker Stängel ein Zeichen für viel THC?

Nein. Stängeldicke erlaubt keine zuverlässige Aussage über den Cannabinoidgehalt.

Warum werden Cannabisstängel manchmal violett?

Unter anderem können Anthocyan-Pigmente rötliche oder violette Färbungen erzeugen. Die Farbe allein ist kein zuverlässiger Hinweis auf Krankheit oder THC-Gehalt.

Was wird aus Hanffasern hergestellt?

Unter anderem Textilien, Papier, Dämmstoffe und Naturfaser-Verbundwerkstoffe.

Was wird aus Hanfschäben hergestellt?

Sie können beispielsweise für Einstreu, Dämmmaterial und Hanf-Kalk-Baustoffe verwendet werden.

Was ist Hanfröste?

Die Röste ist ein Verfahren, bei dem verbindende Bestandteile des Stängelgewebes teilweise abgebaut werden, damit Bastfasern leichter vom übrigen Stängel getrennt werden können.

Sind alle Cannabisstängel gleich?

Nein. Genetik, Entwicklungsstadium und Umwelt beeinflussen unter anderem Stängeldicke, Faseranteil und Gewebezusammensetzung.

Quellen & weiterführende Informationen

The morphological and anatomical variability of the stems of an industrial hemp collection and the properties of its fibres
Untersuchung zur Stängelanatomie, Bastfasern, Xylem und genetischen Unterschieden verschiedener Cannabis-sativa-Genotypen.

From fibers to flowering to metabolites: unlocking hemp potential with the guidance of novel discoveries and tools
Aktuelle Übersicht zu Hanfbastfasern, Schäben und modernen Züchtungszielen von Nutzhanf.

Industrial and Therapeutic Applications of Hemp: A Review
Aktuelle Übersicht zur Zusammensetzung von Bastfasern und dem holzigen inneren Hanfstängel sowie ihren industriellen Anwendungen.

Hemp Fibre Properties and Processing Target Textile: A Review
Übersicht zu Anatomie, chemischer Zusammensetzung und Verarbeitung von Hanffasern für textile Anwendungen.

Studying Secondary Growth and Bast Fiber Development: The Hemp Hypocotyl Peeks behind the Wall
Grundlegende Arbeit zum sekundären Dickenwachstum, Xylem und zur Entwicklung primärer und sekundärer Bastfasern.

Hinweis

Dieser Artikel dient der botanischen und wissenschaftlichen Information über Aufbau, Funktion und industrielle Bedeutung des Stängels von Cannabis sativa L. Er stellt keine Anleitung zum Anbau oder zur Verarbeitung von Cannabis dar.