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Cannabissamen: Aufbau, Keimung und Genetik einfach erklärt

Cannabissamen enthalten den Embryo einer neuen Cannabispflanze und damit eine neue genetische Kombination ihrer Eltern. Botanisch betrachtet ist das, was gewöhnlich als Cannabissamen bezeichnet wird, sogar etwas genauer eine kleine einsamige Frucht, in deren Innerem sich der eigentliche Samen befindet.

Cannabissamen spielen eine zentrale Rolle bei:

  • Fortpflanzung
  • genetischer Vielfalt
  • Pflanzenzüchtung
  • Erhaltung verschiedener Cannabislinien

Dabei gibt es zahlreiche Begriffe wie:

  • reguläre Samen
  • feminisierte Samen
  • Autoflower-Samen
  • F1-Hybride

Diese Bezeichnungen beschreiben jedoch unterschiedliche Eigenschaften und sollten nicht miteinander verwechselt werden.

Was ist ein Cannabissamen?

Ein Cannabissamen entsteht nach erfolgreicher Bestäubung und Befruchtung einer weiblichen Cannabisblüte.

Er enthält einen pflanzlichen Embryo, aus dem sich eine neue Cannabispflanze entwickeln kann.

Der Embryo besitzt bereits grundlegende Strukturen wie:

  • Keimwurzel
  • embryonalen Spross
  • Keimblätter

Zusätzlich enthält der Samen Nährstoffreserven, die die junge Pflanze während der ersten Entwicklungsphase versorgen.

Lebenszyklus der Cannabispflanze

Ist ein Cannabissamen botanisch wirklich ein Samen?

Im alltäglichen Sprachgebrauch: ja.

Botanisch ist die Sache etwas genauer.

Das sichtbare Gebilde, das üblicherweise als „Hanfsamen“ oder „Cannabissamen“ bezeichnet wird, ist eine:

Achäne beziehungsweise einsamige Schließfrucht.

Das bedeutet:

Die eigentliche Samenschale beziehungsweise der Samen befindet sich innerhalb einer dünnen Fruchtwand.

Diese äußere Schicht wird:

Perikarp

genannt.

Vereinfacht:

äußere Fruchtwand → eigentlicher Samen → Embryo

Im normalen Sprachgebrauch ist die Bezeichnung Cannabissamen dennoch völlig üblich.

Wie ist ein Cannabissamen aufgebaut?

Ein reifer Cannabissamen beziehungsweise die ihn umgebende Frucht besteht aus mehreren Bereichen.

Fruchtwand

Die äußere Schicht schützt das Innere.

Sie wird botanisch als:

Perikarp

bezeichnet.

Samenschale

Innerhalb der Frucht schützt die Samenschale den Embryo.

Embryo

Der Embryo ist die bereits angelegte junge Pflanze.

Keimblätter

Cannabis besitzt zwei sogenannte:

Kotyledonen

beziehungsweise Keimblätter.

Deshalb gehört Cannabis zu den zweikeimblättrigen Blütenpflanzen beziehungsweise den Eudikotylen.

Keimwurzel

Die embryonale Wurzel wird:

Radicula

genannt.

Sie entwickelt sich während der Keimung zum Ausgangspunkt des Wurzelsystems.

Was befindet sich im Cannabissamen?

Ein Cannabissamen enthält nicht einfach nur einen „Pflanzenkern“.

In seinem Inneren befinden sich:

  • Embryo
  • Keimblätter
  • Proteine
  • Fette
  • Kohlenhydrate
  • Mineralstoffe
  • weitere Pflanzenstoffe

Besonders Hanfsamen sind wegen ihres hohen Gehalts an:

  • Öl
  • Protein
  • mehrfach ungesättigten Fettsäuren

auch als Lebensmittel bekannt.

Das ist jedoch eine andere Nutzung als die Vermehrung der Cannabispflanze.

Enthalten Cannabissamen THC?

Cannabissamen enthalten natürlicherweise kein relevantes THC als eigenen Samenbestandteil.

Der Grund:

Die für die Cannabinoidproduktion besonders wichtigen glandulären Trichome fehlen auf den Samen.

THC beziehungsweise THCA wird vor allem in cannabinoidreichen Drüsenhaaren anderer Pflanzenteile gebildet – insbesondere im Bereich weiblicher Blüten.

Werden bei Lebensmitteln aus Hanfsamen dennoch Cannabinoide gemessen, können diese beispielsweise durch Kontakt mit cannabinoidhaltigen Pflanzenteilen während:

  • Ernte
  • Verarbeitung
  • Transport

auf die Samen gelangt sein.

Es handelt sich dann um eine Kontamination und nicht darum, dass der Samen selbst größere Mengen THC produziert.

Interner Link: Was sind Trichome bei Cannabis?

Was ist THC?

Machen Hanfsamen high?

Nein.

Normale Hanfsamen besitzen keine mit Cannabisblüten vergleichbare psychoaktive Wirkung.

Insbesondere fehlt ihnen die für einen THC-reichen Cannabisrausch notwendige Konzentration an:

Delta-9-THC.

Das gilt auch für handelsübliche Hanfsamen, wie sie beispielsweise als Lebensmittel angeboten werden.

Bei verarbeiteten Hanflebensmitteln können zwar geringe Verunreinigungen mit Cannabinoiden auftreten, diese entstehen jedoch nicht durch eine natürliche THC-Produktion des Samens selbst.

Wie entsteht ein Cannabissamen?

Für die natürliche Samenbildung sind mehrere Schritte notwendig.

Vereinfacht:

männliche Blüte

Pollen

Stigma einer weiblichen Blüte

Bestäubung

Befruchtung

Samenentwicklung

Männliche Cannabispflanzen produzieren Pollen.

Dieser kann durch Wind verbreitet werden.

Trifft ein geeigneter Pollen auf die Narbe beziehungsweise das Stigma einer weiblichen Blüte, kann ein Pollenschlauch entstehen.

Dadurch gelangt die männliche genetische Information zur weiblichen Eizelle.

Nach erfolgreicher Befruchtung beginnt die Entwicklung des Samens.

Männliche und weibliche Cannabispflanzen

Was passiert genetisch bei der Befruchtung?

Bei sexueller Fortpflanzung erhält der Embryo genetisches Material von beiden Eltern.

Vereinfacht:

50 % genetische Information der Mutterpflanze

50 % genetische Information der Pollenquelle

=

neuer Genotyp

Dabei werden die Chromosomen neu kombiniert.

Deshalb ist ein aus Samen entstandener Nachkomme normalerweise keine genetisch identische Kopie seiner Eltern.

Geschwisterpflanzen aus denselben Eltern können sich daher ebenfalls voneinander unterscheiden.

Sind zwei Cannabispflanzen aus derselben Samenpackung genetisch identisch?

In der Regel:

Nein.

Bei sexueller Fortpflanzung entstehen genetisch unterschiedliche Nachkommen.

Selbst wenn mehrere Samen aus derselben Kreuzung stammen, können sie unterschiedliche Kombinationen der elterlichen Gene tragen.

Dadurch können sich die späteren Pflanzen beispielsweise unterscheiden in:

  • Wuchshöhe
  • Blattstruktur
  • Blütezeit
  • Cannabinoidprofil
  • Terpenprofil
  • Pflanzenfarbe
  • Widerstandsfähigkeit
  • Geschlechtsausprägung

Je stabiler eine Pflanzenlinie gezüchtet wurde, desto ähnlicher können bestimmte Merkmale auftreten.

Genetisch identisch sind Samenpflanzen deshalb trotzdem normalerweise nicht.

Was ist ein Genotyp?

Der Genotyp beschreibt die genetische Ausstattung einer Pflanze.

Er umfasst die Information in ihrer DNA.

Der Genotyp beeinflusst unter anderem das Potenzial für:

  • Wuchsform
  • Pflanzenhöhe
  • Cannabinoidproduktion
  • Terpenproduktion
  • Blütezeit
  • Pigmentierung
  • weitere Eigenschaften

Der Genotyp legt jedoch nicht jedes sichtbare Merkmal vollständig fest.

Was ist ein Phänotyp?

Der Phänotyp beschreibt die tatsächlich ausgeprägten Eigenschaften einer Pflanze.

Er entsteht durch das Zusammenspiel aus:

Genetik + Umwelt

Beispielsweise kann dieselbe genetische Anlage unter unterschiedlichen Umweltbedingungen unterschiedlich stark ausgeprägt werden.

Deshalb gilt:

Genotyp ≠ automatisch vollständig vorhersehbarer Phänotyp

Dieses Prinzip ist für das Verständnis von Cannabis-Sorten besonders wichtig.

Was bedeutet Phänotyp bei Cannabissorten?

Im Cannabisbereich wird häufig von unterschiedlichen:

Phänotypen

einer Sorte gesprochen.

Damit sind Pflanzen gemeint, die aus einer gemeinsamen genetischen Linie stammen, aber unterschiedliche sichtbare oder chemische Eigenschaften zeigen.

Beispielsweise können Geschwisterpflanzen Unterschiede zeigen bei:

  • Aroma
  • Pflanzenhöhe
  • Farbe
  • Blütenstruktur
  • Cannabinoidprofil

Das ist bei sexueller Fortpflanzung grundsätzlich normal.

Was ist der Unterschied zwischen Samen und Klon?

Eine Pflanze aus einem Samen entsteht durch:

sexuelle Fortpflanzung.

Sie besitzt eine neue genetische Kombination.

Ein Klon entsteht dagegen durch:

vegetative Vermehrung.

Dabei wird Pflanzenmaterial einer bestehenden Pflanze weitervermehrt.

Der Klon besitzt grundsätzlich denselben Genotyp wie die Ausgangspflanze.

Vereinfacht:

Samen → neue genetische Kombination

Klon → genetische Kopie einer Ausgangspflanze

Umwelt und Entwicklungsbedingungen können trotzdem dazu führen, dass selbst genetisch identische Pflanzen nicht vollkommen gleich aussehen.

Was sind reguläre Cannabissamen?

Der Begriff:

reguläre Samen

ist keine botanische Kategorie, sondern vor allem eine kommerzielle Bezeichnung.

Damit sind normalerweise Samen gemeint, bei denen die Nachkommen sowohl:

  • männliche
  • als auch weibliche

Pflanzen hervorbringen können.

Bei zweihäusigem Cannabis besitzen weibliche Pflanzen typischerweise:

XX

und männliche Pflanzen:

XY

als Geschlechtschromosomen.

Reguläre Samen enthalten daher nicht automatisch nur ein bestimmtes Pflanzengeschlecht.

Sind bei regulären Samen genau 50 % männlich und 50 % weiblich?

Statistisch kann bei einer klassischen XX × XY-Kreuzung grundsätzlich ein Verhältnis von ungefähr:

1 : 1

erwartet werden.

Bei einer kleinen Anzahl einzelner Samen muss das tatsächliche Ergebnis jedoch nicht exakt 50 zu 50 betragen.

Zufällige genetische Verteilung sowie biologische Faktoren können dazu führen, dass eine einzelne Samenpopulation davon abweicht.

Deshalb bedeutet:

„regulär“ nicht „jede Packung enthält exakt zur Hälfte männliche und weibliche Pflanzen“.

Kann man am Samen erkennen, ob er männlich oder weiblich ist?

Nein.

An äußerlichen Merkmalen eines Samens kann das spätere Geschlecht der Cannabispflanze nicht zuverlässig erkannt werden.

Nicht aussagekräftig sind beispielsweise Behauptungen über:

  • runde oder längliche Form
  • Größe
  • dunkle oder helle Färbung
  • Streifen
  • Muster
  • Position einer Vertiefung

Solche Methoden sind wissenschaftlich nicht geeignet, das Geschlecht zuverlässig vorherzusagen.

Eine sichere frühe Geschlechtsbestimmung kann dagegen über molekulargenetische Marker erfolgen.

Männliche und weibliche Cannabispflanzen

Was sind feminisierte Cannabissamen?

Feminisierte Samen sind Samen, die gezielt so erzeugt wurden, dass daraus überwiegend beziehungsweise nahezu ausschließlich genetisch weibliche Pflanzen entstehen.

Bei zweihäusigem Cannabis sind weibliche Pflanzen typischerweise:

XX

Wird Pollen verwendet, dessen genetisches Material ebenfalls ausschließlich ein X-Chromosom trägt, entstehen Nachkommen ohne Y-Chromosom.

Vereinfacht:

X + X → XX

Dadurch entstehen genetisch weibliche Nachkommen.

Die Pflanzenbiologie bleibt dennoch komplex, da die sichtbare Geschlechtsausprägung zusätzlich durch:

  • Genetik
  • Hormone
  • Entwicklungsprozesse
  • Umwelt

beeinflusst werden kann.

Sind feminisierte Samen zu 100 Prozent weiblich?

Kommerzielle feminisierte Samen sind darauf ausgerichtet, sehr überwiegend weibliche Pflanzen hervorzubringen.

Eine absolute biologische Garantie für jede einzelne Pflanze ist jedoch eine zu starke Formulierung.

Cannabis besitzt eine ausgeprägte:

sexuelle Plastizität.

Auch genetisch weibliche Pflanzen können unter bestimmten Umständen männliche Blütenmerkmale ausbilden.

Deshalb sollten:

genetisches Geschlecht

und:

sichtbare Blütenausprägung

nicht vollständig gleichgesetzt werden.

Sind feminisierte Samen genetisch verändert?

Nicht automatisch.

„Feminisiert“ bedeutet nicht dasselbe wie:

gentechnisch verändert.

Die klassische Erzeugung feminisierter Samen beruht auf der Nutzung der natürlichen Geschlechtsbiologie und hormonellen Regulation von Cannabis.

Dabei wird nicht zwingend DNA mit gentechnischen Verfahren verändert.

Deshalb gilt:

feminisiert ≠ gentechnisch verändert

Was sind Autoflower-Samen?

Autoflowering beschreibt eine Eigenschaft der Blütenentwicklung.

Bei entsprechenden Cannabislinien ist der Übergang zur Blüte weniger stark von der Veränderung der Tageslänge abhängig.

Stattdessen spielt die:

Entwicklungsreife beziehungsweise das Pflanzenalter

eine stärkere Rolle.

Autoflowering ist damit eine andere Eigenschaft als das Pflanzengeschlecht.

Sind Autoflower-Samen automatisch feminisiert?

Nein.

Diese beiden Begriffe beschreiben unterschiedliche Merkmale.

Autoflowering

beschreibt:

Blühverhalten

Feminisiert

beschreibt:

erwartetes genetisches Geschlecht der Nachkommen

Deshalb kann es theoretisch geben:

  • reguläre Autoflower-Samen
  • feminisierte Autoflower-Samen

Die Begriffe dürfen nicht gleichgesetzt werden.

Lebenszyklus der Cannabispflanze

Was hat Ruderalis mit Autoflower-Samen zu tun?

Autoflowering-Eigenschaften werden historisch häufig mit Cannabisformen in Verbindung gebracht, die als:

Cannabis ruderalis

bezeichnet wurden.

Diese Populationen entwickelten sich teilweise in Regionen mit:

  • kurzen Sommern
  • stark saisonalen Bedingungen

und zeigten eine weniger ausgeprägte Abhängigkeit der Blütenentwicklung von kurzen Tageslängen.

Solche genetischen Eigenschaften wurden später in andere Cannabislinien eingekreuzt.

Die moderne genetische Grundlage von Autoflowering ist jedoch komplexer als die einfache Aussage:

„Autoflower = Ruderalis.“

Interner Link: Cannabis Sativa, Indica und Ruderalis

Was sind F1-Cannabissamen?

F1 steht für:

erste Filialgeneration

beziehungsweise erste Nachkommengeneration einer gezielten Kreuzung zweier Elternlinien.

Vereinfacht:

Elternlinie A × Elternlinie B = F1

Bei professioneller Pflanzenzüchtung können genetisch definierte Elternlinien verwendet werden, um möglichst gleichmäßige F1-Nachkommen zu erzeugen.

F1-Hybride werden in der Landwirtschaft bei zahlreichen Pflanzenarten eingesetzt.

Sind alle als F1 bezeichneten Samen automatisch genetisch gleich?

Nicht unbedingt.

Ein echter, züchterisch definierter F1-Hybrid entsteht aus kontrolliert entwickelten Elternlinien.

Im kommerziellen Cannabisbereich wird die Bezeichnung:

F1

allerdings nicht immer einheitlich verwendet.

Eine einfache Kreuzung zweier beliebiger heterozygoter Cannabislinien erzeugt zwar formal eine erste Nachkommengeneration, diese muss aber nicht dieselbe genetische Uniformität besitzen wie ein klassischer landwirtschaftlicher F1-Hybrid.

Deshalb sollte „F1“ nicht automatisch als Qualitätsgarantie verstanden werden.

Was bedeutet F2?

Werden Mitglieder einer F1-Generation miteinander gekreuzt beziehungsweise bestimmte F1-Pflanzen weitervermehrt, kann eine:

F2-Generation

entstehen.

In dieser Generation können sich genetische Eigenschaften stärker aufspalten.

Dadurch können unterschiedliche Merkmalskombinationen sichtbar werden.

Dieses Prinzip der:

genetischen Segregation

gehört zu den Grundlagen der klassischen Pflanzenzüchtung.

Was bedeutet homozygot und heterozygot?

Für jedes Gen beziehungsweise viele Genorte besitzt eine diploide Cannabispflanze zwei Varianten.

Diese Varianten werden:

Allele

genannt.

Homozygot

Beide Allele sind identisch.

Heterozygot

Die beiden Allele unterscheiden sich.

Eine hohe Heterozygosität kann zu größerer genetischer Vielfalt innerhalb einer Linie beitragen.

Gezielte Pflanzenzüchtung versucht je nach Ziel bestimmte Merkmale:

  • zu stabilisieren
  • zu kombinieren
  • vorhersehbarer zu machen

Was bedeutet Hybrid bei Cannabissamen?

Ein Hybrid entsteht durch die Kreuzung genetisch unterschiedlicher Eltern.

Im Cannabisbereich wird der Begriff häufig sehr breit verwendet.

Er kann beispielsweise Kreuzungen zwischen:

  • verschiedenen Kultivaren
  • unterschiedlichen Populationen
  • verschiedenen Zuchtlinien

bezeichnen.

Die beliebten Angaben:

70 % Indica / 30 % Sativa

oder ähnliche Prozentwerte sollten jedoch nicht automatisch als präzise genomische Messwerte verstanden werden.

Cannabis Sativa, Indica und Ruderalis

Kann ein Samen das THC-Potenzial bestimmen?

Die Genetik eines Samens beeinflusst wesentlich, welches Cannabinoidprofil eine spätere Pflanze entwickeln kann.

Ein Samen trägt beispielsweise Gene für Enzyme, die an der Cannabinoid-Biosynthese beteiligt sind.

Dazu gehören unter anderem Enzyme zur Bildung von:

  • THCA
  • CBDA
  • CBCA

Die genetische Ausstattung kann daher beeinflussen, ob eine Pflanze tendenziell:

  • THC-dominant
  • CBD-dominant
  • gemischt

wird.

Der tatsächliche gemessene Cannabinoidgehalt hängt jedoch zusätzlich von weiteren Faktoren ab.

Ist der THC-Gehalt bereits im Samen gespeichert?

Nein.

Ein Samen enthält nicht einfach einen späteren THC-Prozentwert.

Die Gene bestimmen vielmehr das biologische Potenzial der Pflanze.

Der tatsächlich entwickelte Cannabinoidgehalt hängt beispielsweise zusammen mit:

  • Genetik
  • Pflanzenentwicklung
  • Gewebe
  • Umweltbedingungen
  • Reifegrad

Deshalb ist eine Angabe wie:

„Dieser Samen hat 25 % THC“

botanisch ungenau.

Gemeint ist normalerweise:

Eine daraus entstehende genetische Linie kann unter bestimmten Bedingungen Pflanzen hervorbringen, deren Blüten entsprechende THC-Werte erreichen können.

Sind THC-Angaben bei Samen Herstellerangaben?

Bei Samenangeboten angegebene THC-Prozentwerte beziehen sich normalerweise auf die erwarteten beziehungsweise vom Züchter beschriebenen Eigenschaften der späteren Pflanzen und nicht auf den Samen selbst.

Für den späteren Ottlover-Sortenindex ist deshalb eine saubere Kennzeichnung wichtig:

THC-Gehalt laut Züchter/Hersteller

ist nicht dasselbe wie:

unabhängig gemessener Laborwert der konkreten Pflanze oder Charge.

Solche Angaben sollten transparent voneinander getrennt werden.

Bestimmt der Samen auch das Terpenprofil?

Die genetische Ausstattung beeinflusst auch, welche Enzyme zur Terpenbiosynthese gebildet werden.

Damit besitzt die Genetik einen wesentlichen Einfluss auf mögliche Terpenprofile.

Trotzdem können selbst verwandte Pflanzen Unterschiede zeigen.

Das Terpenprofil kann beeinflusst werden durch:

  • genetische Kombination
  • Entwicklungsstadium
  • Umwelt
  • Alterung
  • Pflanzengewebe

Deshalb besitzt nicht jede Pflanze aus einer Samenlinie automatisch ein völlig identisches Aroma.

Was sind Terpene bei Cannabis?

Bestimmt ein Samen die Pflanzenfarbe?

Auch Farbmerkmale können genetisch beeinflusst werden.

Beispielsweise spielen Gene der:

Anthocyan-Biosynthese

eine Rolle dabei, ob bestimmte Cannabislinien violette oder rote Pigmente bilden können.

Die tatsächliche Farbausprägung kann zusätzlich von:

  • Entwicklungsstadium
  • Umwelt
  • Pflanzengewebe

beeinflusst werden.

Auch hier gilt:

Genetik bestimmt das Potenzial – die Umwelt beeinflusst die Ausprägung.

Interner Link: Was sind Flavonoide bei Cannabis?

Wie keimt ein Cannabissamen biologisch?

Die Keimung beginnt, wenn ein lebensfähiger Samen aus seinem Ruhezustand in eine aktive Entwicklungsphase übergeht.

Ein zentraler erster Prozess ist:

Wasseraufnahme beziehungsweise Imbibition.

Der Samen nimmt Wasser auf.

Dadurch werden:

  • Enzyme aktiviert
  • Stoffwechselprozesse hochgefahren
  • gespeicherte Reserven mobilisiert

Der Embryo beginnt weiterzuwachsen.

Was erscheint bei der Keimung zuerst?

Typischerweise tritt zunächst die:

Radicula beziehungsweise Keimwurzel

aus dem Samen aus.

Sie entwickelt sich später zum Wurzelsystem.

Anschließend wächst der embryonale Spross weiter.

Die Keimblätter werden sichtbar und können sich entfalten.

Vereinfacht:

Samen

Wasseraufnahme

Keimwurzel

Spross

Keimblätter

erste echte Laubblätter

Dieser Ablauf beschreibt die Pflanzenbiologie und keine konkrete Anbauanleitung.

Was sind die ersten Blätter einer Cannabispflanze?

Die zuerst sichtbaren Blattstrukturen sind:

Kotyledonen beziehungsweise Keimblätter.

Sie sind meist relativ einfach geformt.

Danach entstehen die ersten:

echten Laubblätter.

Diese besitzen zunächst häufig weniger Blattfinger als die später typischen Cannabisblätter.

Mit zunehmender Entwicklung werden die Blätter komplexer.

Interner Link: Aufbau der Cannabispflanze

Warum keimt nicht jeder Cannabissamen?

Nicht jeder Samen ist lebensfähig.

Die Keimfähigkeit kann beispielsweise beeinflusst werden durch:

  • Entwicklungsreife des Samens
  • Alter
  • genetische Faktoren
  • mechanische Schäden
  • Krankheitserreger
  • vorherige Umweltbedingungen

Auch ein äußerlich normal aussehender Samen muss deshalb nicht zwingend einen lebensfähigen Embryo enthalten.

Kann man die Keimfähigkeit am Aussehen erkennen?

Nur sehr eingeschränkt.

Ein beschädigter oder offensichtlich unreifer Samen kann Hinweise auf geringe Qualität geben.

Eine zuverlässige Aussage:

„Dieser Samen wird definitiv keimen“

ist anhand des äußeren Erscheinungsbildes allein jedoch nicht möglich.

Ebenso sind Internetregeln wie:

  • dunkler Samen = immer gut
  • heller Samen = immer schlecht
  • starke Streifen = besonders potent

wissenschaftlich nicht zuverlässig.

Sagen Streifen auf einem Cannabissamen etwas über THC aus?

Nein.

Die typische:

  • marmorierte
  • gestreifte
  • gesprenkelte

Oberfläche mancher Cannabissamen erlaubt keine zuverlässige Aussage über den späteren THC-Gehalt.

Die äußere Samenzeichnung ist kein chemischer THC-Test.

Ebenso wenig lässt sich daraus zuverlässig ableiten:

  • Geschlecht
  • Wirkung
  • Sorte
  • Potenz

Kann man eine Cannabissorte am Samen erkennen?

Nicht zuverlässig.

Viele Cannabissamen sehen sich äußerlich sehr ähnlich.

Auch Fachpersonen können anhand des äußeren Erscheinungsbildes normalerweise nicht sicher bestimmen, ob ein Samen beispielsweise zu:

  • Sorte A
  • Sorte B
  • einem THC-dominanten Kultivar
  • einem CBD-dominanten Kultivar

gehört.

Für eine sichere Zuordnung wären beispielsweise:

  • dokumentierte Herkunft
  • genetische Analysen
  • Pflanzenentwicklung

wesentlich aussagekräftiger.

Hanfsamen und Cannabissamen: Was ist der Unterschied?

Botanisch stammen beide von:

Cannabis sativa L.

Der Unterschied entsteht vor allem durch:

  • genetische Linie
  • Verwendung
  • Züchtungsziel
  • rechtliche beziehungsweise kommerzielle Einordnung

Nutzhanfsorten wurden beispielsweise traditionell stärker für:

  • Fasern
  • Samen
  • Öl
  • Lebensmittel

selektiert.

Andere Cannabislinien wurden stärker hinsichtlich cannabinoidreicher Blüten selektiert.

Der Begriff „Hanfsamen“ beschreibt daher nicht automatisch eine grundsätzlich andere Pflanzenart.

Können Hanfsamen zu Cannabispflanzen werden?

Ein keimfähiger Samen von Cannabis sativa L. kann grundsätzlich eine Cannabispflanze hervorbringen.

Welche Eigenschaften diese besitzt, hängt von ihrer Genetik ab.

Eine Nutzhanflinie bleibt genetisch jedoch eine Nutzhanflinie und verwandelt sich nicht allein durch Keimung in eine THC-reiche Sorte.

Das Cannabinoidprofil wird wesentlich durch genetische Eigenschaften bestimmt.

Warum sind Samen für die genetische Vielfalt wichtig?

Sexuelle Fortpflanzung erzeugt neue Kombinationen vorhandener Gene.

Dadurch entsteht:

genetische Vielfalt.

Diese Vielfalt ermöglicht Populationen langfristig:

  • Anpassung
  • Evolution
  • Reaktion auf Umweltveränderungen

Für Züchter bedeutet sie gleichzeitig:

Aus einer Nachkommenschaft können Pflanzen mit unterschiedlichen Eigenschaften ausgewählt werden.

Samen sind deshalb ein zentraler Motor der genetischen Diversität von Cannabis.

Warum sind alte Cannabisgenetiken wichtig?

Historische Populationen und sogenannte Landraces können genetische Merkmale enthalten, die für:

  • Pflanzenforschung
  • Züchtung
  • Krankheitsresistenz
  • Blüteverhalten
  • Cannabinoidprofile
  • Anpassungsfähigkeit

interessant sind.

Geht eine solche genetische Linie dauerhaft verloren, können bestimmte Allele ebenfalls verloren gehen.

Aus diesem Grund spielt die Erhaltung genetischer Ressourcen auch bei Cannabis eine zunehmend wichtige Rolle.

Cannabissamen: Das Wichtigste zusammengefasst

Cannabissamen enthalten den Embryo einer neuen Pflanze und verbinden Fortpflanzung, Genetik und Entwicklung der Cannabispflanze.

Die wichtigsten Fakten:

  • Botanisch ist der sogenannte Cannabissamen Teil einer einsamigen Frucht.
  • Im Inneren befindet sich der eigentliche Samen mit Pflanzenembryo.
  • Cannabis besitzt zwei Keimblätter.
  • Bei der Keimung tritt typischerweise zuerst die Keimwurzel aus.
  • Eine Samenpflanze entsteht durch sexuelle Fortpflanzung.
  • Sie besitzt eine neue genetische Kombination.
  • Geschwisterpflanzen sind deshalb normalerweise nicht genetisch identisch.
  • Ein Klon besitzt dagegen grundsätzlich denselben Genotyp wie seine Mutterpflanze.
  • Reguläre Samen können männliche und weibliche Nachkommen hervorbringen.
  • Weibliche Pflanzen sind bei zweihäusigem Cannabis typischerweise XX.
  • Männliche Pflanzen sind typischerweise XY.
  • Das spätere Geschlecht lässt sich nicht zuverlässig an Form oder Muster eines Samens erkennen.
  • Feminisierte Samen sind auf genetisch weibliche Nachkommen ausgerichtet.
  • Feminisiert bedeutet nicht gentechnisch verändert.
  • Autoflowering beschreibt das Blühverhalten und nicht das Pflanzengeschlecht.
  • Autoflower-Samen können daher unabhängig davon regulär oder feminisiert sein.
  • F1 bezeichnet die erste Generation einer Kreuzung.
  • Nicht jede kommerzielle F1-Bezeichnung bedeutet automatisch einen genetisch hochuniformen Hybrid.
  • Genotyp beschreibt die genetische Ausstattung.
  • Phänotyp beschreibt die tatsächlich ausgeprägten Eigenschaften.
  • Der Phänotyp entsteht aus dem Zusammenspiel von Genetik und Umwelt.
  • Ein Samen enthält keinen fest gespeicherten späteren THC-Prozentwert.
  • THC-Werte bei Samenangeboten beziehen sich auf erwartete Eigenschaften der späteren Pflanze.
  • Cannabissamen besitzen keine cannabinoidreichen glandulären Trichome.
  • THC-Funde auf Hanfsamen können durch Kontamination mit anderen Pflanzenteilen entstehen.
  • Samen selbst verursachen keinen typischen Cannabisrausch.
  • Äußere Farbe oder Streifen erlauben keine zuverlässige Aussage über THC, Geschlecht oder Sorte.
  • Samen sind entscheidend für die genetische Vielfalt von Cannabis.

Cannabissamen sind damit weit mehr als nur der Ausgangspunkt einer neuen Pflanze: Sie sind Träger genetischer Information und Grundlage der sexuellen Fortpflanzung und Vielfalt von Cannabis sativa L.

Häufige Fragen zu Cannabissamen

Enthalten Cannabissamen THC?

Cannabissamen produzieren selbst kein relevantes THC, da ihnen die cannabinoidreichen glandulären Trichome fehlen. Nachgewiesene THC-Spuren können unter anderem durch Kontakt mit anderen Pflanzenteilen entstehen.

Machen Hanfsamen high?

Nein. Hanfsamen besitzen keine mit THC-reichen Cannabisblüten vergleichbare psychoaktive Wirkung.

Kann man an einem Cannabissamen das Geschlecht erkennen?

Nein. Form, Farbe oder Muster erlauben keine zuverlässige Unterscheidung zwischen später männlichen und weiblichen Pflanzen.

Was sind reguläre Cannabissamen?

Als regulär werden meist Samen bezeichnet, aus denen sowohl männliche als auch weibliche Pflanzen hervorgehen können.

Was sind feminisierte Cannabissamen?

Feminisierte Samen werden so erzeugt, dass die Nachkommen überwiegend beziehungsweise nahezu ausschließlich genetisch weiblich sind.

Sind feminisierte Samen gentechnisch verändert?

Nicht automatisch. Die klassische Feminisierung nutzt die Geschlechtsbiologie von Cannabis und ist nicht gleichbedeutend mit gentechnischer Veränderung.

Was bedeutet Autoflower?

Autoflowering bezeichnet eine Genetik, deren Blütenentwicklung weniger stark von der Tageslänge abhängt und stärker entwicklungs- beziehungsweise altersabhängig ist.

Sind Autoflower-Samen immer weiblich?

Nein. Autoflowering und Feminisierung beschreiben unterschiedliche Eigenschaften.

Was bedeutet F1 bei Cannabissamen?

F1 bezeichnet die erste Nachkommengeneration einer Kreuzung zweier Elternlinien.

Sind Pflanzen aus Samen genetisch identisch?

Nein. Bei sexueller Fortpflanzung entstehen normalerweise unterschiedliche genetische Kombinationen.

Was ist der Unterschied zwischen Genotyp und Phänotyp?

Der Genotyp bezeichnet die genetische Ausstattung. Der Phänotyp beschreibt die tatsächlich sichtbaren beziehungsweise messbaren Merkmale, die durch Genetik und Umwelt entstehen.

Kann man den THC-Gehalt am Samen erkennen?

Nein. Aus Größe, Farbe oder Muster eines Samens lässt sich der spätere THC-Gehalt nicht bestimmen.

Hat ein Samen bereits 20 oder 25 Prozent THC?

Nein. Prozentangaben bei einer Samenlinie beziehen sich auf mögliche beziehungsweise vom Züchter angegebene Eigenschaften der späteren Blüten und nicht auf den Samen selbst.

Sind Hanf und Cannabis unterschiedliche Pflanzen?

Hanf und psychoaktiv genutztes Cannabis gehören botanisch zu Cannabis. Die Begriffe unterscheiden vor allem verschiedene genetische Linien, Nutzungsformen und rechtliche beziehungsweise kommerzielle Kategorien.

Quellen & weiterführende Informationen

Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Fragen und Antworten zu den gesundheitlichen Risiken von hanfhaltigen Lebensmitteln und Futtermitteln
Informationen zu Hanfsamen, Cannabinoiden und möglichen THC-Kontaminationen.

Nutrients and Bioactive Compounds from Cannabis sativa Seeds: A Review Focused on Omics-Based Investigations
Aktuelle wissenschaftliche Übersicht zur Zusammensetzung und Biologie von Cannabissamen.

Genetic Architecture of Flowering Time and Sex Determination in Hemp (Cannabis sativa L.)
Forschung zu X- und Y-Chromosomen sowie zur genetischen Geschlechtsbestimmung.

Challenges and Potentials of New Breeding Techniques in Cannabis sativa
Review zu Cannabisgenetik, Züchtung und molekularen Geschlechtsmarkern.

Potentials and Challenges of Genomics for Breeding Cannabis Cultivars
Übersicht zu Genetik, Kreuzung, F1-Hybriden und Cannabiszüchtung.

Hinweis

Dieser Artikel dient der botanischen und wissenschaftlichen Information über Cannabissamen, Pflanzenentwicklung und Genetik. Er stellt keine Anleitung zum Anbau oder zur Erzeugung von Cannabissamen dar.