Beim Cannabisanbau taucht neben dem pH-Wert immer wieder eine weitere Abkürzung auf: EC.
Der EC-Wert wird vor allem bei mineralischer Düngung, Kokossubstraten und hydroponischen Systemen verwendet. Er kann dabei helfen einzuschätzen, wie hoch die Konzentration gelöster Ionen in einer Nährlösung ist.
Dabei entsteht jedoch schnell ein Missverständnis:
Ein höherer EC-Wert bedeutet nicht automatisch mehr Nährstoffe im richtigen Verhältnis – und schon gar nicht automatisch stärkeres Wachstum oder höheren Ertrag.
Der EC-Wert verrät nämlich nicht, welche Stoffe sich im Wasser befinden. Er zeigt lediglich, wie gut die Lösung elektrischen Strom leitet.
Was bedeutet das konkret für Cannabis? Was ist ein hoher oder niedriger EC-Wert? Was ist der Unterschied zwischen EC und pH? Und warum können zwei Nährlösungen denselben EC-Wert besitzen, obwohl sie völlig unterschiedlich zusammengesetzt sind?
Was bedeutet EC?
EC steht für Electrical Conductivity, auf Deutsch elektrische Leitfähigkeit.
Reines beziehungsweise stark entmineralisiertes Wasser leitet elektrischen Strom nur schlecht.
Befinden sich dagegen gelöste Ionen im Wasser, steigt die Leitfähigkeit.
Zu solchen Ionen gehören beispielsweise:
- Nitrat
- Kalium
- Calcium
- Magnesium
- Phosphat
- Sulfat
- Natrium
- Chlorid
Düngesalze erhöhen deshalb normalerweise den EC-Wert einer Nährlösung.
Je mehr elektrisch geladene Teilchen vorhanden sind, desto höher kann die Leitfähigkeit werden.
Was sagt der EC-Wert beim Cannabisanbau aus?
Der EC-Wert liefert einen indirekten Hinweis auf die Gesamtkonzentration gelöster Ionen.
In wissenschaftlichen Cannabisversuchen wird EC deshalb regelmäßig verwendet, um die Konzentration einer Nährlösung zu charakterisieren.
Eine 2025 veröffentlichte Cannabisstudie beschreibt EC ausdrücklich als häufig verwendetes Maß zur Quantifizierung der Konzentration von Nährlösungen. Gleichzeitig weisen die Autoren auf eine entscheidende Einschränkung hin:
Der EC-Wert beschreibt nicht die tatsächliche Zusammensetzung der Lösung.
Das ist einer der wichtigsten Punkte beim Verständnis von EC.
EC misst nicht direkt „Dünger“
Im Grow-Bereich wird EC manchmal vereinfacht als „Düngerstärke“ bezeichnet.
Das ist verständlich, aber wissenschaftlich nicht ganz korrekt.
Ein EC-Messgerät erkennt nicht:
„In diesem Wasser befinden sich 150 mg Stickstoff, 60 mg Calcium und 40 mg Magnesium.“
Es misst lediglich die elektrische Leitfähigkeit der gesamten Lösung.
Auch andere gelöste Salze können den Messwert erhöhen.
Dazu gehören beispielsweise Natrium oder Chlorid.
Ein hoher EC-Wert bedeutet deshalb zunächst nur:
In der Lösung befinden sich relativ viele elektrisch leitfähige gelöste Stoffe.
Ob diese Zusammensetzung für Cannabis sinnvoll ist, muss separat beurteilt werden.
Warum ist der EC-Wert trotzdem nützlich?
Weil Veränderungen sehr schnell sichtbar werden können.
Angenommen, das Ausgangswasser besitzt eine relativ geringe Leitfähigkeit.
Nach Zugabe eines mineralischen Düngers steigt der EC-Wert deutlich.
Damit lässt sich nachvollziehen, wie stark sich die Gesamtkonzentration gelöster Ionen verändert hat.
Besonders in hydroponischen Systemen kann das hilfreich sein, weil die Nährstoffversorgung wesentlich unmittelbarer über die Nährlösung gesteuert wird.
EC ermöglicht dadurch eine vergleichbare Kontrolle von:
- Ausgangswasser
- fertig angemischter Nährlösung
- Reservoir
- Wurzelraum
- und teilweise Drainwasser.
Was ist der Unterschied zwischen EC und pH?
EC und pH werden beim Anbau häufig gemeinsam gemessen, beschreiben aber völlig unterschiedliche Eigenschaften.
pH-Wert
Der pH-Wert beschreibt, wie sauer oder basisch eine Lösung ist.
Er beeinflusst unter anderem die chemische Verfügbarkeit verschiedener Nährstoffe.
EC-Wert
Der EC-Wert beschreibt die elektrische Leitfähigkeit.
Er liefert einen indirekten Hinweis auf die Menge gelöster Ionen.
Eine Nährlösung kann deshalb gleichzeitig:
- einen passenden pH-Wert,
- aber einen ungeeigneten EC-Wert
besitzen.
Und genauso kann der EC-Wert passend erscheinen, obwohl der pH-Wert außerhalb eines geeigneten Bereichs liegt.
Beide Messgrößen beantworten unterschiedliche Fragen.
In welcher Einheit wird EC gemessen?
Im Pflanzenbau wird elektrische Leitfähigkeit häufig in mS/cm angegeben.
Je nach Messgerät können auch andere Darstellungen verwendet werden.
Deshalb sollte beim Vergleich von EC-Angaben immer darauf geachtet werden, welche Einheit tatsächlich angezeigt wird.
Besonders günstige Messgeräte können statt EC außerdem sogenannte TDS- oder PPM-Werte anzeigen.
Diese sind nicht dasselbe wie eine direkte EC-Messung.
Was bedeutet PPM beziehungsweise TDS?
TDS steht für Total Dissolved Solids.
Viele sogenannte PPM-Messgeräte bestimmen die gelösten Stoffe jedoch nicht tatsächlich chemisch.
Stattdessen messen sie zunächst die elektrische Leitfähigkeit und rechnen den EC-Wert anschließend mit einem bestimmten Faktor in einen geschätzten PPM-Wert um.
Das führt zu einem Problem:
Nicht jedes Gerät verwendet denselben Umrechnungsfaktor.
Zwei Geräte können deshalb dieselbe Wasserprobe messen und unterschiedliche PPM-Werte anzeigen.
Für wissenschaftlich besser vergleichbare Angaben ist EC deshalb normalerweise die eindeutigere Größe.
Warum besitzt Leitungswasser bereits einen EC-Wert?
Leitungswasser besteht nicht ausschließlich aus H₂O.
Es enthält verschiedene gelöste Mineralstoffe und Ionen.
Dazu können unter anderem gehören:
- Calcium
- Magnesium
- Hydrogencarbonat
- Natrium
- Chlorid
- Sulfat.
Deshalb besitzt Leitungswasser bereits vor Zugabe von Dünger eine messbare Leitfähigkeit.
Wie hoch diese ist, unterscheidet sich regional teilweise erheblich.
Das ist für den Cannabisanbau wichtig.
Wenn zwei Grower denselben Dünger in derselben Dosierung verwenden, aber unterschiedliches Ausgangswasser besitzen, kann die fertige Nährlösung unterschiedliche EC-Werte erreichen.
Warum sollte man zuerst das Ausgangswasser messen?
Weil der EC-Wert des Ausgangswassers bereits einen Teil des späteren Gesamtwertes ausmacht.
Beispiel:
Person A besitzt sehr mineralarmes Wasser.
Person B besitzt stark mineralhaltiges Wasser.
Beide geben anschließend dieselbe Menge Dünger hinzu.
Der EC-Wert der fertigen Lösungen kann trotzdem unterschiedlich sein.
Zusätzlich können sich die enthaltenen Mineralstoffe unterscheiden.
Ein hoher Ausgangs-EC ist daher nicht automatisch schlecht – aber er sollte bei der Nährstoffplanung berücksichtigt werden.
Ist ein hoher EC-Wert gut für Cannabis?
Nicht automatisch.
Genau hier liegt einer der verbreitetsten Denkfehler.
Mehr gelöste Nährstoffe bedeuten nicht unbegrenzt mehr Pflanzenwachstum.
Eine aktuelle kontrollierte Cannabisstudie untersuchte Nährlösungen mit einem EC von 2 und 4 mS/cm.
Durch die Verdopplung der Nährstoffkonzentration stiegen erwartungsgemäß die Mengen verschiedener Nährstoffe im Wurzelraum.
Trotzdem gab es keinen signifikanten Anstieg des Blütenertrags oder der Cannabinoidkonzentrationen.
Die Autoren kommen deshalb zu dem Ergebnis, dass Cannabis hohe Nährstoffkonzentrationen zwar tolerieren kann, eine übermäßige Versorgung jedoch nicht zwangsläufig Ertrag oder Qualität verbessert.
Kurz gesagt:
Mehr EC ist nicht automatisch mehr Ertrag.
Was passiert bei einem zu hohen EC-Wert?
Eine hohe Konzentration gelöster Salze beeinflusst das osmotische Verhältnis zwischen Wurzel und Umgebung.
Dadurch kann es für die Pflanze schwieriger werden, Wasser aufzunehmen.
Bei stark überhöhter Salzkonzentration können deshalb Stress und Wachstumsprobleme auftreten.
Mögliche Symptome können unter anderem sein:
- verbrannt wirkende Blattspitzen
- Blattverfärbungen
- verlangsamtes Wachstum
- Welkeerscheinungen
- Nährstoffungleichgewichte.
Allerdings sind diese Symptome nicht eindeutig.
Auch falsches Gießen, ungeeigneter pH-Wert, Hitze oder Wurzelschäden können ähnliche Veränderungen verursachen.
Was bedeutet Salzstress?
Pflanzen nehmen Wasser unter anderem aufgrund von Unterschieden im Wasserpotential zwischen Wurzel und Umgebung auf.
Befinden sich sehr viele gelöste Salze im Wurzelraum, verändert sich dieses Verhältnis.
Dadurch kann die Wasseraufnahme schwieriger werden.
Die paradoxe Folge:
Eine Pflanze kann von einer feuchten Nährlösung umgeben sein und trotzdem unter Wasserstress geraten.
Aus diesem Grund kann eine extrem konzentrierte Nährlösung problematisch sein.
Kann ein niedriger EC-Wert ebenfalls problematisch sein?
Ja.
Ein niedriger EC-Wert bedeutet zwar nicht automatisch Nährstoffmangel.
Bei intensivem Wachstum und einem weitgehend nährstofffreien Substrat kann eine sehr geringe Nährstoffkonzentration jedoch dazu führen, dass nicht genügend essenzielle Elemente zur Verfügung stehen.
Cannabis benötigt unter anderem:
- Stickstoff
- Phosphor
- Kalium
- Calcium
- Magnesium
- Schwefel
- sowie verschiedene Mikronährstoffe.
Die Kunst besteht deshalb nicht darin, den EC möglichst hoch oder möglichst niedrig zu halten.
Es geht um eine bedarfsgerechte Nährstoffkonzentration.
Gibt es den perfekten EC-Wert für Cannabis?
Nein.
Eine universelle Zahl für jede Cannabispflanze gibt es nicht.
Der sinnvolle Bereich hängt beispielsweise ab von:
- Genetik
- Entwicklungsphase
- Lichtintensität
- Temperatur
- Ausgangswasser
- Substrat
- Düngersystem
- Bewässerungsstrategie
- und Wurzelgesundheit.
Auch wissenschaftliche Studien arbeiten mit unterschiedlichen Nährstoffkonzentrationen und Anbausystemen.
Bei einer Studie mit fünf Hanf-Cultivaren wurden beispielsweise verschiedene Düngestufen mit Leitfähigkeiten von etwa 0,33 bis 2,85 dS/m untersucht. Die Reaktion unterschied sich unter anderem zwischen den Cultivaren.
Deshalb sind starre Tabellen aus dem Internet eher als Orientierung und nicht als universelles Naturgesetz zu betrachten.
Brauchen Keimlinge einen niedrigeren EC-Wert?
Junge Pflanzen besitzen normalerweise einen geringeren absoluten Nährstoffbedarf als große Pflanzen mit umfangreicher Blatt- und Wurzelmasse.
Besonders bei weitgehend nährstofffreien Kultursystemen wird die Nährstoffkonzentration deshalb häufig an die Pflanzenentwicklung angepasst.
Bei vorgedüngter Erde ist die Situation jedoch anders.
Dort sind bereits Nährstoffe im Substrat vorhanden.
Zusätzlich Dünger hinzuzugeben, nur um einen bestimmten EC-Zielwert zu erreichen, kann daher unnötig oder sogar kontraproduktiv sein.
Steigt der EC-Bedarf während der Blüte?
Mit der Pflanzenentwicklung verändern sich Nährstoffaufnahme und Biomassebildung.
Daraus folgt jedoch nicht automatisch:
Vegetative Phase = niedriger EC
Blüte = maximal hoher EC.
Auch während der Blüte kann eine übermäßige Nährstoffversorgung ineffizient sein.
Die bereits erwähnte Studie mit EC 2 und 4 mS/cm wurde während der Blüte durchgeführt. Trotz der deutlich höheren Nährstoffkonzentration brachte der höhere EC keinen signifikanten Vorteil bei Ertrag oder Cannabinoidkonzentration.
Die Pflanze benötigt also eine angemessene Versorgung – keine maximal konzentrierte Versorgung.
Was bedeutet EC im Drain?
Als Drain wird Wasser beziehungsweise Nährlösung bezeichnet, die nach dem Gießen unten aus dem Pflanzgefäß austritt.
Einige Grower messen dessen EC-Wert.
Die Idee:
Wenn der Drain deutlich höhere Leitfähigkeitswerte besitzt als die zugeführte Nährlösung, könnte dies auf eine Anreicherung gelöster Salze im Substrat hindeuten.
Das kann eine nützliche Information sein.
Der Wert sollte jedoch nicht überinterpretiert werden.
Drainwasser ist nicht zwangsläufig eine perfekte repräsentative Probe des gesamten Wurzelraums.
Substratstruktur, Bewässerungsmenge, Zeitpunkt der Probenentnahme und Wasserverteilung können das Ergebnis beeinflussen.
Warum kann der EC im Wurzelraum steigen?
Ein wichtiger Grund ist:
Die Pflanze nimmt Wasser und einzelne Nährstoffe nicht immer im exakt gleichen Verhältnis auf, in dem sie zugeführt werden.
Bestimmte Elemente können schneller aufgenommen werden als andere.
Andere können sich dagegen im Wurzelraum anreichern.
Genau das wurde auch in einer Cannabisstudie mit rezirkulierender Nährlösung beobachtet.
Bei höheren Nährstoffgaben sammelten sich verschiedene Ionen zunehmend in der Lösung an, weil die Zufuhr die Aufnahme durch die Pflanzen überstieg.
Deshalb ist EC kein statischer Wert.
Das Verhältnis zwischen Wasserverbrauch, Nährstoffaufnahme und Düngung verändert ihn ständig.
Warum kann der EC trotz ausreichender Ernährung niedrig sein?
Auch das ist möglich.
Wenn eine Pflanze bestimmte Ionen aktiv und schnell aufnimmt, kann deren Konzentration in der Nährlösung sinken.
Die 2025 veröffentlichte Untersuchung weist darauf hin, dass eine niedrige Leitfähigkeit der Lösung nicht zwangsläufig bedeutet, dass das Pflanzengewebe mangelhaft versorgt ist.
Pflanzen können aktiv Nährstoffe aufnehmen, während ihre Gewebekonzentrationen weiterhin im ausreichenden Bereich liegen.
Auch deshalb sollte die Pflanze nicht ausschließlich anhand einer EC-Zahl beurteilt werden.
EC sagt nichts über das Nährstoffverhältnis aus
Stellen wir uns zwei Nährlösungen vor.
Lösung A enthält ausgewogene Mengen von Stickstoff, Kalium, Calcium, Magnesium und weiteren Pflanzennährstoffen.
Lösung B enthält sehr viel Natrium und nur wenig essenzielle Pflanzennährstoffe.
Beide könnten theoretisch eine ähnliche elektrische Leitfähigkeit besitzen.
Für die Pflanze wären sie trotzdem völlig unterschiedlich.
Genau deshalb sollte EC niemals mit „Nährstoffqualität“ gleichgesetzt werden.
EC beantwortet:
Wie viele leitfähige gelöste Stoffe befinden sich ungefähr in der Lösung?
EC beantwortet nicht:
Sind die richtigen Nährstoffe im richtigen Verhältnis vorhanden?
Kann man anhand des EC-Wertes einen Nährstoffmangel erkennen?
Nicht zuverlässig.
Ein EC-Messgerät kann nicht feststellen, ob beispielsweise:
- Stickstoff fehlt
- Magnesium fehlt
- Eisen fehlt
- Kalium im Überschuss vorhanden ist.
Dafür wären andere Informationen notwendig.
Mögliche Methoden sind:
- Analyse der Nährlösung
- Wasseranalyse
- Pflanzengewebeanalyse
- Substratanalyse
- Beobachtung von Wachstum und Symptomen.
Selbst sichtbare Blattsymptome sollten vorsichtig interpretiert werden. Kontrollierte Cannabisversuche mit einzelnen Nährstoffdefiziten zeigen, dass verschiedene Mangelerscheinungen teilweise ähnliche Symptome hervorrufen können.
Wie misst man den EC-Wert?
Am einfachsten funktioniert dies mit einem digitalen EC-Messgerät.
Die Elektrode wird in die zu messende Flüssigkeit gehalten.
Nach kurzer Zeit zeigt das Gerät die elektrische Leitfähigkeit an.
Sinnvoll kann beispielsweise eine Messung erfolgen von:
- Ausgangswasser
- fertig angemischter Nährlösung
- gegebenenfalls Nährlösung im Reservoir
- gegebenenfalls Drain- beziehungsweise Wurzelraumlösung.
So lassen sich Veränderungen besser nachvollziehen.
Muss ein EC-Messgerät kalibriert werden?
Ja, zumindest wenn zuverlässige Werte benötigt werden.
Auch Leitfähigkeitssensoren können mit der Zeit abweichen.
Dafür existieren Kalibrierlösungen mit einer bekannten Leitfähigkeit.
Wie häufig kalibriert werden sollte, hängt vom jeweiligen Gerät und dessen Nutzung ab.
Die Angaben des Herstellers sind dabei maßgeblich.
Außerdem sollte die Messsonde entsprechend der Herstellerempfehlungen gereinigt und gelagert werden.
Welche Rolle spielt die Temperatur?
Elektrische Leitfähigkeit ist temperaturabhängig.
Viele moderne EC-Messgeräte besitzen deshalb eine automatische Temperaturkompensation.
Diese wird häufig als ATC – Automatic Temperature Compensation bezeichnet.
Geräte mit Temperaturkompensation rechnen Messwerte auf eine definierte Referenztemperatur um.
Dadurch lassen sich Messungen besser miteinander vergleichen.
Was ist wichtiger: EC oder die Herstellerdosierung?
Beides liefert unterschiedliche Informationen.
Die Herstellerdosierung gibt an, wie viel eines bestimmten Düngemittels verwendet werden soll.
Der EC-Wert zeigt anschließend, welche elektrische Leitfähigkeit die gesamte Lösung besitzt.
Gerade bei mineralischen Mehrkomponenten-Düngern kann EC deshalb ein zusätzliches Kontrollinstrument sein.
Eine Herstellerangabe sollte jedoch nicht einfach so lange überschritten werden, bis irgendein EC-Ziel aus einer Internet-Tabelle erreicht ist.
Wasserqualität und Düngerkonzentration unterscheiden sich von System zu System.
Kann organischer Dünger mit EC gemessen werden?
Nur eingeschränkt.
EC eignet sich besonders gut für Lösungen mit frei gelösten mineralischen Ionen.
Bei organischen Düngern können jedoch viele Nährstoffe zunächst in organisch gebundener Form vorliegen.
Diese werden teilweise erst durch mikrobielle Prozesse mineralisiert und dadurch pflanzenverfügbar.
Ein EC-Messwert kann bei organischen Systemen deshalb wesentlich weniger darüber aussagen, wie viele Nährstoffe langfristig tatsächlich verfügbar werden.
Das ist ein wichtiger Unterschied zwischen mineralischen und biologisch aktiven Düngesystemen.
Braucht man beim Anbau in Erde überhaupt ein EC-Messgerät?
Nicht zwingend.
Wer eine qualitativ gute vorgedüngte Erde verwendet und nach einem funktionierenden Düngeschema arbeitet, kann Cannabis grundsätzlich auch ohne permanente EC-Kontrolle kultivieren.
Besonders hilfreich wird EC dagegen bei:
- Kokossubstraten
- Steinwolle
- Hydroponik
- mineralischer Fertigation
- rezirkulierenden Nährlösungen
- oder wiederkehrenden Problemen mit Salzansammlungen.
Es ist also ein Werkzeug – keine Voraussetzung für jede Form des Eigenanbaus.
Fünf typische Fehler beim Umgang mit dem EC-Wert
1. Möglichst hohen EC anstreben
Mehr Nährstoffe bedeuten nicht automatisch mehr Ertrag.
2. Ausgangswasser ignorieren
Das Wasser besitzt bereits vor Zugabe des Düngers eine Leitfähigkeit.
3. EC mit Nährstoffzusammensetzung verwechseln
EC zeigt nicht, welche Ionen vorhanden sind.
4. PPM-Werte verschiedener Geräte direkt vergleichen
Verschiedene Geräte können unterschiedliche Umrechnungsfaktoren verwenden.
5. Nur auf die Zahl und nicht auf die Pflanze schauen
EC ist ein Messinstrument – kein Ersatz für die Beobachtung von Pflanzen, Wurzeln und Substrat.
EC und pH gemeinsam betrachten
Ein sinnvolles Nährstoffmanagement berücksichtigt mehrere Faktoren gleichzeitig.
EC beantwortet:
Wie hoch ist ungefähr die Konzentration gelöster Ionen?
pH beantwortet:
Wie sauer oder basisch ist die Lösung beziehungsweise der Wurzelraum?
Nährstoffzusammensetzung beantwortet:
Welche Elemente sind tatsächlich enthalten?
Pflanzenbeobachtung beantwortet:
Wie reagiert die Pflanze unter diesen Bedingungen?
Erst gemeinsam ergibt sich daraus ein brauchbares Bild.
Rechtlicher Hinweis zum Eigenanbau in Deutschland
Nach der aktuell geltenden Fassung des Konsumcannabisgesetzes dürfen Personen ab 18 Jahren an ihrem Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt höchstens drei Cannabispflanzen gleichzeitig zum Eigenkonsum anbauen. Cannabis aus privatem Eigenanbau darf nicht an Dritte weitergegeben werden. Außerdem müssen Cannabis und Vermehrungsmaterial vor dem Zugriff Dritter, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, geschützt werden.
Rechtsstand: September 2026.
Fazit: Der EC-Wert ist ein Werkzeug – kein Zielwert-Wettbewerb
Der EC-Wert gehört zu den wichtigsten Messgrößen beim kontrollierten Cannabisanbau.
Er zeigt die elektrische Leitfähigkeit einer Lösung und liefert damit einen indirekten Hinweis auf die Konzentration gelöster Ionen.
Seine Aussagekraft besitzt jedoch klare Grenzen.
Der EC-Wert verrät nicht:
- welche Nährstoffe vorhanden sind
- ob ihr Verhältnis sinnvoll ist
- ob einzelne Elemente fehlen
- oder ob eine höhere Konzentration den Ertrag verbessert.
Aktuelle Cannabisforschung zeigt sogar, dass eine deutliche Erhöhung der Nährstoffkonzentration nicht zwangsläufig zu mehr Blütenertrag oder höheren Cannabinoidwerten führt.
Der wichtigste Grundsatz lautet deshalb:
EC nicht maximieren – sondern als Kontrollinstrument für eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung verwenden.
Häufig gestellte Fragen zum EC-Wert bei Cannabis
Was bedeutet EC bei Cannabis?
EC steht für Electrical Conductivity beziehungsweise elektrische Leitfähigkeit. Der Wert dient als indirekter Hinweis auf die Konzentration gelöster Ionen in einer Nährlösung.
Was ist ein guter EC-Wert für Cannabis?
Eine universelle Zahl gibt es nicht. Der geeignete Bereich hängt unter anderem von Genetik, Entwicklungsphase, Anbausystem, Ausgangswasser und Düngung ab.
Ist ein hoher EC-Wert besser?
Nein. Ein höherer EC bedeutet zunächst lediglich eine höhere elektrische Leitfähigkeit. Eine Cannabisstudie zeigte beispielsweise keinen signifikanten Ertrags- oder Cannabinoidvorteil bei einer Erhöhung der Nährlösung von EC 2 auf EC 4 mS/cm.
Was ist der Unterschied zwischen EC und pH?
EC gibt Auskunft über die elektrische Leitfähigkeit einer Lösung. Der pH-Wert beschreibt, wie sauer oder basisch sie ist.
Kann EC zeigen, welcher Nährstoff fehlt?
Nein. Ein EC-Messgerät unterscheidet nicht zwischen einzelnen Nährstoffen.
Was bedeutet ein steigender EC im Drain?
Das kann unter anderem auf eine zunehmende Konzentration gelöster Salze im Wurzelraum hinweisen. Der Drainwert sollte jedoch nicht isoliert interpretiert werden.
Was ist der Unterschied zwischen EC und PPM?
Viele PPM-/TDS-Messgeräte berechnen ihren angezeigten Wert aus der gemessenen elektrischen Leitfähigkeit. Je nach verwendetem Umrechnungsfaktor können unterschiedliche PPM-Werte entstehen.
Braucht man ein EC-Messgerät bei Erde?
Nicht unbedingt. Besonders nützlich ist EC bei mineralischer Düngung, Kokos, Hydroponik und anderen kontrollierten Fertigationssystemen.
Kann zu hoher EC Cannabis schädigen?
Eine übermäßig hohe Salzkonzentration im Wurzelraum kann Wasseraufnahme und Pflanzenentwicklung beeinträchtigen.
Wissenschaftliche Quellen
Langenfeld et al. (2025): Elevated root-zone P and nutrient concentration do not increase yield or cannabinoids in medical cannabis. Frontiers in Plant Science. Die Untersuchung verglich unter anderem Nährlösungen mit EC 2 und 4 mS/cm und fand durch die höhere Konzentration keinen signifikanten Vorteil bei Blütenertrag oder Cannabinoidkonzentration.
Caplan et al.: Response of essential oil hemp (Cannabis sativa L.) growth, biomass, and cannabinoid profiles to varying fertigation rates. Die Untersuchung verglich unterschiedliche Düngestufen und Leitfähigkeiten bei mehreren Cannabis-Cultivaren.
Cockson et al. (2023): Foliar Symptomology, Nutrient Content, Yield, and Secondary Metabolite Variability of Cannabis Grown Hydroponically with Different Single-Element Nutrient Deficiencies. Plants. Die Studie untersuchte gezielt einzelne Nährstoffdefizite und verdeutlicht die Grenzen einer rein visuellen Mangeldiagnose.
Rechtsquelle: Konsumcannabisgesetz (KCanG), insbesondere §§ 9 und 10.