Die Wurzeln der Cannabispflanze verankern die Pflanze im Boden und nehmen Wasser sowie Mineralstoffe auf. Gleichzeitig sind Cannabiswurzeln aktive Pflanzenorgane, die Stoffe transportieren, Hormonsignale beeinflussen und mit Mikroorganismen in ihrer unmittelbaren Umgebung interagieren.
Das Wurzelsystem von Cannabis sativa L. besteht unter anderem aus:
- Hauptwurzel
- Seitenwurzeln
- Feinwurzeln
- Wurzelhaaren
- Wurzelspitzen
Wie groß und verzweigt das Wurzelsystem wird, hängt stark von:
- Genetik
- Entwicklungsstadium
- Boden beziehungsweise Substrat
- Wasserverfügbarkeit
- Nährstoffen
- Umweltbedingungen
ab.
Eine pauschale Aussage wie „Cannabis wurzelt immer exakt X Meter tief“ ist deshalb botanisch nicht sinnvoll.
Wie sehen Cannabiswurzeln aus?
Nach der Keimung entwickelt Cannabis zunächst eine zentrale:
Keimwurzel – Radicula
Aus ihr entsteht die primäre Wurzel.
Da Cannabis zu den zweikeimblättrigen Pflanzen gehört, kann sich daraus grundsätzlich ein:
Pfahlwurzelsystem
entwickeln.
Von der Hauptwurzel zweigen später zahlreiche:
Seitenwurzeln
ab.
Diese verzweigen sich wiederum weiter.
Dadurch entsteht ein dreidimensionales Netzwerk im Boden beziehungsweise Wurzelraum.
Interner Link: Cannabissamen: Aufbau, Keimung und Genetik einfach erklärt
Was ist eine Pfahlwurzel?
Eine Pfahlwurzel ist eine deutlich ausgeprägte zentrale Hauptwurzel.
Von ihr gehen kleinere Seitenwurzeln aus.
Vereinfacht:
Hauptwurzel
↓
Seitenwurzeln
↓
feinere Seitenwurzeln
↓
Wurzelhaare
Ein solches Wurzelsystem kann einer Pflanze ermöglichen, unterschiedliche Bereiche des Bodens zu erschließen.
Die tatsächliche Form hängt jedoch stark von Umwelt und Genetik ab.
Cannabis besitzt daher nicht unter allen Bedingungen eine identische Wurzelarchitektur.
Was passiert mit der Keimwurzel?
Bei der Keimung tritt normalerweise zunächst die:
Radicula
aus dem Samen aus.
Sie wächst vom jungen Spross weg und bildet den Ausgangspunkt des Wurzelsystems.
Während sich oberirdisch:
- Keimblätter
- Stamm
- erste Laubblätter
entwickeln, verzweigt sich unterirdisch zunehmend das Wurzelsystem.
Die Entwicklung über und unter der Erde ist dabei eng miteinander gekoppelt.
Interner Link: Lebenszyklus der Cannabispflanze
Welche Aufgaben haben Cannabiswurzeln?
Die Wurzeln erfüllen mehrere zentrale Funktionen.
Verankerung
Sie halten die Pflanze mechanisch im Boden.
Wasseraufnahme
Wasser wird aus der Umgebung aufgenommen und anschließend in andere Teile der Pflanze transportiert.
Mineralstoffaufnahme
Über die Wurzeln gelangen verschiedene mineralische Nährstoffe in die Pflanze.
Stofftransport
Wasser und gelöste Mineralstoffe werden über das Leitgewebe in Richtung Spross transportiert.
Speicherung
Wurzeln können verschiedene Stoffe speichern beziehungsweise zwischenlagern.
Hormonsignale
Die Wurzeln sind an der Bildung und Regulation verschiedener Pflanzenhormone beteiligt.
Kommunikation mit der Umwelt
Wurzeln geben zahlreiche Moleküle in ihre Umgebung ab und beeinflussen dadurch die sogenannte:
Rhizosphäre.
Wie nimmt eine Cannabiswurzel Wasser auf?
Wasser gelangt über die Oberfläche der Wurzeln in die Pflanze.
Besonders relevant sind die feineren Wurzelbereiche mit vielen:
Wurzelhaaren.
Diese vergrößern die Kontaktfläche zwischen Pflanze und Boden.
Das Wasser bewegt sich anschließend durch verschiedene Gewebe in Richtung des zentralen Leitgewebes.
Von dort gelangt es über das:
Xylem
nach oben.
Der Wassertransport steht unter anderem mit der Verdunstung über die Blätter in Verbindung.
Dieser Prozess wird:
Transpiration
genannt.
Was sind Wurzelhaare?
Wurzelhaare sind feine, röhrenförmige Ausstülpungen bestimmter Zellen der Wurzeloberfläche.
Sie sind:
- sehr klein
- kurzlebig
- zahlreich
und vergrößern die Oberfläche der Wurzel erheblich.
Dadurch verbessern sie den Kontakt mit:
- Wasser
- gelösten Mineralstoffen
- Bodenpartikeln
Wurzelhaare sind keine zusätzlichen kleinen Wurzeln.
Sie sind Ausstülpungen einzelner Epidermiszellen.
Wo entstehen Wurzelhaare?
Eine junge Wurzel besitzt verschiedene Entwicklungszonen.
Vereinfacht lassen sich unterscheiden:
- Wurzelhaube
- Zellteilungszone
- Streckungszone
- Differenzierungszone
Die Wurzelhaare entstehen insbesondere in der:
Differenzierungszone.
Dort spezialisieren sich zuvor junge Zellen zunehmend für bestimmte Aufgaben.
Was ist die Wurzelhaube?
Ganz vorne an der wachsenden Wurzel befindet sich die:
Wurzelhaube – Kalyptra
Sie schützt empfindliche Zellen des sogenannten:
Wurzelapikalmeristems.
Die Wurzelspitze bewegt sich beim Wachstum durch Boden beziehungsweise andere Medien.
Die Wurzelhaube schützt dabei den Wachstumsbereich mechanisch.
Zusätzlich ist sie an der Wahrnehmung der Schwerkraftrichtung beteiligt.
Was ist das Wurzelmeristem?
Das Wurzelapikalmeristem ist ein Bereich mit teilungsfähigen Pflanzenzellen.
Hier entstehen kontinuierlich neue Zellen.
Diese werden anschließend:
- gestreckt
- differenziert
- zu spezialisierten Wurzelgeweben
Dadurch kann die Wurzel weiterwachsen.
Meristeme sind gewissermaßen die Wachstumszentren einer Pflanze.
Auch an den oberirdischen Sprossspitzen besitzt Cannabis Meristeme.
Interner Link: Aufbau der Cannabispflanze
Wie ist eine Cannabiswurzel im Inneren aufgebaut?
Im Querschnitt besitzt eine junge Pflanzenwurzel verschiedene Gewebeschichten.
Dazu gehören vereinfacht:
- Rhizodermis beziehungsweise Epidermis
- Rinde beziehungsweise Cortex
- Endodermis
- Zentralzylinder
- Leitgewebe
Im Inneren befinden sich unter anderem:
Xylem und Phloem.
Diese Leitgewebe verbinden das Wurzelsystem funktionell mit dem Rest der Pflanze.
Was macht das Xylem?
Das Xylem transportiert hauptsächlich:
- Wasser
- gelöste Mineralstoffe
von den Wurzeln in Richtung der oberirdischen Pflanzenteile.
Vereinfacht:
Wurzel → Stamm → Blätter
Das Xylem besitzt darüber hinaus eine wichtige strukturelle Funktion.
Viele seiner Zellen entwickeln verstärkte Zellwände.
Was macht das Phloem?
Das Phloem transportiert vor allem organische Stoffe innerhalb der Pflanze.
Dazu gehören beispielsweise Zucker, die durch Photosynthese in den Blättern entstehen.
Diese können in Gewebe transportiert werden, das selbst nicht ausreichend Photosynthese betreibt.
Dazu gehören auch die Wurzeln.
Das bedeutet:
Die Wurzeln versorgen die Blätter mit Wasser und Mineralstoffen – gleichzeitig erhalten die Wurzeln Kohlenhydrate aus den oberirdischen Pflanzenteilen.
Die Cannabispflanze funktioniert damit als zusammenhängendes Transportsystem.
Was macht die Endodermis?
Die Endodermis bildet eine wichtige innere Zellschicht der Wurzel.
Sie reguliert, welche Stoffe in den zentralen Leitgewebebereich gelangen.
Damit besitzt die Pflanze einen gewissen Kontrollmechanismus über die Aufnahme und Weiterleitung gelöster Stoffe.
Eine wichtige Struktur ist dabei der:
Caspary-Streifen.
Er verändert den Transportweg von Wasser und gelösten Ionen durch die Zellschichten.
Wie nimmt Cannabis Nährstoffe auf?
Pflanzen nehmen Mineralstoffe überwiegend als gelöste Ionen über ihre Wurzeln auf.
Zu wichtigen Pflanzennährstoffen gehören beispielsweise:
Makronährstoffe
- Stickstoff
- Phosphor
- Kalium
- Calcium
- Magnesium
- Schwefel
Mikronährstoffe
- Eisen
- Mangan
- Zink
- Kupfer
- Bor
- Molybdän
Diese Stoffe erfüllen unterschiedliche Aufgaben bei:
- Photosynthese
- Enzymfunktionen
- Zellaufbau
- Energieübertragung
- Proteinsynthese
Die Pflanze kann Nährstoffe nicht einfach beliebig aufnehmen.
Dafür existieren zahlreiche spezialisierte Transportproteine in Zellmembranen.
Was ist die Rhizosphäre?
Die Rhizosphäre ist der unmittelbar von einer Wurzel beeinflusste Bereich ihrer Umgebung.
Sie stellt keine klare Schicht dar, die man mit bloßem Auge exakt abgrenzen könnte.
Vielmehr handelt es sich um eine biologisch besonders aktive Zone.
Dort treffen aufeinander:
- Pflanzenwurzel
- Wasser
- Mineralstoffe
- organische Moleküle
- Bakterien
- Pilze
- weitere Mikroorganismen
Die Pflanze verändert diese Umgebung unter anderem durch sogenannte:
Wurzelexsudate.
Was sind Wurzelexsudate?
Wurzeln können zahlreiche organische Moleküle in ihre Umgebung abgeben.
Diese werden als:
Wurzelexsudate
bezeichnet.
Dazu können gehören:
- Zucker
- Aminosäuren
- organische Säuren
- phenolische Verbindungen
- weitere Metabolite
Diese Stoffe können unter anderem:
- Mikroorganismen beeinflussen
- chemische Bedingungen in der Wurzelumgebung verändern
- die Verfügbarkeit bestimmter Nährstoffe beeinflussen
Die Wurzel ist deshalb keine passive „Trinkhalm-Struktur“.
Sie verändert aktiv ihre Umgebung.
Haben Cannabiswurzeln ein Mikrobiom?
Ja.
Wie andere Pflanzen besitzt auch Cannabis Gemeinschaften von Mikroorganismen, die:
- auf der Wurzeloberfläche
- in unmittelbarer Wurzelnähe
- teilweise innerhalb von Pflanzengeweben
vorkommen können.
Diese Gemeinschaft wird vereinfacht als:
Wurzelmikrobiom
bezeichnet.
Aktuelle Forschung untersucht unter anderem Beziehungen zwischen Cannabiswurzeln und:
- Bakterien
- Pilzen
- endophytischen Mikroorganismen
Diese können mit Pflanzenprozessen wie:
- Nährstoffaufnahme
- Stressreaktionen
- Pflanzenabwehr
zusammenhängen.
Die genauen Beziehungen sind jedoch komplex und stark von Umwelt sowie Pflanzengenetik abhängig.
Was sind Endophyten?
Endophyten sind Mikroorganismen, die zumindest einen Teil ihres Lebenszyklus innerhalb von Pflanzengewebe verbringen können, ohne dort zwangsläufig eine Krankheit auszulösen.
Dazu gehören beispielsweise bestimmte:
- Bakterien
- Pilze
Auch bei Cannabis werden endophytische Mikroorganismen untersucht.
Die pauschale Aussage:
„Bakterium X macht jede Cannabispflanze automatisch gesünder“
wäre jedoch nicht wissenschaftlich gerechtfertigt.
Pflanzen-Mikroben-Interaktionen sind stark vom jeweiligen:
- Mikroorganismus
- Genotyp
- Standort
- Entwicklungsstadium
abhängig.
Bildet Cannabis Mykorrhiza?
Cannabis kann mit bestimmten mykorrhizalen Pilzen interagieren.
Mykorrhiza bezeichnet eine symbiotische Verbindung zwischen Pflanzenwurzeln und bestimmten Pilzen.
Bei vielen Pflanzen können Pilzhyphen den erschlossenen Bodenbereich vergrößern.
Im Gegenzug erhält der Pilz Kohlenhydrate aus der Photosynthese der Pflanze.
Welche Effekte eine solche Beziehung bei Cannabis konkret hat, hängt jedoch stark von:
- Pilzart
- Pflanzengenetik
- Umwelt
- Nährstoffversorgung
ab.
Mykorrhiza sollte deshalb nicht als universeller „Wachstumsverstärker“ dargestellt werden.
Haben Cannabiswurzeln eine bestimmte Tiefe?
Es gibt keine universelle Wurzeltiefe für Cannabis.
Die Wurzelarchitektur kann sich erheblich unterscheiden.
Einfluss haben unter anderem:
- Genetik
- Bodenstruktur
- Wasserverfügbarkeit
- mechanischer Widerstand
- Entwicklungsdauer
- Standort
Aktuelle Untersuchungen verschiedener Nutzhanfgenotypen zeigen deutliche Unterschiede in der Wurzelarchitektur.
Bei einer Untersuchung von 46 Genotypen unterschied sich die gesamte gemessene Wurzellänge zwischen den untersuchten Genotypen erheblich.
Damit bestätigt die Forschung:
„Cannabis hat immer genau dieselbe Wurzelstruktur“ ist falsch.
Haben Sativa und Indica unterschiedliche Wurzeln?
Eine zuverlässige wissenschaftliche Regel wie:
Sativa = tiefere Wurzeln
und:
Indica = flachere Wurzeln
existiert nicht.
Die kommerziellen Begriffe Sativa und Indica sind ohnehin keine zuverlässigen genetischen Kategorien moderner Cannabisprodukte.
Wurzeleigenschaften hängen von konkreten:
- Genotypen
- Populationen
- Umweltbedingungen
ab.
Eine Ableitung aus dem Sativa-/Indica-Label allein wäre daher zu stark vereinfacht.
Interner Link: Cannabis Sativa, Indica und Ruderalis: Unterschiede einfach erklärt
Beeinflusst die Genetik die Cannabiswurzeln?
Ja.
Neuere Forschung zeigt deutliche genetische Unterschiede bei Wurzelmerkmalen von Cannabis beziehungsweise Nutzhanf.
Dazu können gehören:
- gesamte Wurzellänge
- Wurzelbiomasse
- Verzweigung
- Wurzeldurchmesser
- Verhältnis von Wurzel- zu Sprossmasse
Das Wurzelsystem gehört damit ebenso zum Phänotyp einer Cannabispflanze wie:
- Blätter
- Wuchshöhe
- Blütezeit
- Blütenstruktur
Die Cannabisgenetik betrifft also keineswegs nur THC oder Terpene.
Verändert sich die Wurzel während des Lebenszyklus?
Ja.
Das Wurzelsystem entwickelt sich gemeinsam mit dem oberirdischen Pflanzenkörper.
Nach der Keimung entsteht zunächst die Primärwurzel.
Später folgen:
- Seitenwurzeln
- zusätzliche Verzweigungen
- Feinwurzeln
- zahlreiche Wurzelhaare
Auch das Verhältnis zwischen:
Wurzelmasse und oberirdischer Biomasse
kann sich im Verlauf der Pflanzenentwicklung verändern.
Die Pflanze verteilt ihre Ressourcen je nach Entwicklungsstadium unterschiedlich.
Lebenszyklus der Cannabispflanze
Kommunizieren Wurzeln mit den Blättern?
Ja.
Wurzeln und Spross stehen über:
- Leitgewebe
- Hormonsignale
- chemische Signale
miteinander in Verbindung.
Die Wurzeln reagieren beispielsweise auf:
- Wasserverfügbarkeit
- Nährstoffversorgung
- Umweltstress
Solche Informationen können physiologische Reaktionen im oberirdischen Teil beeinflussen.
Umgekehrt beeinflussen die Blätter die Wurzeln durch die Versorgung mit Photosyntheseprodukten.
Pflanzen funktionieren deshalb nicht als Sammlung voneinander unabhängiger Organe.
Welche Pflanzenhormone beeinflussen die Wurzeln?
Die Entwicklung der Wurzelarchitektur wird durch mehrere Phytohormone reguliert.
Besonders wichtig ist:
Auxin.
Auxin spielt unter anderem eine Rolle bei:
- Wurzelwachstum
- Bildung von Seitenwurzeln
- Wurzelhaaren
- Reaktionen auf Umweltreize
Weitere beteiligte Hormonsysteme sind unter anderem:
- Cytokinine
- Abscisinsäure
- Ethylen
- Gibberelline
- Strigolactone
Diese Stoffe wirken nicht unabhängig voneinander.
Die Wurzelentwicklung entsteht aus komplexen regulatorischen Netzwerken.
Können Cannabiswurzeln Stress wahrnehmen?
Pflanzen besitzen kein Nervensystem wie Tiere.
Trotzdem können Wurzeln Veränderungen ihrer Umgebung wahrnehmen und darauf reagieren.
Dazu gehören beispielsweise Veränderungen von:
- Wasserverfügbarkeit
- Mineralstoffkonzentrationen
- Temperatur
- Sauerstoff
- mechanischem Widerstand
Daraufhin können sich unter anderem verändern:
- Wurzelwachstum
- Verzweigung
- Stofftransport
- Hormonhaushalt
- Genaktivität
Die Pflanze passt dadurch ihren Phänotyp an ihre Umgebung an.
Brauchen Cannabiswurzeln Sauerstoff?
Wurzelzellen betreiben:
Zellatmung.
Dafür benötigen sie Sauerstoff.
Bei der Zellatmung wird chemische Energie aus organischen Molekülen nutzbar gemacht.
Die Behauptung:
„Nur Blätter brauchen Luft“
ist deshalb falsch.
Auch unterirdische Pflanzengewebe benötigen einen geeigneten Gasaustausch.
Das ist ein allgemeines Prinzip der Pflanzenphysiologie.
Betreiben Cannabiswurzeln Photosynthese?
Normale unterirdische Cannabiswurzeln betreiben keine relevante Photosynthese wie grüne Blätter.
Ihnen fehlt typischerweise die dafür notwendige ausgeprägte photosynthetische Ausstattung.
Sie sind deshalb auf organische Stoffe angewiesen, die in photosynthetisch aktiven Pflanzenteilen produziert werden.
Diese werden unter anderem über das:
Phloem
zur Wurzel transportiert.
Enthalten Cannabiswurzeln THC?
Cannabiswurzeln besitzen ein deutlich anderes chemisches Profil als cannabinoidreiche weibliche Blüten.
Untersuchungen der Wurzeln finden Cannabinoide häufig:
gar nicht oder lediglich in Spuren.
Der Grund liegt unter anderem darin, dass die cannabinoidreiche Produktion der oberirdischen Pflanze eng mit spezialisierten glandulären Trichomen verbunden ist.
Wurzeln besitzen dagegen andere charakteristische Pflanzenstoffe.
Eine Cannabiswurzel ist daher kein unterirdischer Speicher großer Mengen THC oder CBD.
Welche Stoffe enthalten Cannabiswurzeln?
Cannabiswurzeln besitzen dennoch eine interessante eigene Phytochemie.
Beschrieben wurden beispielsweise:
- Triterpene
- Phytosterole
- Alkaloide
- phenolische Verbindungen
- Lignanamid-artige Verbindungen
Besonders häufig genannt werden die Triterpene:
- Friedelin
- Epifriedelanol
Damit unterscheidet sich die chemische Zusammensetzung der Wurzel deutlich von cannabinoidreichen Blüten.
Neuere Reviews zeigen, dass Cannabiswurzeln phytochemisch wesentlich vielfältiger sind, als lange angenommen wurde.
Was ist Friedelin?
Friedelin ist ein pflanzliches Triterpen.
Es wurde in den Wurzeln von Cannabis nachgewiesen und kommt auch in verschiedenen anderen Pflanzen vor.
Friedelin wird in der Forschung hinsichtlich verschiedener biologischer Eigenschaften untersucht.
Die vorhandenen Ergebnisse stammen jedoch überwiegend aus:
- Laboruntersuchungen
- Zellmodellen
- Tiermodellen
Daraus lässt sich keine gesicherte medizinische Wirkung von Cannabiswurzeln beim Menschen ableiten.
Was ist Epifriedelanol?
Epifriedelanol ist ebenfalls ein Triterpen beziehungsweise Triterpenalkohol, der in Cannabiswurzeln beschrieben wurde.
Wie Friedelin ist auch dieser Stoff nicht einzigartig für Cannabis.
Seine Anwesenheit verdeutlicht jedoch, dass unterschiedliche Pflanzenteile von Cannabis völlig verschiedene chemische Schwerpunkte besitzen können.
Vereinfacht:
Blüte → besonders Cannabinoide und flüchtige Terpene
Wurzel → unter anderem Triterpene und weitere nicht-cannabinoide Pflanzenstoffe
Wurden Cannabiswurzeln historisch verwendet?
Ja.
Cannabiswurzeln wurden in verschiedenen historischen medizinischen Traditionen beschrieben.
Überlieferte Anwendungen betrafen unter anderem Beschwerden wie:
- Entzündungen
- Schmerzen
- Hautverletzungen
Historische Verwendung ist jedoch kein Nachweis moderner medizinischer Wirksamkeit.
Auch aktuelle Reviews betonen, dass die Cannabiswurzel im Vergleich zu Blüten und Cannabinoiden wesentlich weniger untersucht wurde.
Haben Cannabiswurzeln medizinische Wirkungen?
Verschiedene Inhaltsstoffe der Wurzeln werden wissenschaftlich untersucht.
Präklinisch wurden unter anderem mögliche:
- entzündungsbezogene
- antioxidative
- antimikrobielle
- schmerzbezogene
Eigenschaften beschrieben.
Entscheidend ist aber:
Die klinische Evidenz beim Menschen ist bislang sehr begrenzt.
Es wäre daher nicht seriös zu behaupten:
„Cannabiswurzeln behandeln Erkrankung X.“
Aktuell sind sie vor allem ein interessantes Forschungsgebiet der Pflanzenchemie und Pharmakognosie.
Was sind Hairy Roots?
In der Pflanzenbiotechnologie gibt es sogenannte:
Hairy-Root-Kulturen.
Dabei handelt es sich nicht einfach um besonders behaarte normale Wurzeln.
Es sind spezielle Wurzelkulturen, die unter kontrollierten Laborbedingungen erzeugt und vermehrt werden können.
Sie werden unter anderem genutzt, um:
- Pflanzenstoffwechsel zu untersuchen
- bestimmte Pflanzenstoffe zu produzieren
- Biosynthesewege zu erforschen
Auch für Cannabis werden solche Kulturen wissenschaftlich untersucht.
Aktuelle Studien fanden darin beispielsweise interessante Mengen bestimmter:
- Cannabisine
- Triterpene
Diese Forschung findet jedoch im biotechnologischen Kontext statt und ist nicht mit normalen Pflanzenwurzeln gleichzusetzen.
Können Cannabiswurzeln Schadstoffe aufnehmen?
Pflanzenwurzeln nehmen Stoffe aus ihrer Umgebung auf beziehungsweise beeinflussen deren Verfügbarkeit.
Cannabis beziehungsweise Nutzhanf wird deshalb auch im Zusammenhang mit:
Phytoremediation
untersucht.
Phytoremediation beschreibt die Nutzung von Pflanzen zur:
- Aufnahme
- Bindung
- Stabilisierung
- Veränderung
bestimmter Umweltkontaminanten.
Untersucht wurden bei Hanf beispielsweise Wechselwirkungen mit:
- Schwermetallen
- belasteten Böden
- verschiedenen Schadstoffen
Das bedeutet allerdings nicht, dass Cannabis jeden Schadstoff zuverlässig aus jedem Boden entfernen kann.
Die Eignung hängt vom jeweiligen:
- Schadstoff
- Standort
- Genotyp
- Boden
ab.
Können Schadstoffe aus dem Boden in Cannabis gelangen?
Grundsätzlich können Pflanzen bestimmte Stoffe aus ihrer Umgebung aufnehmen.
Wie stark ein Stoff aufgenommen und innerhalb der Pflanze verteilt wird, hängt von seinen chemischen Eigenschaften und der Pflanzenphysiologie ab.
Das ist einer der Gründe, warum bei Cannabisprodukten eine kontrollierte Produktion und Qualitätsprüfung relevant sein kann.
Besonders bei medizinischen beziehungsweise konsumierten Pflanzenprodukten können Untersuchungen auf Kontaminanten wie:
- Schwermetalle
- Pestizide
- Mikroorganismen
von Bedeutung sein.
Sind größere Wurzeln automatisch besser?
Nein.
Ein größeres Wurzelsystem bedeutet nicht automatisch eine „bessere“ Cannabispflanze.
Entscheidend ist, ob die Wurzelarchitektur zur:
- Genetik
- Umgebung
- Ressourcenverfügbarkeit
- Pflanzenentwicklung
passt.
Pflanzen können ihre Ressourcen unterschiedlich zwischen:
Wurzel und Spross
verteilen.
Diese sogenannte:
Biomasseallokation
ist Teil ihrer Anpassung.
Die optimale Wurzelarchitektur ist deshalb kein universell festgelegter Maximalwert.
Kann man an den Wurzeln den THC-Gehalt erkennen?
Nein.
Wurzelgröße, Wurzelfarbe oder Wurzelform erlauben keine zuverlässige Aussage über den späteren THC-Gehalt einer Blüte.
Die Cannabinoidproduktion hängt unter anderem stark von:
- Genetik
- Blütenentwicklung
- glandulären Trichomen
ab.
Für eine zuverlässige Bestimmung des Cannabinoidgehalts ist eine chemische:
Laboranalyse
notwendig.
Cannabiswurzeln: Das Wichtigste zusammengefasst
Cannabiswurzeln sind komplexe Pflanzenorgane, die Wasser und Mineralstoffe aufnehmen, die Pflanze verankern und mit ihrer biologischen Umgebung interagieren.
Die wichtigsten Fakten:
- Cannabis entwickelt nach der Keimung zunächst eine Primärwurzel.
- Daraus kann sich ein verzweigtes Pfahlwurzelsystem entwickeln.
- Seiten- und Feinwurzeln vergrößern den erschlossenen Wurzelraum.
- Wurzelhaare vergrößern die Oberfläche für Wasser- und Mineralstoffaufnahme.
- Die Wurzelspitze wird durch die Wurzelhaube geschützt.
- Im Wurzelmeristem entstehen neue Zellen.
- Xylem transportiert Wasser und Mineralstoffe Richtung Spross.
- Phloem versorgt unter anderem die Wurzeln mit organischen Stoffen.
- Die Endodermis reguliert den Stofftransport in das innere Leitgewebe.
- Cannabiswurzeln beeinflussen ihre Umgebung durch Wurzelexsudate.
- Die unmittelbar beeinflusste Umgebung wird Rhizosphäre genannt.
- Cannabis besitzt ein komplexes Wurzelmikrobiom.
- Wechselwirkungen mit Bakterien und Pilzen werden zunehmend erforscht.
- Cannabis kann mit mykorrhizalen Pilzen interagieren.
- Die Wurzelarchitektur unterscheidet sich zwischen verschiedenen Genotypen.
- Eine universelle Wurzeltiefe für Cannabis gibt es nicht.
- Auch die Wurzelentwicklung wird durch Pflanzenhormone reguliert.
- Auxin spielt dabei eine besonders wichtige Rolle.
- Wurzelzellen benötigen Sauerstoff für die Zellatmung.
- Unterirdische Wurzeln betreiben normalerweise keine relevante Photosynthese.
- Cannabiswurzeln enthalten typischerweise keine großen Mengen THC oder CBD.
- Cannabinoide wurden in Wurzeln häufig gar nicht oder nur in Spuren gefunden.
- Wurzeln enthalten stattdessen unter anderem Triterpene wie Friedelin und Epifriedelanol.
- Cannabiswurzeln wurden historisch medizinisch verwendet.
- Eine gesicherte klinische Wirksamkeit von Cannabiswurzel-Präparaten ist daraus nicht ableitbar.
- Cannabiswurzeln werden heute auch hinsichtlich Mikrobiom, Pflanzenbiotechnologie und Phytoremediation erforscht.
Die Wurzel der Cannabispflanze ist damit weit mehr als eine unterirdische Befestigung: Sie bildet eine dynamische Schnittstelle zwischen Pflanze, Wasser, Mineralstoffen, Bodenchemie und Mikroorganismen.
Häufige Fragen zu Cannabiswurzeln
Welche Wurzeln hat Cannabis?
Cannabis kann ein Pfahlwurzelsystem mit einer zentralen Hauptwurzel und zahlreichen Seiten- und Feinwurzeln entwickeln.
Wie tief wurzelt Cannabis?
Es gibt keine allgemein gültige Tiefe. Genetik, Boden, Wasserverfügbarkeit und weitere Umweltbedingungen beeinflussen die Wurzelarchitektur erheblich.
Was machen Wurzelhaare?
Wurzelhaare vergrößern die Oberfläche der Wurzel und unterstützen die Aufnahme von Wasser und gelösten Mineralstoffen.
Was ist die Rhizosphäre?
Die Rhizosphäre ist der unmittelbar durch die Wurzel beeinflusste Bereich ihrer Umgebung. Dort bestehen intensive chemische und biologische Wechselwirkungen.
Haben Cannabiswurzeln ein Mikrobiom?
Ja. Verschiedene Bakterien und Pilze leben an, um und teilweise innerhalb von Cannabiswurzeln.
Haben Cannabiswurzeln THC?
Cannabinoide werden in Cannabiswurzeln typischerweise nicht oder nur in geringen Spuren nachgewiesen. Die hohen Cannabinoidkonzentrationen weiblicher Blüten entstehen vor allem in Verbindung mit glandulären Trichomen.
Enthalten Cannabiswurzeln CBD?
Auch CBD beziehungsweise seine Vorstufen sind nicht charakteristische Hauptbestandteile der Wurzel. Die Wurzel besitzt ein anderes phytochemisches Profil.
Welche Stoffe stecken in Cannabiswurzeln?
Beschrieben wurden unter anderem Triterpene, Phytosterole, Alkaloide und phenolische Verbindungen. Bekannt sind insbesondere Friedelin und Epifriedelanol.
Werden Cannabiswurzeln medizinisch verwendet?
Cannabiswurzeln besitzen eine historische Anwendungsgeschichte. Moderne klinische Belege für eine therapeutische Wirksamkeit beim Menschen sind jedoch bislang sehr begrenzt.
Können Cannabiswurzeln Schadstoffe aufnehmen?
Cannabis beziehungsweise Nutzhanf wird hinsichtlich Phytoremediation erforscht. Welche Stoffe aufgenommen werden, hängt jedoch stark von Umwelt, Schadstoff und Genetik ab.
Sind größere Wurzeln immer besser?
Nein. Entscheidend ist die funktionelle Anpassung des Wurzelsystems an Pflanze und Umwelt, nicht allein seine maximale Größe.
Kann man am Wurzelsystem die Sorte erkennen?
Nicht zuverlässig. Zwar existieren genetische Unterschiede bei Wurzelmerkmalen, die äußere Wurzelform reicht jedoch nicht zur sicheren Bestimmung eines Kultivars aus.
Quellen & weiterführende Informationen
Diversity of root system architecture and root-shoot biomass allocation in industrial hemp (Cannabis sativa L.)
Aktuelle Untersuchung von 46 Nutzhanfgenotypen, die erhebliche genetische Unterschiede bei der Wurzelarchitektur zeigt.
Back to the roots: Cannabis sativa L. root metabolism, microbiomes, and biotechnological potential
Aktuelle Review zu Wurzelstoffwechsel, Rhizosphärenmikrobiom und biotechnologischer Bedeutung von Cannabiswurzeln.
Phytochemistry, bioactivity, and medicinal use of Cannabis sativa roots: a comprehensive review
Aktuelle Übersicht zur chemischen Zusammensetzung von Cannabiswurzeln sowie zum Stand der präklinischen Forschung.
Cannabis Roots: Therapeutic, Biotechnological and Environmental Aspects
Review zu Inhaltsstoffen, historischer Verwendung, Mikrobiom und Phytoremediation.
Deciphering the Phytochemical Potential of Hemp Hairy Roots
Forschung zu Cannabisinen, Triterpenen und biotechnologischen Wurzelkulturen.
Hinweis
Dieser Artikel dient der botanischen und wissenschaftlichen Information über die Wurzeln von Cannabis sativa L. Historische oder präklinische Untersuchungen von Cannabiswurzeln stellen keinen Nachweis einer medizinischen Wirksamkeit beim Menschen dar.