Eine Cannabispflanze kann ausreichend Wasser, Licht und Dünger bekommen – und trotzdem Mangelerscheinungen entwickeln.
Ein möglicher Grund dafür ist der pH-Wert im Wurzelbereich.
Der pH-Wert beeinflusst, in welcher chemischen Form verschiedene Pflanzennährstoffe vorliegen und wie gut sie für die Wurzeln verfügbar sind. Ist der pH-Wert über längere Zeit deutlich ungeeignet, können deshalb Probleme entstehen, obwohl eigentlich genügend Nährstoffe vorhanden sind.
Doch welcher pH-Wert ist für Cannabis sinnvoll? Muss das Gießwasser jedes Mal angepasst werden? Was ist ein sogenannter Nutrient Lockout? Und unterscheiden sich Erde, Kokos und hydroponische Systeme?
Ottlover erklärt die Grundlagen.
Was ist der pH-Wert?
Der pH-Wert beschreibt, wie sauer oder basisch eine wässrige Lösung ist.
Die klassische pH-Skala reicht von 0 bis 14:
- unter pH 7 = sauer
- pH 7 = neutral
- über pH 7 = basisch beziehungsweise alkalisch
Wichtig ist außerdem:
Die pH-Skala ist logarithmisch.
Ein Unterschied von einer pH-Einheit bedeutet deshalb nicht einfach eine kleine lineare Veränderung.
Für Pflanzen ist der pH-Wert besonders relevant, weil er chemische Reaktionen im Boden beziehungsweise Substrat beeinflusst.
Warum ist der pH-Wert bei Cannabis wichtig?
Cannabis benötigt zahlreiche mineralische Nährstoffe.
Dazu gehören unter anderem:
- Stickstoff
- Phosphor
- Kalium
- Calcium
- Magnesium
- Schwefel
- Eisen
- Mangan
- Zink
- Bor
- Kupfer
- Molybdän
Damit eine Pflanze diese Elemente nutzen kann, müssen sie im Wurzelraum in einer geeigneten Form verfügbar sein.
Der pH-Wert beeinflusst genau diese Verfügbarkeit.
Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung zu Cannabis sativa zeigte beispielsweise, dass sich die Konzentration verschiedener Mikronährstoffe im Pflanzengewebe mit dem Substrat-pH veränderte. Sehr niedrige pH-Werte hemmten außerdem das Pflanzen- beziehungsweise Wurzelwachstum.
Der pH-Wert ist deshalb keine nebensächliche Zahl.
Er ist Teil des gesamten Nährstoffsystems der Pflanze.
Bedeutet ein falscher pH-Wert automatisch Nährstoffmangel?
Nicht unbedingt.
Hier muss zwischen zwei Situationen unterschieden werden.
Tatsächlicher Nährstoffmangel
Ein bestimmter Nährstoff ist nicht in ausreichender Menge vorhanden.
Eingeschränkte Nährstoffverfügbarkeit
Der Nährstoff ist grundsätzlich vorhanden, kann unter den bestehenden Bedingungen aber nicht ausreichend aufgenommen beziehungsweise genutzt werden.
Im Grow-Bereich wird die zweite Situation häufig als Nutrient Lockout oder Nährstoffblockade bezeichnet.
Der Begriff wird teilweise sehr großzügig verwendet. Nicht jede Blattverfärbung bedeutet automatisch einen pH-bedingten Lockout.
Trotzdem kann ein ungeeigneter pH-Wert die Verfügbarkeit verschiedener Elemente erheblich beeinflussen.
Welcher pH-Wert ist für Cannabis optimal?
Eine einzige Zahl für jede Cannabispflanze und jedes Anbausystem gibt es nicht.
Das ist ein wichtiger Punkt.
Der geeignete Bereich hängt unter anderem davon ab, ob Cannabis in:
- natürlicher Erde,
- Torfsubstraten,
- Kokos,
- Steinwolle
- oder hydroponisch
kultiviert wird.
Eine 2025 veröffentlichte Cannabis-Studie nennt für Gewächshauskulturen in Substraten einen empfohlenen Bereich von ungefähr pH 5,5 bis 6,5. In den Versuchen wurde Cannabiswachstum bei sehr niedrigen pH-Werten unter 5 deutlich beeinträchtigt.
Andere wissenschaftliche Arbeiten zur Cannabisproduktion nennen für hydroponische Kulturen häufig etwa pH 5,5 bis 6,0 und für erdelose Substrate ungefähr 5,5 bis 6,5.
Diese Werte sind jedoch keine Garantie für jede Genetik und jedes Kultursystem.
Warum unterscheiden sich Erde und Hydro?
Der entscheidende Unterschied liegt unter anderem in der Pufferwirkung.
Erde und organische Substrate
Boden beziehungsweise Substrate besitzen chemische und biologische Puffersysteme.
Tonminerale, organische Substanz, Kalk und Mikroorganismen beeinflussen, wie schnell und stark sich der pH-Wert verändert.
Das bedeutet:
Der pH-Wert des Gießwassers ist nicht automatisch identisch mit dem tatsächlichen pH-Wert direkt an der Wurzel.
Hydroponische Systeme
Bei hydroponischen Systemen befinden sich die Wurzeln wesentlich unmittelbarer in Kontakt mit einer definierten Nährlösung.
Dadurch lässt sich der pH-Wert genauer steuern, Veränderungen können sich allerdings auch unmittelbarer auswirken.
Aus diesem Grund wird der pH-Wert bei hydroponischem Anbau normalerweise deutlich intensiver überwacht.
Ist der pH-Wert des Gießwassers oder der Erde wichtiger?
Für die Pflanze ist letztlich die Wurzelzone entscheidend.
Das Gießwasser beeinflusst diese zwar, ist aber nur ein Teil des Systems.
Angenommen, Leitungswasser besitzt pH 7,5.
Das bedeutet nicht automatisch, dass auch das Substrat dauerhaft einen pH-Wert von 7,5 besitzt.
Umgekehrt kann korrekt eingestelltes Gießwasser langfristige Probleme im Substrat nicht zwangsläufig sofort beheben.
Entscheidend sind unter anderem:
- Ausgangswasser
- Substrat
- Dünger
- Kalkgehalt
- Bewässerung
- Wurzelaktivität
- mikrobiologische Prozesse
- und die Pufferkapazität des Substrats.
Deshalb sollte zwischen Wasser-pH und Wurzelraum-pH unterschieden werden.
Warum verändert sich der pH-Wert überhaupt?
Der pH-Wert eines Anbausystems bleibt nicht zwangsläufig konstant.
Er kann sich durch verschiedene Prozesse verändern.
Dazu gehören beispielsweise:
Nährstoffaufnahme
Pflanzen nehmen positiv und negativ geladene Ionen in unterschiedlichen Mengen auf.
Dabei beeinflussen sie auch das chemische Milieu rund um ihre Wurzeln.
Dünger
Unterschiedliche Düngemittel können langfristig versauernd oder alkalisch wirken.
Ausgangswasser
Besonders die Alkalinität beziehungsweise der Hydrogencarbonatgehalt des Wassers kann beeinflussen, wie stabil sich der pH-Wert verhält.
Substrat
Torf, Kokos, mineralische Bestandteile und natürliche Erde unterscheiden sich chemisch.
Mikroorganismen
Auch biologische Prozesse können den pH-Wert verändern.
Der pH-Wert sollte deshalb nicht isoliert betrachtet werden.
Warum reicht der pH-Wert des Leitungswassers allein nicht?
Bei Leitungswasser schauen viele Grower ausschließlich auf die Zahl, die ein pH-Messgerät anzeigt.
Das reicht für eine vollständige Beurteilung jedoch nicht aus.
Zwei Leitungswasserproben können beispielsweise beide pH 7,5 besitzen und trotzdem sehr unterschiedlich reagieren.
Der Grund ist unter anderem ihre Alkalinität.
Wasser mit viel Hydrogencarbonat besitzt eine größere Säurebindungskapazität. Dadurch kann es den pH-Wert eines Substrats langfristig stärker beeinflussen als Wasser mit geringer Alkalinität.
Für eine genaue Beurteilung des Ausgangswassers können deshalb zusätzlich interessant sein:
- Calcium
- Magnesium
- Hydrogencarbonat
- Gesamthärte
- Leitfähigkeit beziehungsweise EC
- Natrium
- Chlorid
Viele Wasserversorger veröffentlichen entsprechende Analysen kostenlos.
Was passiert bei einem zu niedrigen pH-Wert?
Ein deutlich zu saurer Wurzelraum kann verschiedene Probleme verursachen.
Bei Cannabis zeigten kontrollierte Versuche, dass sehr niedrige Substrat-pH-Werte das Wachstum beeinträchtigen können.
In einer 2025 veröffentlichten Studie war das Spross- und Wurzelwachstum bei sehr niedrigen pH-Werten reduziert. Gleichzeitig nahmen Pflanzen bei niedrigeren pH-Werten höhere Konzentrationen verschiedener Mikronährstoffe auf.
Das zeigt das grundlegende Problem:
Ein niedriger pH-Wert bedeutet nicht einfach „weniger Nährstoffe“.
Bestimmte Elemente können weniger verfügbar werden, während andere stärker verfügbar werden.
Dadurch kann das gesamte Nährstoffgleichgewicht gestört werden.
Was passiert bei einem zu hohen pH-Wert?
Auch ein zu hoher pH-Wert kann problematisch sein.
Besonders verschiedene Mikronährstoffe wie beispielsweise Eisen können unter alkalischeren Bedingungen schlechter verfügbar werden.
Die Pflanze kann dann Symptome entwickeln, die äußerlich wie ein klassischer Nährstoffmangel wirken.
Das bedeutet:
Es wäre möglicherweise genügend Eisen vorhanden – die Pflanze kann es unter den vorhandenen Bedingungen jedoch nicht ausreichend nutzen.
Einfach mehr Dünger hinzuzugeben kann in einer solchen Situation das eigentliche Problem verfehlen.
Welche Symptome kann ein ungeeigneter pH-Wert verursachen?
Ein pH-Problem besitzt kein eindeutiges „pH-Blatt“.
Mögliche Folgen können beispielsweise sein:
- gelbliche Blätter
- Chlorosen
- Flecken
- Wachstumsstörungen
- ungewöhnliche Blattverfärbungen
- verlangsamtes Wachstum
- Symptome verschiedener Nährstoffmängel
Das Problem:
Genau dieselben Symptome können auch andere Ursachen haben.
Dazu gehören:
- tatsächlicher Nährstoffmangel
- Überdüngung
- falsche Bewässerung
- Wurzelschäden
- Lichtstress
- Temperaturstress
- Krankheiten
- Schädlingsbefall.
Deshalb sollte der pH-Wert immer als Teil einer Diagnose betrachtet werden.
Eine Studie mit gezielt erzeugten Nährstoffdefiziten bei Cannabis zeigte ebenfalls, dass sichtbare Symptome nicht immer eindeutig mit der tatsächlichen Nährstoffkonzentration im Pflanzengewebe übereinstimmten. Die Forschenden empfehlen deshalb eine integrierte Diagnose statt einer Beurteilung anhand einzelner Blattsymptome.
Was bedeutet Nutrient Lockout?
„Nutrient Lockout“ ist ein verbreiteter Begriff aus dem Cannabisanbau.
Gemeint ist eine Situation, in der vorhandene Pflanzennährstoffe aufgrund ungünstiger Bedingungen nicht ausreichend verfügbar beziehungsweise aufnehmbar sind.
Ein ungeeigneter pH-Wert kann eine Ursache sein.
Weitere mögliche Ursachen sind beispielsweise:
- sehr hohe Salzkonzentrationen
- Wechselwirkungen zwischen Nährstoffen
- Wurzelschäden
- Sauerstoffmangel
- ungeeignete Substratbedingungen.
Deshalb sollte nicht bei jedem vermuteten „Lockout“ automatisch der pH-Wert korrigiert werden.
Zuerst sollte geklärt werden, ob tatsächlich ein pH-Problem vorliegt.
Wie misst man den pH-Wert?
Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten.
Digitales pH-Messgerät
Digitale pH-Meter können relativ genaue Messwerte liefern.
Sie müssen jedoch korrekt gepflegt und regelmäßig kalibriert werden.
pH-Teststreifen
Teststreifen sind günstig und einfach anzuwenden.
Ihre Genauigkeit ist jedoch begrenzt.
Flüssige Indikatortests
Dabei wird einer Wasserprobe ein Reagenz hinzugefügt.
Die entstehende Farbe wird anschließend mit einer Skala verglichen.
Auch diese Methode liefert eher einen ungefähren Wert.
Für eine gelegentliche Kontrolle kann das ausreichen.
Wer hydroponisch anbaut oder regelmäßig den pH-Wert steuert, profitiert dagegen meist stärker von einem vernünftigen digitalen Messgerät.
Warum muss ein pH-Meter kalibriert werden?
Die Elektrode eines pH-Messgeräts kann mit der Zeit abweichen.
Das Gerät zeigt dann beispielsweise:
pH 6,0
obwohl die Lösung tatsächlich einen anderen Wert besitzt.
Das ist problematisch, weil anschließend möglicherweise aufgrund eines falschen Messwertes weitere Korrekturen vorgenommen werden.
Digitale Messgeräte werden deshalb mit Kalibrierlösungen bekannter pH-Werte überprüft und eingestellt.
Wie häufig dies notwendig ist, hängt vom jeweiligen Gerät und seiner Nutzung ab.
Die Herstellerangaben sollten dabei beachtet werden.
Wie misst man den pH-Wert in Erde?
Hier wird es komplizierter.
Einfach das Messgerät in einen Topf zu stecken, liefert nicht zwangsläufig einen zuverlässigen Wert.
Professionelle gartenbauliche Verfahren verwenden beispielsweise definierte Extraktions- beziehungsweise Pour-through-Methoden, um den pH-Wert der Wurzelzone vergleichbar zu bestimmen.
Im privaten Bereich werden häufig:
- Substratproben
- Drainwasser
- oder Bodentests
verwendet.
Dabei sollte beachtet werden:
Der pH-Wert des Drainwassers ist kein perfektes 1:1-Abbild des gesamten Substrats.
Er kann Hinweise liefern, sollte aber nicht überinterpretiert werden.
Sollte man den pH-Wert jedes Mal korrigieren?
Nicht unbedingt.
Das hängt stark vom Anbausystem ab.
Bei einem gut gepufferten organischen Substrat mit geeignetem Ausgangswasser kann eine permanente manuelle pH-Korrektur unnötig sein.
In hydroponischen Systemen ist eine regelmäßige Kontrolle dagegen wesentlich wichtiger.
Die verbreitete Vorstellung:
„Jedes Gießwasser muss immer exakt pH 6,3 besitzen“
ist deshalb zu pauschal.
Pflanzen wachsen nicht ausschließlich bei einer einzigen exakten Zahl.
Ein geeigneter Bereich ist sinnvoller als die Jagd nach einer vermeintlich perfekten Nachkommastelle.
Was sind pH-Up und pH-Down?
Im Handel werden Produkte angeboten, mit denen sich der pH-Wert von Nährlösungen erhöhen oder senken lässt.
Sie werden häufig als:
- pH-Up
- beziehungsweise pH-Down
bezeichnet.
Dabei handelt es sich um saure beziehungsweise basische Lösungen.
Wichtig:
Solche Produkte sollten vorsichtig und entsprechend ihrer Herstellerangaben verwendet werden.
Eine kleine Menge kann den pH-Wert einer Lösung bereits deutlich verändern.
Außerdem sollte niemals konzentrierte Säure oder Base direkt an die Wurzeln gelangen.
Sollte man Zitronensaft oder Essig zum pH-Senken verwenden?
Im Internet werden häufig Hausmittel wie Essig oder Zitronensäure empfohlen.
Diese können den pH-Wert von Wasser tatsächlich zunächst senken.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie für eine stabile Nährstoffsteuerung optimal sind.
Organische Säuren können im Substrat beziehungsweise in Nährlösungen biologisch abgebaut werden.
Dadurch kann sich der pH-Wert erneut verändern.
Für Systeme, bei denen eine präzise und stabile pH-Steuerung erforderlich ist, sind definierte Produkte deshalb häufig besser kontrollierbar.
Was hat der EC-Wert mit dem pH-Wert zu tun?
pH und EC beschreiben zwei unterschiedliche Dinge.
pH
Zeigt, wie sauer oder basisch eine Lösung ist.
EC
Zeigt ihre elektrische Leitfähigkeit und liefert damit einen indirekten Hinweis auf die Konzentration gelöster Ionen.
Ein korrekt eingestellter pH-Wert bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Nährstoffkonzentration stimmt.
Umgekehrt kann eine Nährlösung einen passenden EC-Wert besitzen, während der pH-Wert ungeeignet ist.
Beide Messgrößen ergänzen sich.
Wissenschaftliche Cannabisversuche zeigen außerdem, dass höhere Nährstoffkonzentrationen nicht automatisch mehr Ertrag erzeugen. In einer Untersuchung brachte die Verdopplung des EC-Wertes von 2 auf 4 mS/cm keinen signifikanten zusätzlichen Ertrag oder Qualitätsvorteil.
Dem EC-Wert beim Cannabisanbau widmen wir deshalb einen eigenen Ottlover-Beitrag.
pH-Wert und Calcium, Magnesium und Eisen
Bestimmte sichtbare Mangelerscheinungen werden beim Cannabisanbau besonders häufig mit Calcium, Magnesium oder Eisen in Verbindung gebracht.
Bevor zusätzliche Produkte eingesetzt werden, sollte allerdings geklärt werden:
- Sind diese Elemente tatsächlich zu wenig vorhanden?
- Ist der pH-Wert geeignet?
- Ist der EC möglicherweise bereits sehr hoch?
- Funktionieren die Wurzeln?
- Ist das Substrat dauerhaft zu nass?
- Wie ist das Ausgangswasser zusammengesetzt?
Blind immer mehr „CalMag“ oder anderen Dünger hinzuzugeben, kann bestehende Nährstoffungleichgewichte verstärken.
Muss der pH-Wert während Wachstum und Blüte geändert werden?
Cannabis verändert während seiner Entwicklung seine Nährstoffaufnahme.
Eine aktuelle Studie zur vegetativen Phase zeigte beispielsweise deutliche zeitliche und sortenabhängige Veränderungen bei der Aufnahme von Stickstoff, Kalium, Calcium, Magnesium und Phosphor.
Daraus folgt jedoch nicht, dass zu Beginn der Blüte zwingend plötzlich ein völlig anderer pH-Wert eingestellt werden muss.
Viel wichtiger ist, innerhalb eines für das jeweilige Kultursystem geeigneten Bereichs zu bleiben.
Muss man bei organischer Erde den pH-Wert messen?
Nicht zwangsläufig ständig.
Ein gut aufgebautes Substrat besitzt eine gewisse Pufferkapazität.
Mikroorganismen und organische Bestandteile beeinflussen zusätzlich die Nährstoffdynamik im Wurzelraum.
Treten jedoch wiederholt unerklärliche Nährstoffprobleme auf, kann eine pH-Messung wertvolle Informationen liefern.
Besonders relevant wird sie, wenn:
- das Ausgangswasser ungewöhnlich alkalisch ist,
- sich Probleme über längere Zeit entwickeln,
- stark gedüngt wurde
- oder mehrere scheinbare Nährstoffmängel gleichzeitig auftreten.
Fünf typische pH-Fehler beim Cannabisanbau
1. Eine einzige perfekte Zahl suchen
Der optimale Bereich ist wichtiger als eine bestimmte Nachkommastelle.
2. Nur das Gießwasser messen
Entscheidend ist letztlich der Zustand der Wurzelzone.
3. Ein ungeeignetes Messgerät verwenden
Unkalibrierte Geräte können mehr Probleme verursachen als lösen.
4. Jede Blattverfärbung als pH-Lockout interpretieren
Viele Stressfaktoren sehen ähnlich aus.
5. Zu aggressiv korrigieren
Ständige starke pH-Schwankungen können problematischer sein als eine leichte Abweichung innerhalb eines geeigneten Bereichs.
pH-Wert, Dünger und Bewässerung gehören zusammen
Beim Cannabisanbau sollten pH, Düngung und Bewässerung nicht isoliert betrachtet werden.
Beispiel:
Eine Pflanze zeigt gelbe Blätter.
Die Ursache könnte sein:
A: Zu wenig eines Nährstoffs.
B: Genügend Nährstoffe, aber ungeeigneter pH-Wert.
C: Zu hoher EC-Wert.
D: Dauerhaft zu nasse Wurzeln.
E: Eine Kombination mehrerer Faktoren.
Genau deshalb bauen wir den Ottlover-Eigenanbau-Bereich modular auf:
Cannabis düngen erklärt die Nährstoffzufuhr.
Cannabis richtig gießen erklärt die Wasserversorgung.
Nährstoffaufnahme bei Cannabis erklärt die Pflanzenphysiologie.
Dieser Artikel erklärt den pH-Wert.
Und der nächste Baustein ist der EC-Wert.
So lassen sich Probleme wesentlich systematischer verstehen.
Rechtlicher Hinweis zum privaten Cannabisanbau
Nach § 9 KCanG dürfen volljährige Personen in Deutschland an ihrem Wohnsitz beziehungsweise gewöhnlichen Aufenthalt insgesamt höchstens drei Cannabispflanzen gleichzeitig zum Eigenkonsum anbauen. Cannabis aus privatem Eigenanbau darf nicht an Dritte weitergegeben werden.
Nach § 10 KCanG müssen Cannabis und Vermehrungsmaterial außerdem insbesondere vor dem Zugriff von Kindern und Jugendlichen geschützt werden.
Rechtsstand: September 2026.
Fazit: Der richtige pH-Wert macht Nährstoffe verfügbar
Der pH-Wert gehört zu den wichtigsten chemischen Eigenschaften der Wurzelzone.
Er beeinflusst, wie gut verschiedene Nährstoffe für eine Cannabispflanze verfügbar sind.
Ein ungünstiger pH-Wert kann deshalb Mangelerscheinungen verursachen oder begünstigen, obwohl grundsätzlich ausreichend Nährstoffe vorhanden sind.
Gleichzeitig sollte der pH-Wert nicht überbewertet werden.
Nicht jedes gelbe Blatt ist ein pH-Problem, und es gibt keine einzelne perfekte Zahl, die für jedes Substrat und jede Pflanze gilt.
Entscheidend sind:
- das verwendete Anbausystem,
- ein geeigneter pH-Bereich,
- korrektes Messen,
- eine ausgewogene Nährstoffversorgung
- und gesunde Wurzeln.
Der wichtigste Grundsatz lautet deshalb:
Nicht einer perfekten pH-Zahl hinterherjagen – sondern stabile Bedingungen im Wurzelraum schaffen.
Häufig gestellte Fragen zum pH-Wert bei Cannabis
Was ist der beste pH-Wert für Cannabis?
Es gibt keinen universellen Einzelwert. Wissenschaftliche Untersuchungen nennen für erdelose beziehungsweise Gewächshaus-Substrate häufig einen Bereich von ungefähr pH 5,5 bis 6,5. Hydroponische Kulturen werden häufig etwas enger im leicht sauren Bereich geführt.
Warum ist der pH-Wert beim Cannabisanbau wichtig?
Weil er die chemische Verfügbarkeit verschiedener Pflanzennährstoffe beeinflusst. Ein ungeeigneter pH-Wert kann dadurch die Nährstoffversorgung und das Wurzelwachstum beeinträchtigen.
Was bedeutet Nutrient Lockout?
Damit wird eine Situation bezeichnet, in der vorhandene Nährstoffe aufgrund ungünstiger Bedingungen nicht ausreichend für die Pflanze verfügbar beziehungsweise aufnehmbar sind.
Kann ein falscher pH-Wert gelbe Blätter verursachen?
Ja, allerdings sind gelbe Blätter kein eindeutiger Beweis für ein pH-Problem. Auch Bewässerung, Nährstoffmangel, Wurzelschäden oder andere Stressfaktoren können ähnliche Symptome hervorrufen.
Muss ich den pH-Wert bei jedem Gießen messen?
Nicht bei jedem Anbausystem. Bei hydroponischen Systemen ist regelmäßiges Monitoring besonders relevant. Gut gepufferte Erdsubstrate können deutlich weniger empfindlich auf kurzfristige Schwankungen reagieren.
Was ist der Unterschied zwischen pH und EC?
Der pH-Wert beschreibt, wie sauer oder basisch eine Lösung ist. Der EC-Wert misst die elektrische Leitfähigkeit und dient als indirekter Hinweis auf die Konzentration gelöster Ionen beziehungsweise Salze.
Sollte ich den pH-Wert des Drainwassers messen?
Der Drain-pH kann Hinweise auf Veränderungen in der Wurzelzone geben. Er ist jedoch kein perfektes Abbild des gesamten Substrats und sollte gemeinsam mit weiteren Informationen interpretiert werden.
Ist pH 7 automatisch schlecht für Cannabis?
Nein. Eine einzelne Messung sagt wenig aus. Entscheidend sind Anbausystem, Dauer der Abweichung, Substrateigenschaften und die tatsächlichen Bedingungen im Wurzelraum.
Wissenschaftliche Quellen
Veazie et al. (2025): Impact of substrate pH and micronutrient fertility rates on Cannabis sativa. Agrosystems, Geosciences & Environment. Die Untersuchung zeigte unter anderem vermindertes Wachstum bei sehr niedrigen Substrat-pH-Werten und Veränderungen der Mikronährstoffkonzentrationen.
Ortiz-Delvasto et al. (2024): Aquaporins-mediated water availability in substrates for cannabis cultivation in relation to CBD yield. Plant and Soil. Die Arbeit behandelt unter anderem den Einfluss von Substrateigenschaften und pH auf die Cannabisproduktion.
Wei et al. (2024): Effect of augmented nutrient composition and fertigation system on biomass yield and cannabinoid content of medicinal cannabis cultivation. Die Autoren diskutieren die Bedeutung des Wurzelraum-pH für Nährstoffverfügbarkeit und Wurzelentwicklung.
Cockson et al. (2023): Foliar Symptomology, Nutrient Content, Yield, and Secondary Metabolite Variability of Cannabis Grown Hydroponically with Different Single-Element Nutrient Deficiencies. Die Studie zeigt, warum die Diagnose vermeintlicher Nährstoffmängel nicht ausschließlich anhand sichtbarer Symptome erfolgen sollte.
Rechtsquelle: Konsumcannabisgesetz (KCanG), insbesondere §§ 9–10.