13 Min. Lesezeit

Aufbau der Cannabispflanze: Blätter, Blüten, Trichome & Wurzeln erklärt

Der Aufbau der Cannabispflanze besteht vereinfacht aus Wurzeln, Stamm, Seitentrieben, Knoten, Blättern und den Fortpflanzungsorganen der Blüten. Besonders interessant sind die Blüten weiblicher Pflanzen, da sich dort eine hohe Dichte harzproduzierender Drüsenhaare – der sogenannten Trichome – befindet.

Wer Cannabis verstehen möchte, sollte deshalb nicht nur THC und CBD kennen.

Auch der Aufbau der Cannabispflanze hilft dabei zu verstehen:

  • wo Cannabinoide entstehen
  • welche Aufgabe die Blätter erfüllen
  • wie männliche und weibliche Pflanzen unterschieden werden
  • was Trichome sind
  • wo Samen entstehen
  • weshalb Cannabisblüten besonders cannabinoidreich sein können

Wie ist eine Cannabispflanze aufgebaut?

Cannabis ist eine krautige Pflanze.

Ihr Aufbau folgt grundsätzlich denselben biologischen Prinzipien wie bei vielen anderen Blütenpflanzen.

Zu den wichtigsten Bestandteilen gehören:

  • Wurzelsystem
  • Hauptstamm
  • Seitentriebe
  • Knoten
  • Internodien
  • Blattstiele
  • Blätter
  • Blüten
  • Trichome
  • Samen

Jeder dieser Bereiche besitzt eine eigene Funktion.

Vereinfacht:

Wurzeln → Versorgung

Stamm → Stabilität und Transport

Blätter → Photosynthese

Blüten → Fortpflanzung

Trichome → Produktion und Speicherung verschiedener sekundärer Pflanzenstoffe

Die Wurzeln der Cannabispflanze

Das Wurzelsystem bildet den unterirdischen beziehungsweise im Substrat befindlichen Teil der Cannabispflanze.

Seine wichtigsten Aufgaben sind:

  • Aufnahme von Wasser
  • Aufnahme von Mineralstoffen
  • Verankerung der Pflanze
  • Speicherung bestimmter Stoffe
  • Austausch mit Mikroorganismen im Wurzelraum

Nach der Keimung entwickelt sich zunächst eine sogenannte Keimwurzel.

Aus ihr entsteht ein zunehmend verzweigtes Wurzelsystem.

Feinwurzeln

Besonders feine Wurzelbereiche vergrößern die Oberfläche, über die Wasser und gelöste Nährstoffe aufgenommen werden können.

Die Pflanze ist deshalb nicht nur von der sichtbaren Entwicklung oberhalb des Bodens abhängig.

Ein großer Teil ihrer Versorgung findet im Wurzelraum statt.

Produzieren Cannabiswurzeln THC oder CBD?

Die cannabinoidreichen Harzdrüsen befinden sich nicht an den Wurzeln.

Die höchsten Konzentrationen der bekannten Cannabinoide entstehen vielmehr in Verbindung mit den glandulären Trichomen der oberirdischen Pflanzenteile, insbesondere im Blütenbereich.

Wurzeln besitzen eine andere chemische Zusammensetzung und erfüllen andere Aufgaben.

Der Hauptstamm

Der Hauptstamm bildet die zentrale Achse der Cannabispflanze.

Von ihm gehen unter anderem:

  • Seitentriebe
  • Blätter
  • spätere Blütenstände

aus.

Der Stamm erfüllt zwei besonders wichtige Funktionen:

Stabilität

Er trägt einen großen Teil der oberirdischen Pflanzenmasse.

Mit zunehmender Entwicklung wird der Stamm kräftiger und bildet stabilisierendes Gewebe.

Stofftransport

Innerhalb des Stammes befinden sich Leitgewebe.

Dazu gehören:

Xylem

und:

Phloem

Über das Xylem werden insbesondere Wasser und gelöste Mineralstoffe von den Wurzeln in Richtung der oberirdischen Pflanzenteile transportiert.

Über das Phloem werden unter anderem in den Blättern erzeugte Assimilate innerhalb der Pflanze verteilt.

Der Stamm ist damit gewissermaßen eine wichtige Transportachse der Pflanze.

Was sind Knoten bei Cannabis?

Am Stamm und an den Seitentrieben befinden sich sogenannte:

Knoten – Nodes

Ein Knoten ist die Stelle, an der beispielsweise:

  • Blätter
  • Seitentriebe
  • Blütenanlagen

ansetzen können.

Zwischen zwei Knoten befindet sich ein Abschnitt des Stammes.

Dieser heißt:

Internodium

beziehungsweise:

Internode

Vereinfacht:

Knoten → Internodium → Knoten

Die Länge der Internodien kann sich je nach:

  • Genetik
  • Entwicklungsphase
  • Lichtbedingungen
  • Umwelt

deutlich unterscheiden.

Warum sind Knoten wichtig?

Knoten sind zentrale Wachstumspunkte der Cannabispflanze.

An ihnen können neue:

  • Blätter
  • Triebe
  • Blüten

entstehen.

Auch erste geschlechtsspezifische Blütenmerkmale können sich später im Bereich der Knoten zeigen.

Dadurch spielen sie bei der botanischen Betrachtung der Pflanze eine wichtige Rolle.

Was sind Seitentriebe?

Seitentriebe entwickeln sich aus Achselknospen im Bereich der Knoten.

Sie wachsen seitlich vom Hauptstamm weg.

An diesen Trieben können wiederum entstehen:

  • weitere Knoten
  • Blätter
  • zusätzliche Seitentriebe
  • Blütenstände

Dadurch bildet Cannabis eine verzweigte Pflanzenstruktur.

Wie stark sich eine Pflanze verzweigt, hängt unter anderem von:

  • Genetik
  • Licht
  • Entwicklungsstadium
  • Umweltbedingungen

ab.

Die Blätter der Cannabispflanze

Das Cannabisblatt gehört zu den bekanntesten Pflanzenmotiven überhaupt.

Typisch ist seine handförmig zusammengesetzte Struktur.

Ein Cannabisblatt besteht häufig aus mehreren einzelnen sogenannten:

Fiederblättchen

beziehungsweise Blattfingern.

Die Anzahl kann variieren.

Junge Pflanzen besitzen zunächst häufig einfachere Blattformen.

Mit zunehmender Entwicklung entstehen die charakteristischen mehrteiligen Blätter.

Welche Aufgabe haben Cannabisblätter?

Die wichtigste Aufgabe der Blätter ist die:

Photosynthese

Dabei nutzt die Pflanze Lichtenergie, um aus:

  • Wasser
  • Kohlendioxid

energiereiche organische Verbindungen aufzubauen.

Vereinfacht gesagt:

Licht + CO₂ + Wasser → pflanzliche Biomasse und Energieversorgung

Blätter übernehmen außerdem wichtige Funktionen beim:

  • Gasaustausch
  • Wasserhaushalt
  • Stoffwechsel
  • Temperaturmanagement der Pflanze

Was sind Fächerblätter?

Große Cannabisblätter werden im Anbaubereich häufig:

Fächerblätter

genannt.

Sie besitzen typischerweise:

  • einen längeren Blattstiel
  • mehrere deutlich sichtbare Blattfinger
  • eine vergleichsweise große Oberfläche

Ihre Hauptfunktion liegt in der Photosynthese.

Fächerblätter dürfen nicht mit den kleineren Blättern verwechselt werden, die direkt aus beziehungsweise zwischen den Blüten herausragen.

Was sind Sugar Leaves?

Kleine Blätter im unmittelbaren Bereich der Cannabisblüte werden häufig:

Sugar Leaves

genannt.

Der englische Name bedeutet sinngemäß:

Zuckerblätter

Mit Zucker haben sie jedoch nichts zu tun.

Der Name entstand durch die sichtbare Bedeckung mit zahlreichen Trichomen.

Diese können unter Vergrößerung wie eine kristallartige Schicht aussehen.

Sugar Leaves besitzen häufig deutlich mehr glanduläre Trichome als große Fächerblätter.

Sie können deshalb auch relevante Mengen an:

  • Cannabinoiden
  • Terpenen

tragen.

Die höchste und gleichmäßigste Trichomdichte findet sich jedoch nicht automatisch auf jedem blütennahen Blatt.

Die Verteilung unterscheidet sich zwischen den einzelnen Pflanzenstrukturen.

Was ist der Blattstiel?

Der Blattstiel verbindet die Blattspreite mit dem Stamm beziehungsweise Trieb.

Botanisch wird er als:

Petiolus

bezeichnet.

Er dient unter anderem:

  • der mechanischen Verbindung
  • dem Stofftransport zwischen Blatt und Pflanze
  • der Positionierung der Blattfläche

Auch auf Blattstielen und anderen oberirdischen Pflanzenteilen können bestimmte Trichomtypen auftreten.

Was sind Stipeln bei Cannabis?

An den Knoten einer Cannabispflanze können kleine spitz zulaufende Strukturen auftreten.

Diese heißen:

Stipeln

beziehungsweise:

Nebenblätter

Sie werden gelegentlich fälschlicherweise für frühe Geschlechtsmerkmale der Pflanze gehalten.

Stipeln sind jedoch normale botanische Pflanzenstrukturen.

Aus ihnen lässt sich nicht zuverlässig ableiten, ob eine Pflanze männlich oder weiblich ist.

Wo wächst eine Cannabispflanze weiter?

Das Wachstum findet unter anderem in sogenannten:

Meristemen

statt.

Besonders wichtig ist das:

Apikalmeristem

an der Spitze eines Triebes.

Dort befinden sich teilungsaktive Pflanzenzellen.

Durch Zellteilung und anschließende Differenzierung können neue:

  • Blätter
  • Triebabschnitte
  • Knoten
  • weitere Pflanzenstrukturen

entstehen.

Die Triebspitze ist deshalb einer der zentralen Wachstumspunkte der Cannabispflanze.

Gibt es männliche und weibliche Cannabispflanzen?

Ja.

Cannabis kann getrennte männliche und weibliche Pflanzen bilden.

Botanisch wird eine solche Art der Geschlechterverteilung als:

diözisch beziehungsweise zweihäusig

bezeichnet.

Das bedeutet:

Eine Pflanze bildet überwiegend männliche Blüten, eine andere überwiegend weibliche.

Für die Fortpflanzung erfüllen sie unterschiedliche Aufgaben.

Wie sehen weibliche Cannabisblüten aus?

Weibliche Blüten entwickeln Strukturen, die für die Aufnahme von Pollen und spätere Samenbildung relevant sind.

Besonders sichtbar sind häufig die sogenannten:

Narben – Stigmen

Diese erscheinen zunächst oft als feine helle beziehungsweise weißliche Strukturen.

Im Cannabisbereich werden sie umgangssprachlich häufig als:

Härchen

bezeichnet.

Botanisch handelt es sich jedoch nicht um gewöhnliche Pflanzenhaare.

Die Stigmen gehören zum weiblichen Fortpflanzungsorgan der Blüte.

Was sind Pistillen?

Im Zusammenhang mit Cannabis wird häufig der Begriff:

Pistil

beziehungsweise:

Stempel

verwendet.

Der Stempel umfasst weibliche Blütenstrukturen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Fruchtknoten
  • Griffel
  • Narbe

Die sichtbaren haarähnlichen Strukturen sind also genauer gesagt die Narben beziehungsweise Stigmen.

Im kommerziellen Cannabisbereich werden diese Begriffe häufig weniger präzise verwendet.

Was sind Brakteen bei Cannabis?

Ein besonders wichtiger Bestandteil weiblicher Cannabisblüten sind sogenannte:

Brakteen – Bracts

Dabei handelt es sich um spezialisierte Blattstrukturen im Bereich der Blüte.

Sie sind für die Cannabisforschung besonders interessant, weil sie eine hohe Dichte an glandulären Trichomen aufweisen können.

Aktuelle wissenschaftliche Arbeiten betrachten Brakteen deshalb als besonders relevante Pflanzenstrukturen für die Untersuchung von:

  • Trichomdichte
  • Cannabinoidkonzentration
  • sekundären Pflanzenstoffen

Was ist der „Calyx“ bei Cannabis?

Im Cannabisbereich wird häufig vom:

Calyx

beziehungsweise:

Kelch

gesprochen.

Der Begriff wird in Grower- und Produktbeschreibungen jedoch oft botanisch ungenau verwendet.

Was umgangssprachlich als „Calyx“ bezeichnet wird, umfasst häufig Strukturen, bei denen es sich botanisch genauer um:

  • Brakteen
  • Blütenbestandteile

handelt.

Für wissenschaftlich präzise Beschreibungen sollte deshalb nicht jede sichtbare blütennahe Hülle pauschal als „Calyx“ bezeichnet werden.

Wie sehen männliche Cannabisblüten aus?

Männliche Pflanzen bilden männliche Blüten.

Diese besitzen Strukturen zur Produktion und Freisetzung von:

Pollen

Im Cannabisbereich werden die sich entwickelnden männlichen Blüten häufig als:

Pollensäcke

bezeichnet.

Bei der Reife öffnen sich die Blütenstrukturen und geben Pollen frei.

Dieser kann durch Luftbewegung auf weibliche Blüten gelangen.

Was passiert bei der Bestäubung?

Trifft Cannabis-Pollen auf eine empfängliche weibliche Blüte, kann eine Befruchtung stattfinden.

Vereinfacht:

männliche Blüte → Pollen → weibliche Blüte → Befruchtung → Samen

Nach erfolgreicher Befruchtung kann sich innerhalb der weiblichen Blüte ein Samen entwickeln.

Die Fortpflanzungsbiologie erklärt damit auch, warum Cannabis sowohl:

  • Samen
  • als auch unbefruchtete Blüten

bilden kann.

Können Cannabispflanzen männliche und weibliche Blüten gleichzeitig bilden?

Ja.

Cannabis kann unter bestimmten Bedingungen Pflanzen mit sowohl männlichen als auch weiblichen Blütenmerkmalen entwickeln.

Dafür werden Begriffe verwendet wie:

  • zwittrig
  • hermaphroditisch
  • monoözisch

Allerdings sind diese Begriffe botanisch nicht immer vollständig austauschbar.

Die Ausbildung männlicher und weiblicher Blüten kann sowohl:

  • genetische
  • als auch umweltbedingte

Ursachen haben.

Was ist eine Cannabisblüte?

Was im Alltag als Cannabisblüte oder Bud bezeichnet wird, ist botanisch betrachtet kein einzelnes kompaktes Organ.

Es handelt sich um einen komplexen Blütenstand, der aus zahlreichen Strukturen zusammengesetzt ist.

Dazu können gehören:

  • einzelne Blüten
  • Brakteen
  • Stigmen
  • kleine Blätter
  • Trichome
  • Stängelstrukturen

Die typische kompakte Cannabisblüte entsteht aus dem Zusammenspiel vieler dieser Bestandteile.

Warum sind weibliche Cannabisblüten so cannabinoidreich?

Ein entscheidender Grund ist die hohe Dichte glandulärer Trichome im Bereich weiblicher Blütenstände.

Diese spezialisierten Drüsenhaare produzieren und speichern ein harzartiges Sekret.

Darin finden sich unter anderem:

  • Cannabinoide
  • Terpene
  • weitere sekundäre Pflanzenstoffe

Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass besonders viele cannabinoidproduzierende Drüsenhaare im Bereich der Blütenstände vorkommen – insbesondere bei weiblichen Pflanzen.

Interner Link: Was ist Cannabis?

Interner Link: Was sind Cannabinoide?

Was sind Trichome bei Cannabis?

Trichome sind spezialisierte Strukturen auf der Oberfläche der Cannabispflanze.

Nicht alle Trichome erfüllen dieselbe Funktion.

Grundsätzlich kann zwischen:

  • glandulären Trichomen
  • nicht glandulären Trichomen

unterschieden werden.

Für Cannabinoide und Terpene sind vor allem die:

glandulären Trichome

relevant.

Diese werden deshalb häufig auch:

Drüsenhaare

genannt.

Welche Arten von Trichomen gibt es?

Bei Cannabis werden verschiedene Typen glandulärer Trichome beschrieben.

Dazu gehören unter anderem:

Bulbous Trichome

Sehr kleine glanduläre Strukturen.

Capitate-Sessile-Trichome

Diese besitzen einen Drüsenkopf und sitzen relativ nah auf der Pflanzenoberfläche.

Capitate-Stalked-Trichome

Diese besitzen einen deutlicher ausgeprägten Stiel mit einem Drüsenkopf an der Spitze.

Gerade capitate-stalked Trichome sind auf reifen weiblichen Blüten besonders auffällig und besitzen eine hohe metabolische Aktivität.

Wissenschaftliche Reviews beschreiben Cannabis-Trichome deshalb teilweise als:

„metabolische Fabriken“ der Pflanze.

Was entsteht in den Trichomen?

In glandulären Trichomen werden verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe synthetisiert beziehungsweise angereichert.

Dazu gehören insbesondere:

Cannabinoide

Beispiele:

  • THCA
  • CBDA
  • CBGA
  • CBCA

Aus diesen sauren Formen können unter anderem entstehen:

  • THC
  • CBD
  • CBG
  • CBC

Terpene

Trichome sind außerdem wichtige Produktionsorte verschiedener aromatischer Terpene.

Diese tragen wesentlich zum charakteristischen Geruch verschiedener Cannabispflanzen bei.

Interner Link: Was sind Phytocannabinoide?

Sind die „Kristalle“ auf Cannabis THC?

Nicht direkt.

Was mit bloßem Auge häufig als:

  • Kristalle
  • Frost
  • glitzernde Schicht

wahrgenommen wird, sind vor allem zahlreiche Trichome.

Diese enthalten ein komplexes Harz mit verschiedenen Inhaltsstoffen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Cannabinoidsäuren
  • Cannabinoide
  • Terpene
  • weitere Pflanzenstoffe

Ein sichtbares Trichom ist deshalb nicht einfach ein „THC-Kristall“.

Wo befinden sich die meisten Trichome?

Trichome können auf verschiedenen oberirdischen Teilen der Cannabispflanze auftreten.

Besonders relevant sind:

  • weibliche Blüten
  • Brakteen
  • blütennahe kleine Blätter

Das BfR beschreibt eine besonders hohe Dichte von Drüsenhaaren im Bereich weiblicher Blütenstände.

Auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass einzelne Blütenstrukturen unterschiedliche Trichomdichten besitzen können.

Die Aussage:

„Überall auf Cannabis ist gleich viel THC“

ist daher falsch.

Haben Cannabisblätter THC?

Cannabisblätter können cannabinoidproduzierende Trichome besitzen.

Die Konzentration hängt jedoch stark vom Blatttyp und seiner Position ab.

Große Fächerblätter sind in der Regel deutlich weniger harzreich als:

  • weibliche Blüten
  • Brakteen
  • blütennahe Sugar Leaves

Daher sollte nicht jedes Cannabisblatt chemisch mit einer Cannabisblüte gleichgesetzt werden.

Enthalten Cannabisstängel Cannabinoide?

Auch an bestimmten oberirdischen Strukturen können geringe Mengen an Drüsenhaaren beziehungsweise Cannabinoiden vorkommen.

Stängel gehören jedoch nicht zu den primären cannabinoidreichen Pflanzenbestandteilen.

Die größten Konzentrationen befinden sich typischerweise im Bereich der harzreichen weiblichen Blüten.

Enthalten Cannabiswurzeln Cannabinoide?

Die bekannten cannabinoidreichen glandulären Trichome fehlen an Cannabiswurzeln.

Wurzeln enthalten andere Pflanzenstoffe, stehen aber nicht im Zentrum der pflanzlichen THC- oder CBD-Produktion.

Die Aussage:

„In der gesamten Cannabispflanze befindet sich überall gleich viel THC“

ist daher grundsätzlich falsch.

Enthalten Hanfsamen Cannabinoide?

Cannabinoide kommen in Hanfsamen nicht natürlicherweise als typische Inhaltsstoffe vor.

Hanfsamen besitzen keine cannabinoidproduzierenden Drüsenhaare.

Werden dennoch THC oder andere Cannabinoide in Samenprodukten nachgewiesen, kann dies unter anderem durch Kontakt mit cannabinoidreichen Pflanzenteilen während:

  • Ernte
  • Transport
  • Verarbeitung

entstanden sein.

Interner Link: Was ist Cannabis?

Wie entstehen Cannabissamen?

Cannabissamen entstehen nach erfolgreicher Befruchtung weiblicher Blüten.

Dafür muss Pollen einer männlichen Blüte eine empfängliche weibliche Blüte erreichen.

Nach der Befruchtung entwickelt sich der Samen.

Er enthält:

  • Embryo
  • gespeicherte Nährstoffe
  • schützende Samenschale

Bei geeigneten Bedingungen kann daraus eine neue Cannabispflanze entstehen.

Was befindet sich in einem Cannabissamen?

Ein Samen enthält die Grundlage für eine neue Pflanze.

Nach ausreichender Wasseraufnahme beginnt die:

Keimung

Die junge Wurzel tritt zuerst aus.

Anschließend entwickeln sich:

  • Keimblätter
  • erste echte Blätter
  • Stamm
  • neues Wurzelsystem

Der Samen selbst ist damit ein Fortpflanzungsorgan und keine cannabinoidreiche Harzstruktur.

Warum sehen Cannabispflanzen unterschiedlich aus?

Der grundlegende Aufbau ist ähnlich.

Das Erscheinungsbild kann trotzdem stark variieren.

Einfluss haben unter anderem:

  • Genetik
  • Alter
  • Geschlecht
  • Entwicklungsphase
  • Licht
  • Temperatur
  • Wasser
  • Nährstoffversorgung
  • Umwelteinflüsse

Unterschiede können beispielsweise sichtbar sein bei:

  • Pflanzenhöhe
  • Blattbreite
  • Internodienabstand
  • Verzweigung
  • Blütenstruktur
  • Farbe
  • Trichomdichte

Deshalb sehen nicht alle Cannabispflanzen identisch aus.

Sativa und Indica: Unterscheidet sich der Aufbau?

Bestimmte genetische Linien können unterschiedliche morphologische Merkmale zeigen.

Im populären Cannabisbereich werden beispielsweise häufiger beschrieben:

„Sativa“

  • schmalere Blätter
  • größere Wuchshöhe
  • längere Internodien

„Indica“

  • breitere Blätter
  • kompakterer Wuchs
  • kürzere Internodien

Solche Kategorien sind jedoch starke Vereinfachungen.

Durch jahrzehntelange Kreuzungen existieren zahlreiche genetisch gemischte Linien.

Außerdem erlaubt das äußere Erscheinungsbild keine zuverlässige Vorhersage der Wirkung.

Die chemische Zusammensetzung eines konkreten Produkts ist hierfür wesentlich relevanter.

Warum ist der Aufbau der Cannabispflanze wichtig?

Der botanische Aufbau hilft, zahlreiche Begriffe rund um Cannabis besser einzuordnen.

Wer beispielsweise versteht, dass:

  • Blätter Photosynthese betreiben
  • Wurzeln Wasser und Nährstoffe aufnehmen
  • Blüten Fortpflanzungsorgane sind
  • Trichome Cannabinoide und Terpene produzieren
  • Samen keine cannabinoidbildenden Drüsenhaare besitzen

kann viele verbreitete Missverständnisse vermeiden.

Besonders wichtig ist:

Nicht jeder Teil der Cannabispflanze enthält dieselben Stoffe in derselben Konzentration.

Aufbau der Cannabispflanze: Das Wichtigste zusammengefasst

Die Cannabispflanze besteht aus verschiedenen Organen und spezialisierten Strukturen, die jeweils unterschiedliche biologische Aufgaben übernehmen.

Die wichtigsten Fakten:

  • Die Wurzeln nehmen Wasser und Mineralstoffe auf.
  • Der Hauptstamm stabilisiert die Pflanze und enthält wichtige Leitgewebe.
  • Seitentriebe entstehen im Bereich der Knoten.
  • Zwischen zwei Knoten liegt ein Internodium.
  • Cannabisblätter sind wichtige Organe für die Photosynthese.
  • Große Fächerblätter unterscheiden sich von kleinen blütennahen Sugar Leaves.
  • Cannabis kann männliche und weibliche Blüten ausbilden.
  • Weibliche Blüten besitzen unter anderem Narben beziehungsweise Stigmen.
  • Männliche Blüten produzieren Pollen.
  • Nach Bestäubung und Befruchtung können Samen entstehen.
  • Cannabisblüten bestehen botanisch aus mehreren einzelnen Strukturen.
  • Brakteen gehören zu den besonders trichomreichen Blütenstrukturen.
  • Der Begriff „Calyx“ wird im Cannabisbereich häufig botanisch ungenau verwendet.
  • Trichome sind spezialisierte Strukturen auf der Pflanzenoberfläche.
  • Glanduläre Trichome produzieren ein harzartiges Sekret.
  • In diesem Harz befinden sich unter anderem Cannabinoide und Terpene.
  • Besonders viele glanduläre Trichome kommen auf weiblichen Blütenständen vor.
  • Sichtbare „Kristalle“ auf Cannabis sind nicht einfach THC-Kristalle, sondern überwiegend Trichome.
  • Hanfsamen besitzen keine cannabinoidproduzierenden Drüsenhaare.
  • Nicht alle Teile einer Cannabispflanze besitzen denselben Cannabinoidgehalt.

Wer den Aufbau der Cannabispflanze kennt, versteht damit gleichzeitig besser, wo Cannabis seine charakteristischen Inhaltsstoffe produziert und warum insbesondere die weiblichen Blüten eine besondere Rolle spielen.

Häufige Fragen zum Aufbau der Cannabispflanze

Wie ist eine Cannabispflanze aufgebaut?

Eine Cannabispflanze besteht unter anderem aus Wurzeln, Hauptstamm, Seitentrieben, Knoten, Blättern, Blüten und Trichomen. Nach erfolgreicher Befruchtung können zusätzlich Samen entstehen.

Wo entsteht THC in der Cannabispflanze?

THC beziehungsweise insbesondere seine Vorstufe THCA wird in Verbindung mit glandulären Trichomen gebildet. Besonders viele dieser Drüsenhaare befinden sich auf weiblichen Blütenständen.

Wo entsteht CBD?

Auch CBD beziehungsweise seine Vorstufe CBDA entsteht hauptsächlich in Verbindung mit den glandulären Trichomen der Cannabispflanze.

Was sind Trichome?

Trichome sind spezialisierte Strukturen auf der Pflanzenoberfläche. Glanduläre Trichome produzieren ein Harz, das unter anderem Cannabinoide und Terpene enthält.

Was sind die weißen Härchen auf Cannabisblüten?

Die haarähnlichen Strukturen sind meist die Narben beziehungsweise Stigmen der weiblichen Blüte. Sie gehören zum Fortpflanzungsorgan und sollten nicht mit Trichomen verwechselt werden.

Sind Trichome dasselbe wie Pistillen?

Nein. Trichome sind Drüsen- beziehungsweise Pflanzenhaare. Die sichtbaren haarähnlichen Stigmen gehören dagegen zum weiblichen Fortpflanzungsorgan der Blüte.

Was sind Sugar Leaves?

Sugar Leaves sind kleine blütennahe Blätter, die häufig stark mit Trichomen bedeckt sind.

Was sind Fächerblätter?

Fächerblätter sind die großen, charakteristischen Cannabisblätter. Sie übernehmen vor allem wichtige Aufgaben bei der Photosynthese.

Was ist ein Knoten bei Cannabis?

Ein Knoten ist eine Stelle am Stamm beziehungsweise Trieb, an der beispielsweise Blätter, Seitentriebe oder Blütenanlagen entstehen können.

Was ist ein Internodium?

Das Internodium ist der Abschnitt eines Stammes beziehungsweise Triebes zwischen zwei Knoten.

Was ist der Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Cannabispflanzen?

Männliche Pflanzen produzieren Pollen. Weibliche Pflanzen bilden weibliche Blüten, die nach Bestäubung und Befruchtung Samen entwickeln können.

Enthalten Hanfsamen THC?

Hanfsamen besitzen keine cannabinoidproduzierenden Drüsenhaare und enthalten THC daher nicht natürlicherweise als typischen eigenen Inhaltsstoff. Spuren können beispielsweise durch Kontamination während Ernte oder Verarbeitung entstehen.

Quellen & weiterführende Informationen

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
Informationen zu Hanf, Cannabinoiden, Drüsenhaaren, Blüten, Blättern und Hanfsamen.

Hancock, Livingston & Samuels (2024): Building a biofactory – Constructing glandular trichomes in Cannabis sativa
Aktuelle wissenschaftliche Übersicht zur Zellbiologie und Entwicklung glandulärer Cannabis-Trichome.

Cannabis Glandular Trichomes: A Cellular Metabolite Factory
Wissenschaftliche Review zu Aufbau, Funktion und Stoffproduktion glandulärer Trichome.

Hinweis

Dieser Artikel dient der botanischen und wissenschaftlichen Information über den Aufbau der Cannabispflanze. Informationen zu einzelnen Cannabinoiden, ihrer Wirkung und möglichen gesundheitlichen Risiken werden in separaten Fachartikeln behandelt.