Die Genetik einer Cannabispflanze bestimmt ihr biologisches Potenzial – beispielsweise für Wuchsform, Blütezeit und Cannabinoidproduktion. Welche Eigenschaften tatsächlich sichtbar oder messbar werden, hängt jedoch zusätzlich von Entwicklung und Umwelt ab. Deshalb sind Genotyp, Phänotyp und Chemotyp drei unterschiedliche Begriffe.
Vereinfacht:
Genotyp → genetische Ausstattung
Phänotyp → tatsächlich ausgeprägte Merkmale
Chemotyp → charakteristisches chemisches Profil
Diese Unterscheidung ist besonders wichtig, wenn Cannabissorten wissenschaftlich eingeordnet oder miteinander verglichen werden sollen.
Was bedeutet Cannabisgenetik?
Unter Cannabisgenetik versteht man die Gesamtheit der erblichen Informationen einer Cannabispflanze.
Diese Informationen liegen hauptsächlich in Form von:
DNA – Desoxyribonukleinsäure
vor.
Bestimmte Abschnitte der DNA werden als:
Gene
bezeichnet.
Gene enthalten Informationen, die unter anderem beeinflussen können:
- Pflanzenhöhe
- Blattmorphologie
- Blütezeit
- Geschlechtsentwicklung
- Cannabinoidbiosynthese
- Terpenbiosynthese
- Pigmentierung
- Pflanzenarchitektur
- Reaktion auf Umweltbedingungen
Dabei besitzt nicht jedes einzelne Merkmal „ein einziges Cannabisgen“.
Viele Eigenschaften entstehen durch das Zusammenspiel zahlreicher Gene.
Was ist ein Genotyp?
Der Genotyp beschreibt die genetische Ausstattung einer Pflanze.
Zwei Pflanzen können äußerlich ähnlich aussehen und trotzdem genetische Unterschiede besitzen.
Umgekehrt können Pflanzen mit sehr ähnlicher beziehungsweise identischer Genetik unter unterschiedlichen Bedingungen verschieden aussehen.
Der Genotyp bestimmt deshalb nicht vollständig das sichtbare Erscheinungsbild.
Er legt vielmehr einen biologischen:
Möglichkeitsrahmen
fest.
Was ist ein Phänotyp?
Der Phänotyp umfasst die tatsächlich beobachtbaren oder messbaren Eigenschaften einer Pflanze.
Dazu gehören beispielsweise:
- Höhe
- Blattbreite
- Farbe
- Verzweigung
- Blütenstruktur
- Blütezeit
- Biomasse
- Cannabinoidkonzentrationen
- Terpenprofil
Der Phänotyp entsteht durch das Zusammenspiel von:
Genotyp + Umwelt + Entwicklung
In der Pflanzenwissenschaft spricht man häufig von:
Genotyp × Umwelt
beziehungsweise:
G × E
Genotyp und Phänotyp: Was ist der Unterschied?
Ein einfaches Beispiel:
Eine Cannabispflanze besitzt genetisch das Potenzial, violette Pigmente zu bilden.
Ob diese Pigmentierung tatsächlich stark sichtbar wird, kann zusätzlich von:
- Entwicklungsstadium
- Temperatur
- Licht
- weiteren Umweltbedingungen
abhängen.
Die genetische Anlage gehört zum:
Genotyp.
Die tatsächlich sichtbare violette Färbung gehört zum:
Phänotyp.
Interner Link: Was sind Flavonoide bei Cannabis?
Sind zwei Pflanzen derselben Sorte genetisch identisch?
Nicht unbedingt.
Werden Pflanzen aus Samen erzeugt, entstehen durch sexuelle Fortpflanzung neue genetische Kombinationen.
Zwei Samen aus derselben Kreuzung können daher Geschwister sein, ohne genetisch identisch zu sein.
Sie können beispielsweise Unterschiede entwickeln bei:
- Pflanzenhöhe
- Blattstruktur
- Aroma
- Blütezeit
- THC-Gehalt
- CBD-Gehalt
- Terpenprofil
Je stärker eine Pflanzenlinie genetisch stabilisiert wurde, desto gleichmäßiger können bestimmte Merkmale auftreten.
Vollständig identisch sind unterschiedliche Samenpflanzen deshalb trotzdem normalerweise nicht.
Cannabissamen: Aufbau, Keimung und Genetik einfach erklärt
Was ist ein Klon?
Ein Klon entsteht durch vegetative Vermehrung einer Ausgangspflanze.
Dadurch besitzt der Klon grundsätzlich denselben Genotyp wie die Mutterpflanze.
Vereinfacht:
Samen → neue genetische Kombination
Klon → genetische Kopie
Trotzdem müssen zwei Klone nicht exakt gleich aussehen oder exakt dasselbe chemische Profil entwickeln.
Der Grund:
Auch bei gleichem Genotyp können Umwelt und Entwicklung den Phänotyp beeinflussen.
Können genetisch identische Pflanzen unterschiedlich aussehen?
Ja.
Dieses Phänomen wird als:
phänotypische Plastizität
bezeichnet.
Eine Pflanze kann ihre Entwicklung teilweise an ihre Umgebung anpassen.
Beeinflusst werden können beispielsweise:
- Pflanzenhöhe
- Blattgröße
- Wurzelentwicklung
- Biomasse
- Stoffwechsel
- Blüte
- sekundäre Pflanzenstoffe
Der genetische Code bleibt dabei grundsätzlich derselbe.
Die Ausprägung bestimmter Eigenschaften verändert sich.
Was bedeutet Phänotyp im Cannabisbereich?
Im kommerziellen Cannabisbereich wird das Wort Phänotyp häufig etwas lockerer verwendet.
Beispielsweise heißt es:
„Phänotyp 1 riecht fruchtiger.“
„Phänotyp 2 wächst kompakter.“
„Phänotyp 3 enthält mehr THC.“
Gemeint sind meist unterschiedliche Pflanzen aus derselben genetischen Kreuzung, die unterschiedliche Merkmale zeigen.
Wissenschaftlich beschreibt der Phänotyp jedoch grundsätzlich alle tatsächlich ausgeprägten Merkmale einer Pflanze.
Was ist ein Chemotyp?
Ein Chemotyp klassifiziert eine Pflanze anhand bestimmter charakteristischer chemischer Merkmale.
Bei Cannabis wird der Begriff besonders häufig anhand des Verhältnisses beziehungsweise der Dominanz bestimmter Cannabinoide verwendet.
Klassisch stehen dabei vor allem:
- THCA beziehungsweise THC
- CBDA beziehungsweise CBD
im Mittelpunkt.
Neuere Modelle berücksichtigen zusätzlich beispielsweise:
- CBGA beziehungsweise CBG
Die genetische Grundlage dieser chemischen Unterschiede wird inzwischen sehr detailliert untersucht. Aktuelle Genomforschung zeigt unter anderem, dass Variationen in Genregionen rund um THCAS und CBDAS wesentlich zur Cannabinoidzusammensetzung beitragen.
Welche Cannabis-Chemotypen gibt es?
Eine häufig verwendete Einteilung unterscheidet fünf grundlegende Cannabinoid-Chemotypen.
Typ I – THC-dominant
Diese Pflanzen produzieren überwiegend:
THCA
und daraus nach Decarboxylierung THC.
CBD beziehungsweise CBDA tritt im Verhältnis deutlich zurück.
Typ II – THC/CBD-Mischtyp
Diese Pflanzen produzieren relevante Mengen von:
- THCA
- CBDA
Das Verhältnis kann ungefähr ausgeglichen sein.
Typ III – CBD-dominant
Diese Pflanzen produzieren überwiegend:
CBDA beziehungsweise CBD
und vergleichsweise wenig THC beziehungsweise THCA.
Typ IV – CBG-dominant
Hier steht:
CBGA beziehungsweise CBG
stärker im Vordergrund.
Typ V – cannabinoidarm
Bei diesen Pflanzen werden nur sehr geringe Mengen der typischen Cannabinoide gebildet.
Diese Fünf-Typen-Einteilung wird weiterhin in aktuellen Cannabisübersichten verwendet.
Ist ein Chemotyp dasselbe wie eine Sorte?
Nein.
Eine Sorte beziehungsweise ein Kultivar bezeichnet eine bestimmte Pflanzenlinie.
Ein Chemotyp beschreibt dagegen eine chemische Kategorie.
Mehrere verschiedene Sorten können deshalb zum selben Chemotyp gehören.
Beispielsweise können zahlreiche genetisch unterschiedliche Kultivare:
THC-dominant
sein.
Sie gehören dann chemisch zum gleichen grundlegenden Chemotyp, können sich aber trotzdem unterscheiden bei:
- Terpenen
- Minor Cannabinoids
- Wuchs
- Aroma
- Blütezeit
- Genetik
Ist Chemotyp dasselbe wie Chemovar?
Die Begriffe werden häufig miteinander vermischt.
Chemotyp
Beschreibt grundsätzlich eine chemisch charakterisierte Form innerhalb einer Art.
Chemovar
Bedeutet sinngemäß:
chemische Varietät.
Im Cannabisbereich wird „Chemovar“ häufig verwendet, um eine Pflanze oder ein Produkt anhand eines umfassenderen chemischen Profils zu beschreiben.
Dabei können neben THC und CBD auch berücksichtigt werden:
- CBG
- CBC
- weitere Cannabinoide
- Terpene
In der wissenschaftlichen Literatur werden die Begriffe jedoch nicht immer vollkommen einheitlich verwendet.
Eine aktuelle allgemeine Untersuchung des Chemotyp-Begriffs betont ebenfalls, dass Chemotypen immer anhand klar definierter chemischer Kriterien und Messmethoden beschrieben werden sollten.
Was ist ein Cannabinoidprofil?
Das Cannabinoidprofil beschreibt, welche Cannabinoide in einer Probe nachgewiesen werden und in welchen Konzentrationen.
Ein Labor könnte beispielsweise messen:
- THCA
- THC
- CBDA
- CBD
- CBGA
- CBG
- CBCA
- CBC
- CBNA
- CBN
Das Profil ist deutlich informativer als nur eine Aussage wie:
„enthält THC“.
Was ist ein Terpenprofil?
Das Terpenprofil beschreibt die Zusammensetzung flüchtiger Terpene einer Cannabisprobe.
Beispiele sind:
- Myrcen
- Limonen
- α-Pinen
- β-Pinen
- Linalool
- β-Caryophyllen
- Humulen
- Terpinolen
Zwei Cannabisproben mit ähnlichem THC-Gehalt können trotzdem völlig unterschiedliche Terpenprofile besitzen.
Was sind Terpene bei Cannabis?
Ist das Terpenprofil genetisch bestimmt?
Die Genetik besitzt einen erheblichen Einfluss.
Cannabis besitzt verschiedene Gene für sogenannte:
Terpensynthasen.
Diese Enzyme sind an der Produktion verschiedener Terpene beteiligt.
Unterschiedliche genetische Varianten können daher unterschiedliche Terpenprofile begünstigen.
Das endgültige Profil kann jedoch zusätzlich beeinflusst werden durch:
- Entwicklungsstadium
- Pflanzengewebe
- Umwelt
- Alterung
- Lagerung
Auch hier gilt:
Genetik bestimmt das Potenzial – Umwelt und Entwicklung beeinflussen die tatsächliche Ausprägung.
Welche Gene bestimmen THC und CBD?
Besonders wichtig sind Gene, die Enzyme für die Cannabinoidbiosynthese codieren.
Dazu gehören:
THCAS
Tetrahydrocannabinolsäure-Synthase
Das Enzym ist an der Bildung von:
THCA
aus CBGA beteiligt.
CBDAS
Cannabidiolsäure-Synthase
Dieses Enzym ist an der Bildung von:
CBDA
aus CBGA beteiligt.
CBCAS
Cannabichromensäure-Synthase
Dieses Enzym kann an der Bildung von:
CBCA
beteiligt sein.
Aktuelle genetische Untersuchungen zeigen, dass diese Synthase-Gene in strukturell komplexen Bereichen des Cannabisgenoms liegen und unter anderem:
- Duplikationen
- Deletionen
- Kopienzahlvariationen
- strukturelle Unterschiede
aufweisen können.
Was ist CBGA?
CBGA – Cannabigerolsäure ist ein wichtiger Ausgangspunkt der Cannabinoidbiosynthese.
Aus CBGA können spezialisierte Enzyme unter anderem bilden:
THCAS → THCA
CBDAS → CBDA
CBCAS → CBCA
Deshalb hängt das spätere Cannabinoidprofil stark davon ab, welche Synthase-Enzyme genetisch vorhanden und funktionell aktiv sind.
Ist THC im Gen gespeichert?
Nein – nicht als fertiger Stoff.
Die DNA enthält kein THC.
Sie enthält genetische Informationen für Proteine und Regulationsmechanismen, die beeinflussen, ob und wie bestimmte Stoffwechselwege funktionieren.
Vereinfacht:
DNA → Enzyme → Biosynthese → Cannabinoide
Der Genotyp beeinflusst deshalb die Fähigkeit einer Pflanze, bestimmte Cannabinoide zu produzieren.
Der tatsächliche THC-Gehalt entsteht erst durch die Pflanzenentwicklung und den Stoffwechsel.
Kann ein Gentest vorhersagen, ob eine Pflanze THC- oder CBD-dominant wird?
Bis zu einem gewissen Grad:
Ja.
Genetische Marker im Bereich der THCAS- und CBDAS-Gene können Hinweise darauf geben, zu welchem grundlegenden Chemotyp eine Pflanze gehört.
Eine aktuelle Untersuchung konnte anhand solcher genetischen Marker THC-dominante, gemischte und CBD-dominante Pflanzen klassifizieren und mit chemischen Analysen vergleichen.
Das bedeutet aber nicht, dass ein einfacher Gentest den späteren exakten Wert wie:
„23,7 % THC“
zuverlässig vorhersagen kann.
Warum lässt sich der exakte THC-Gehalt nicht nur aus der Genetik bestimmen?
Der tatsächliche Cannabinoidgehalt wird durch mehrere Faktoren beeinflusst.
Dazu gehören:
- Genotyp
- Genexpression
- Entwicklungsstadium
- Pflanzenteil
- Trichomentwicklung
- Umwelt
- Pflanzenalter
- Verarbeitung
Die Genetik ist daher sehr wichtig, aber nicht der einzige Faktor.
Aktuelle Reviews beschreiben die Cannabinoidbildung ausdrücklich als Zusammenspiel genetischer, regulatorischer, entwicklungsabhängiger und umweltabhängiger Faktoren.
Was bedeutet Genexpression?
Nicht jedes Gen ist jederzeit gleich aktiv.
Unter:
Genexpression
versteht man vereinfacht, dass genetische Information genutzt wird, um beispielsweise:
- RNA
- Proteine
- Enzyme
herzustellen.
Eine Pflanze kann ein bestimmtes Gen besitzen, ohne dass es in jedem Gewebe oder Entwicklungsstadium gleich stark aktiv ist.
Das ist besonders wichtig bei Cannabis.
Viele Gene der Cannabinoidbiosynthese sind stark mit der Entwicklung glandulärer:
Trichome
verbunden.
Interner Link: Was sind Trichome bei Cannabis?
Warum enthalten Blüten mehr Cannabinoide als Wurzeln?
Die DNA verschiedener Zellen derselben Pflanze ist grundsätzlich sehr ähnlich.
Trotzdem erfüllen Blütenzellen andere Funktionen als Wurzelzellen.
Der Unterschied entsteht unter anderem durch:
unterschiedliche Genexpression.
Weibliche Cannabisblüten entwickeln viele glanduläre Trichome.
Dort sind bestimmte Biosynthesewege besonders aktiv.
Wurzeln besitzen diese cannabinoidreichen Drüsenstrukturen dagegen nicht in vergleichbarer Form.
Deshalb können zwei Gewebe derselben genetischen Pflanze chemisch vollkommen unterschiedlich sein.
Was ist ein Allel?
Ein Allel ist eine Variante eines Gens beziehungsweise eines bestimmten genetischen Bereichs.
Pflanzen können unterschiedliche Allele besitzen.
Vereinfacht:
Ein Genort kann von der Mutterpflanze eine Variante und von der Pollenquelle eine andere Variante erhalten.
Diese Kombination kann beeinflussen, welche Eigenschaft ausgeprägt wird.
Was bedeutet homozygot?
Homozygot bedeutet:
Eine Pflanze besitzt an einem bestimmten Genort zwei gleiche Allele.
Vereinfacht:
AA
oder:
aa
Was bedeutet heterozygot?
Heterozygot bedeutet:
Eine Pflanze besitzt zwei unterschiedliche Varianten.
Beispielsweise:
Aa
Heterozygosität ist ein wichtiger Bestandteil genetischer Vielfalt.
Cannabis besitzt aufgrund seiner Fortpflanzungsbiologie und Züchtungsgeschichte eine erhebliche genetische Diversität.
Warum unterscheiden sich Geschwisterpflanzen?
Bei der Bildung von Samen werden Gene neu kombiniert.
Dabei sorgen unter anderem:
- Meiose
- Rekombination
- zufällige Verteilung der Chromosomen
dafür, dass jeder Samen eine etwas andere genetische Kombination erhalten kann.
Deshalb können Geschwister deutlich unterschiedliche Phänotypen entwickeln.
Das erklärt, warum mehrere Pflanzen derselben Kreuzung beispielsweise unterschiedlich:
- hoch wachsen
- riechen
- aussehen
- blühen
können.
Was bedeutet Selektion bei Cannabis?
Selektion bedeutet, Pflanzen mit gewünschten Eigenschaften auszuwählen und für weitere Züchtung zu nutzen.
Solche Merkmale können beispielsweise sein:
- Pflanzenstruktur
- Blütezeit
- Faserqualität
- Samenproduktion
- Cannabinoidprofil
- Terpenprofil
Über mehrere Generationen können bestimmte Merkmale dadurch häufiger und genetisch stabiler werden.
Was bedeutet Stabilisierung einer Cannabisgenetik?
Eine genetische Linie gilt im kommerziellen Sprachgebrauch häufig als „stabil“, wenn bestimmte gewünschte Merkmale relativ gleichmäßig über Generationen auftreten.
Eine absolut genetisch identische Samenpopulation entsteht dadurch jedoch nicht automatisch.
Stabilität kann unterschiedliche Eigenschaften betreffen, beispielsweise:
- Blütezeit
- Pflanzenhöhe
- Cannabinoidverhältnis
- Farbe
- Aroma
Der Begriff sollte deshalb immer konkretisiert werden.
Was ist ein F1-Hybrid?
Ein F1-Hybrid ist die erste Nachkommengeneration aus der Kreuzung zweier Elternlinien.
Vereinfacht:
Elternlinie A × Elternlinie B → F1
In der klassischen Pflanzenzüchtung können gezielt entwickelte, genetisch relativ einheitliche Elternlinien verwendet werden.
Dadurch können F1-Nachkommen bestimmte Eigenschaften besonders gleichmäßig zeigen.
Im Cannabisbereich wird „F1“ jedoch teilweise auch kommerziell verwendet, ohne dass die Elternlinien denselben Grad genetischer Stabilisierung besitzen wie bei klassischen landwirtschaftlichen Hybridprogrammen.
Interner Link: Cannabissamen
Was bedeutet F2?
Werden F1-Pflanzen miteinander weitergekreuzt, entsteht eine:
F2-Generation.
In dieser Generation können sich Eigenschaften stärker aufspalten.
Einige Nachkommen ähneln stärker einem Elternteil, andere zeigen neue Kombinationen.
Dieses Prinzip wird:
Segregation
genannt.
Für Pflanzenzüchter kann gerade diese Vielfalt interessant sein, weil daraus neue Merkmalskombinationen ausgewählt werden können.
Was bedeutet Genotyp × Umwelt bei Cannabis?
Die Abkürzung:
G × E
steht für:
Genotype by Environment Interaction – Genotyp-Umwelt-Interaktion.
Das bedeutet:
Verschiedene Genotypen können unterschiedlich auf dieselbe Umwelt reagieren.
Ein Beispiel:
Genotyp A und Genotyp B werden unter zwei verschiedenen Umweltbedingungen untersucht.
Genotyp A verändert seine Pflanzenhöhe kaum.
Genotyp B wächst unter einer der Bedingungen deutlich niedriger.
Damit reagieren die Genotypen unterschiedlich auf die Umwelt.
Solche Genotyp-Umwelt-Wechselwirkungen wurden auch für Cannabis untersucht.
Kann die Umwelt die Cannabisgenetik verändern?
Die Umwelt verändert nicht einfach beliebig die DNA-Sequenz einer Pflanze.
Sie kann aber beeinflussen:
- Genexpression
- Stoffwechsel
- Wachstum
- Phänotyp
Zusätzlich können Pflanzen über längere evolutionäre Zeiträume durch:
- Mutation
- Selektion
- genetische Anpassung
verändert werden.
Für eine einzelne Pflanze ist jedoch die Aussage:
„Die Umwelt hat ihre Genetik komplett verändert“
meist falsch.
Richtiger ist:
Die Umwelt beeinflusst, wie die vorhandene Genetik ausgeprägt wird.
Was ist Epigenetik?
Epigenetik beschreibt Veränderungen der Genregulation, ohne dass die grundlegende DNA-Sequenz selbst geändert werden muss.
Dazu gehören beispielsweise:
- DNA-Methylierung
- Veränderungen an Histonen
- regulatorische RNA
Epigenetische Mechanismen können beeinflussen, welche Gene stärker oder schwächer aktiv sind.
Auch Cannabis wird zunehmend epigenetisch untersucht.
Die Forschung ist jedoch wesentlich weniger weit entwickelt als bei vielen etablierten Modellpflanzen.
Ist Sativa oder Indica eine genetische Kategorie?
Nicht zuverlässig im heutigen kommerziellen Sinn.
Moderne Sortenlabels wie:
- Sativa
- Indica
- Hybrid
bilden die tatsächliche genetische Vielfalt moderner Cannabisprodukte nur eingeschränkt ab.
Zahlreiche heutige Kultivare besitzen komplexe Kreuzungsgeschichten.
Ein konkretes genetisches und chemisches Profil liefert daher wesentlich präzisere Informationen als ein einfaches Sativa-/Indica-Label.
Interner Link: Cannabis Sativa, Indica und Ruderalis: Unterschiede einfach erklärt
Bedeutet 70 % Indica wirklich 70 % der DNA?
Normalerweise nicht.
Angaben wie:
70 % Indica / 30 % Sativa
sind meist kommerzielle oder züchterische Abstammungsangaben.
Sie sind normalerweise nicht das Ergebnis einer genomweiten Messung, die exakt 70 Prozent einer eindeutig definierten „Indica-DNA“ gefunden hat.
Gerade weil Sativa und Indica wissenschaftlich nicht als einfache moderne Genomkategorien funktionieren, sollten solche Prozentwerte vorsichtig interpretiert werden.
Für Ottlover sollten sie deshalb – wenn sie bei Sorten auftauchen – als:
Hersteller- beziehungsweise Züchterangabe
gekennzeichnet werden.
Was ist ein Cultivar?
Cultivar steht für:
cultivated variety – kultivierte Sorte.
Ein Kultivar ist eine Pflanzenlinie, die aufgrund bestimmter Merkmale ausgewählt und erhalten wurde.
Der Begriff ist botanisch meist präziser als das im Cannabisbereich häufig verwendete:
Strain.
Was bedeutet Strain bei Cannabis?
„Strain“ ist im Cannabisbereich ein sehr verbreiteter Begriff für eine Sorte beziehungsweise genetische Linie.
Botanisch ist die Bezeichnung jedoch weniger präzise.
In wissenschaftlichen Texten finden sich häufiger:
- Cultivar
- Genotype
- Chemotype
- Chemovar
- Accession
- Population
Für ein Verbraucherportal kann „Cannabissorte“ trotzdem der verständlichste Begriff bleiben.
Ist ein Sortenname ein genetischer Beweis?
Nein.
Ein Name wie:
„XYZ Kush“
oder:
„ABC Haze“
belegt allein keine eindeutig definierte Genetik.
Bei Cannabis kann es vorkommen, dass:
- verschiedene Züchter denselben Namen verwenden
- genetisch unterschiedliche Linien ähnlich heißen
- identische beziehungsweise verwandte Genetiken unterschiedliche Namen tragen
Deshalb ist ein Sortenname keine DNA-Analyse.
Können zwei gleich benannte Cannabissorten unterschiedlich sein?
Ja.
Zwei Proben mit demselben Sortennamen können Unterschiede zeigen hinsichtlich:
- Genetik
- THC
- CBD
- Terpenen
- Minor Cannabinoids
Gerade bei nicht standardisierten Märkten ist das ein bekanntes Problem.
Eine konkrete Chargenanalyse ist deshalb informativer als der Name allein.
Können zwei verschiedene Sorten genetisch sehr ähnlich sein?
Auch das ist möglich.
Durch:
- gemeinsame Elternlinien
- Weiterzüchtung
- Umbenennung
- umfangreiche Hybridisierung
können unterschiedlich benannte Cannabislinien genetisch eng miteinander verwandt sein.
Das zeigt erneut:
Sortenname ≠ genetischer Fingerabdruck
Was ist wichtiger: Genetik oder Laboranalyse?
Das hängt von der Frage ab.
Für Abstammung und Verwandtschaft
ist eine genetische Untersuchung relevant.
Für die tatsächliche chemische Zusammensetzung
ist eine Laboranalyse des konkreten Pflanzenmaterials entscheidend.
Für sichtbare Eigenschaften
wird der tatsächliche Phänotyp untersucht.
Keine dieser Methoden ersetzt vollständig die anderen.
Optimal ist eine Kombination aus:
Genetik + Phänotyp + Chemie
Warum ist das für einen Cannabis-Sortenindex wichtig?
Ein wissenschaftlich sauberer Sortenindex sollte verschiedene Datenebenen trennen.
Sortenname
Wie wird die Cannabislinie bezeichnet?
Züchter beziehungsweise Hersteller
Von wem stammen die Angaben?
Abstammung
Welche Elternlinien werden angegeben?
Genetikangabe
Beispielsweise Sativa/Indica-Prozentwerte – klar als Züchterangabe kennzeichnen.
Cannabinoidprofil
Welche Werte wurden tatsächlich gemessen?
Terpenprofil
Welche Terpene wurden in einer konkreten Analyse nachgewiesen?
Charge
Auf welche konkrete Produktion beziehen sich Laborwerte?
Damit lässt sich vermeiden, dass unterschiedliche Informationsarten miteinander vermischt werden.
Warum kann Ottlover nicht einfach einen festen THC-Wert pro Sorte angeben?
Weil ein Sortenname allein keinen unveränderlichen THC-Wert besitzt.
Unterschiede können entstehen durch:
- verschiedene Genotypen
- unterschiedliche Phänotypen
- Produktionsbedingungen
- Pflanzenentwicklung
- Chargen
- Messmethoden
Wenn ein Samenhersteller beispielsweise schreibt:
„bis zu 25 % THC“
ist das eine:
Herstellerangabe beziehungsweise Züchterangabe.
Sie darf nicht automatisch als unabhängig bestätigter THC-Wert jeder Pflanze dieser Sorte dargestellt werden.
Gilt dasselbe für Terpenprofile?
Ja.
Ein Hersteller kann beispielsweise angeben:
„Myrcen-dominant“.
Das bedeutet nicht automatisch, dass jede spätere Pflanze beziehungsweise jede Charge exakt dieses Profil aufweist.
Ein belastbares Terpenprofil benötigt:
eine chemische Analyse der konkreten Probe.
Gilt dasselbe für medizinisches Cannabis?
Auch dort ist die konkrete Produkt- beziehungsweise Chargeninformation entscheidend.
Bei standardisierten medizinischen Produkten können die Schwankungen stärker kontrolliert sein als bei unstandardisierten Cannabisprodukten.
Trotzdem sollte ein Portal klar unterscheiden zwischen:
- allgemeiner Sortenbeschreibung
- Herstellerangabe
- dokumentierter Laboranalyse
- konkreter Charge
Gerade bei medizinischen Inhalten ist diese Transparenz wichtig.
Genotyp, Phänotyp und Chemotyp im direkten Vergleich
| Begriff | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Genotyp | genetische Ausstattung | THCAS-/CBDAS-Varianten |
| Phänotyp | tatsächlich ausgeprägte Merkmale | Pflanzenhöhe, Farbe, Blütenstruktur |
| Chemotyp | chemische Klassifikation | THC-dominant |
| Cannabinoidprofil | gemessene Cannabinoidzusammensetzung | THCA, CBDA, CBGA usw. |
| Terpenprofil | gemessene Terpenzusammensetzung | Myrcen, Limonen, Caryophyllen |
| Cultivar | kultivierte Pflanzenlinie | bestimmte Cannabissorte |
| Chemovar | chemisch charakterisierte Variante | umfassenderes chemisches Profil |
Cannabisgenetik: Das Wichtigste zusammengefasst
Die Genetik bestimmt das biologische Potenzial einer Cannabispflanze, aber der tatsächlich sichtbare und messbare Zustand entsteht durch das Zusammenspiel von Genotyp, Entwicklung und Umwelt.
Die wichtigsten Fakten:
- Die Erbinformation von Cannabis liegt in der DNA.
- Der Genotyp beschreibt die genetische Ausstattung.
- Der Phänotyp beschreibt tatsächlich ausgeprägte Eigenschaften.
- Phänotypen werden durch Genetik und Umwelt beeinflusst.
- Dieses Zusammenspiel wird als Genotyp-Umwelt-Interaktion bezeichnet.
- Zwei Pflanzen aus unterschiedlichen Samen sind normalerweise nicht genetisch identisch.
- Geschwister können deshalb unterschiedliche Phänotypen entwickeln.
- Klone besitzen grundsätzlich denselben Genotyp wie die Ausgangspflanze.
- Auch Klone können durch Umweltunterschiede verschiedene Phänotypen zeigen.
- Chemotypen klassifizieren Cannabis anhand chemischer Merkmale.
- Typ I ist typischerweise THC-dominant.
- Typ II enthält relevante Mengen THC und CBD.
- Typ III ist CBD-dominant.
- Typ IV ist CBG-dominant.
- Typ V bildet nur geringe Mengen klassischer Cannabinoide.
- THCAS und CBDAS sind wichtige Gene der Cannabinoidbiosynthese.
- Diese Gene beeinflussen wesentlich, ob eine Pflanze THC- oder CBD-dominant wird.
- Genetik allein bestimmt aber nicht den exakten späteren THC-Prozentwert.
- Genexpression, Entwicklung, Trichome und Umwelt spielen ebenfalls eine Rolle.
- Ein Cannabinoidprofil ist eine chemische Messung einer konkreten Probe.
- Ein Terpenprofil beschreibt deren Terpenzusammensetzung.
- Sortenname, Genotyp und Chemotyp sind nicht dasselbe.
- Kommerzielle Sativa-/Indica-Prozentwerte sind normalerweise keine exakten Genomwerte.
- Sortennamen garantieren keine genetische oder chemische Identität.
- Für die genaue Charakterisierung sind Genetik, Phänotyp und Laboranalyse gemeinsam am aussagekräftigsten.
- THC- und Terpenangaben von Samenherstellern sollten als Hersteller- beziehungsweise Züchterangaben gekennzeichnet werden.
- Eine konkrete Laboranalyse sollte klar von allgemeinen Sortenangaben getrennt werden.
Für die wissenschaftliche Einordnung von Cannabis ist daher die Frage:
„Welche Genetik besitzt diese Sorte?“
nur ein Teil des Gesamtbildes.
Ebenso wichtig sind:
„Welche Eigenschaften zeigt die Pflanze tatsächlich?“
und:
„Was wurde in der konkreten Probe chemisch gemessen?“
Häufige Fragen zur Cannabisgenetik
Was ist ein Genotyp bei Cannabis?
Der Genotyp beschreibt die genetische Ausstattung einer Cannabispflanze.
Was ist ein Phänotyp?
Der Phänotyp umfasst die tatsächlich ausgeprägten Merkmale einer Pflanze, beispielsweise Wuchs, Farbe, Blütenstruktur oder chemische Eigenschaften.
Was ist der Unterschied zwischen Genotyp und Phänotyp?
Der Genotyp ist die genetische Grundlage. Der Phänotyp entsteht aus dem Zusammenspiel dieser Genetik mit Umwelt und Entwicklung.
Was ist ein Chemotyp bei Cannabis?
Ein Chemotyp klassifiziert Cannabis anhand bestimmter chemischer Merkmale, häufig anhand der Dominanz von THC, CBD oder CBG.
Welche Cannabis-Chemotypen gibt es?
Häufig werden fünf Grundtypen unterschieden: THC-dominant, THC/CBD-Mischtyp, CBD-dominant, CBG-dominant und cannabinoidarm.
Was bedeutet Chemovar?
Chemovar bezeichnet eine chemisch charakterisierte Variante. Im Cannabisbereich können dafür Cannabinoide und Terpene gemeinsam betrachtet werden.
Sind Pflanzen aus derselben Samenpackung genetisch identisch?
Nein. Bei sexueller Fortpflanzung entstehen normalerweise unterschiedliche genetische Kombinationen.
Sind Klone genetisch identisch?
Klone besitzen grundsätzlich denselben Genotyp wie ihre Ausgangspflanze. Ihre tatsächliche Ausprägung kann sich durch Umweltbedingungen trotzdem unterscheiden.
Welche Gene bestimmen THC und CBD?
Besonders wichtig sind die Genregionen für THCA-Synthase und CBDA-Synthase. Weitere Gene und regulatorische Prozesse beeinflussen die Cannabinoidbiosynthese ebenfalls.
Kann man den THC-Gehalt anhand der DNA exakt vorhersagen?
Nein. Genetische Marker können den grundlegenden Chemotyp anzeigen, aber der genaue THC-Gehalt wird zusätzlich durch Entwicklung, Genexpression, Umwelt und weitere Faktoren beeinflusst.
Ist Sativa oder Indica eine genetische Kategorie?
Moderne kommerzielle Sativa-/Indica-Labels bilden die tatsächliche genetische Vielfalt nur eingeschränkt ab.
Bedeutet 80 % Indica, dass 80 % der DNA Indica sind?
Nein. Solche Prozentwerte sind normalerweise Züchter- beziehungsweise Marketingangaben und keine exakt genomisch bestimmten Werte.
Ist der Sortenname ein genetischer Nachweis?
Nein. Ein Sortenname allein beweist keine eindeutige genetische Identität.
Warum können zwei Pflanzen derselben Sorte unterschiedlich viel THC haben?
Genetische Unterschiede, Umwelt, Entwicklungsstadium, Pflanzengewebe und weitere Faktoren können das tatsächliche Cannabinoidprofil beeinflussen.
Was ist für einen Sortenvergleich am aussagekräftigsten?
Eine Kombination aus dokumentierter Genetik beziehungsweise Herkunft, konkretem Cannabinoidprofil, Terpenprofil und nachvollziehbarer Laboranalyse.
Quellen & weiterführende Informationen
Genetic Advances in Cannabis sativa L.: A Review of Recent Progress and Future Directions
Aktuelle Review zu Cannabisgenomik, Cannabinoidbiosynthese, THCAS, CBDAS und genetischer Vielfalt.
The Structure of the Chemotype Determining Locus in Cannabis sativa
Aktuelle Untersuchung der genetischen Region, die wesentlich mit THC- und CBD-Chemotypen verbunden ist.
Rapid Specific PCR Detection Based on THCAS and CBDAS for the Prediction of Cannabis sativa Chemotypes
Studie zum Zusammenhang zwischen genetischen THCAS-/CBDAS-Markern und chemisch bestimmten Cannabis-Chemotypen.
Cultivar-dependent phenotypic and chemotypic responses of drug-type Cannabis sativa L.
Untersuchung, die zeigt, dass genetischer Hintergrund, Phänotyp und chemische Merkmale differenziert betrachtet werden müssen.
Cannabis sativa: From Plants to Humans
Übersicht zur Cannabisbiologie und zur verbreiteten Einteilung in mehrere Cannabinoid-Chemotypen.
Hinweis
Dieser Artikel dient der botanischen und wissenschaftlichen Information über Cannabisgenetik. Angaben zu Genetik, Sorten oder Chemotypen erlauben keine zuverlässige Vorhersage der individuellen Wirkung eines Cannabisprodukts.