Terpene sind flüchtige Pflanzenstoffe, die wesentlich zum Geruch und Aroma von Cannabis beitragen. Sie werden unter anderem in den glandulären Trichomen der Cannabispflanze gebildet und kommen auch in zahlreichen anderen Pflanzen vor.
Bekannte Cannabis-Terpene sind beispielsweise:
- Myrcen
- Limonen
- α-Pinen
- β-Pinen
- Linalool
- β-Caryophyllen
- Humulen
- Terpinolen
Terpene sind jedoch keine Cannabinoide.
THC, CBD oder CBG gehören zu einer anderen Stoffgruppe und besitzen andere chemische Eigenschaften.
Was sind Terpene?
Terpene sind eine große Gruppe natürlicher organischer Verbindungen, die von zahlreichen Pflanzen gebildet werden.
Sie bestehen aus sogenannten:
Isopreneinheiten
Diese besitzen jeweils fünf Kohlenstoffatome.
Je nachdem, wie viele dieser Einheiten miteinander verbunden sind, entstehen unterschiedliche Terpengruppen.
Beispiele:
- Monoterpene
- Sesquiterpene
- Diterpene
- Triterpene
- weitere Terpenklassen
Bei Cannabis stehen insbesondere:
Monoterpene und Sesquiterpene
im Mittelpunkt.
Viele dieser Stoffe sind flüchtig.
Das bedeutet:
Sie können relativ leicht in die Umgebungsluft übergehen und dadurch über den Geruchssinn wahrgenommen werden.
Wo kommen Terpene vor?
Terpene sind keineswegs einzigartig für Cannabis.
Sie kommen in sehr vielen Pflanzen vor.
Beispiele sind:
Limonen
→ unter anderem in Zitrusfrüchten
Pinen
→ unter anderem in Kiefern und anderen Nadelbäumen
Linalool
→ unter anderem in Lavendel
β-Caryophyllen
→ unter anderem in schwarzem Pfeffer und Gewürznelken
Myrcen
→ unter anderem in Hopfen
Dass dieselben Terpene in unterschiedlichen Pflanzen vorkommen, erklärt teilweise, warum bestimmte Cannabisblüten beispielsweise:
- zitrusartig
- kiefernartig
- floral
- würzig
- erdig
riechen können.
Wo entstehen Terpene bei Cannabis?
Ein bedeutender Teil der Terpene entsteht in den glandulären Trichomen der Cannabispflanze.
Das sind spezialisierte Drüsenhaare.
Besonders viele davon befinden sich auf:
- weiblichen Blüten
- Brakteen
- blütennahen kleinen Blättern
In den Trichomen werden neben Terpenen auch verschiedene Cannabinoide beziehungsweise deren Vorstufen gebildet und gespeichert.
Dadurch enthalten die harzreichen Trichomköpfe eine komplexe Mischung verschiedener Pflanzenstoffe.
Interner Link: Was sind Trichome bei Cannabis?
Warum produziert Cannabis Terpene?
Terpene werden nicht produziert, damit Cannabis für Menschen angenehm riecht.
Sie gehören zum sekundären Pflanzenstoffwechsel.
Bei Pflanzen können solche Stoffe verschiedene ökologische Funktionen erfüllen.
Untersucht beziehungsweise beschrieben werden unter anderem Funktionen bei:
- Kommunikation mit anderen Organismen
- Abwehr bestimmter Fraßfeinde
- Wechselwirkungen mit Mikroorganismen
- Reaktionen auf Umweltstress
- Schutzmechanismen
Welche Funktion ein bestimmtes Terpen bei Cannabis genau erfüllt, lässt sich jedoch nicht immer eindeutig einem einzelnen Zweck zuordnen.
Pflanzenchemie ist wesentlich komplexer als:
„Dieses Terpen existiert nur aus diesem einen Grund.“
Sind Terpene Cannabinoide?
Nein.
Terpene und Cannabinoide sind unterschiedliche Stoffgruppen.
Cannabinoide
Zu den Cannabinoiden gehören beispielsweise:
- THC
- CBD
- CBG
- CBC
- CBN
Viele dieser Stoffe sind besonders für ihre Interaktion mit biologischen Signalwegen im menschlichen Körper bekannt.
Terpene
Zu den Terpenen gehören beispielsweise:
- Myrcen
- Limonen
- Pinen
- Linalool
- β-Caryophyllen
- Humulen
Sie tragen vor allem zum flüchtigen chemischen Profil und damit wesentlich zum Aroma der Pflanze bei.
Vereinfacht:
Cannabinoide ≠ Terpene
Beide Stoffgruppen können jedoch gleichzeitig im Harz der Cannabis-Trichome vorkommen.
Welche Terpene kommen häufig in Cannabis vor?
Cannabis kann zahlreiche unterschiedliche Terpene enthalten.
Zu den häufig beschriebenen gehören:
| Terpen | Häufig beschriebener Geruch | Stoffklasse |
|---|---|---|
| Myrcen | erdig, würzig, kräuterartig | Monoterpen |
| Limonen | zitrusartig | Monoterpen |
| α-Pinen | kiefernartig, harzig | Monoterpen |
| β-Pinen | holzig, harzig | Monoterpen |
| Linalool | floral, lavendelartig | Monoterpen |
| Terpinolen | frisch, kräuterartig, teilweise floral | Monoterpen |
| β-Caryophyllen | würzig, pfeffrig | Sesquiterpen |
| α-Humulen | erdig, holzig, hopfenartig | Sesquiterpen |
Diese Beschreibungen sind lediglich Orientierungen.
Der tatsächliche Geruch einer Cannabisblüte entsteht aus einer Mischung zahlreicher flüchtiger Verbindungen.
Ein einzelnes Terpen bestimmt daher normalerweise nicht allein das gesamte Aroma.
Was ist Myrcen?
Myrcen gehört zu den häufig beschriebenen Monoterpenen von Cannabis.
Es kommt auch in anderen Pflanzen vor.
Dazu gehört beispielsweise:
Hopfen
Cannabis und Hopfen gehören beide zur Familie der:
Cannabaceae – Hanfgewächse
Myrcen wird häufig mit einem:
- erdigen
- kräuterartigen
- teilweise würzigen
Geruch beschrieben.
Im Cannabis-Marketing wird Myrcen häufig mit bestimmten körperlichen oder beruhigenden Wirkungen verbunden.
Solche pauschalen Zuordnungen gehen jedoch über die derzeit gesicherte klinische Evidenz hinaus.
Was ist Limonen?
Limonen ist ein Monoterpen mit einem häufig zitrusartigen Geruch.
Es kommt unter anderem in den Schalen verschiedener Zitrusfrüchte vor.
Auch bestimmte Cannabis-Chemovare können relevante Mengen Limonen enthalten.
Limonen wird pharmakologisch untersucht.
Es existieren außerdem erste Humanstudien zu möglichen Wechselwirkungen mit THC.
Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass jede limonenreiche Cannabisblüte automatisch eine bestimmte Wirkung hervorruft.
Was ist Pinen?
Bei Cannabis werden insbesondere zwei Formen beschrieben:
- α-Pinen
- β-Pinen
Der Name verweist auf den charakteristischen Geruch, der an:
- Kiefer
- Nadelwald
- Harz
erinnern kann.
Pinen kommt in zahlreichen Pflanzen vor.
Auch hier gibt es pharmakologische Forschung.
Die verbreitete Aussage:
„Pinen verhindert THC-bedingte Gedächtnisprobleme“
ist jedoch klinisch nicht ausreichend belegt.
Was ist Linalool?
Linalool ist ein Terpen mit häufig:
- floralem
- süßlichem
- lavendelähnlichem
Geruchsprofil.
Es kommt beispielsweise auch in Lavendel vor.
Linalool wird hinsichtlich verschiedener biologischer Wirkmechanismen untersucht.
Im Cannabisbereich wird es häufig mit:
- Entspannung
- Schlaf
- Stressreduktion
beworben.
Solche Effekte lassen sich jedoch nicht allein aus dem Linaloolgehalt einer Cannabisblüte vorhersagen.
Was ist β-Caryophyllen?
β-Caryophyllen ist ein besonders interessantes Sesquiterpen.
Es kommt unter anderem vor in:
- schwarzem Pfeffer
- Gewürznelken
- Hopfen
- Cannabis
Sein Aroma wird häufig als:
- würzig
- pfeffrig
- holzig
beschrieben.
Eine Besonderheit:
β-Caryophyllen kann mit CB2-Rezeptoren interagieren.
Damit besitzt dieses Terpen eine interessante Verbindung zum Endocannabinoid-System.
Trotzdem wird β-Caryophyllen chemisch weiterhin als Terpen beziehungsweise Terpenoid eingeordnet und nicht einfach als klassisches Phytocannabinoid.
Das Endocannabinoid-System einfach erklärt
Was ist Humulen?
α-Humulen ist ein Sesquiterpen.
Es kommt unter anderem in:
- Hopfen
- Cannabis
- verschiedenen Kräutern
vor.
Sein Geruch wird häufig als:
- erdig
- holzig
- würzig
- hopfenartig
beschrieben.
Humulen ist chemisch eng mit β-Caryophyllen verwandt und kommt in Cannabis häufig gemeinsam mit anderen Sesquiterpenen vor.
Was ist Terpinolen?
Terpinolen ist ein Monoterpen, das in manchen Cannabis-Chemovaren stärker vertreten sein kann.
Sein Aroma wird unterschiedlich beschrieben.
Beispielsweise als:
- frisch
- kräuterartig
- floral
- leicht zitrusartig
- holzig
Diese Kombination zeigt bereits:
Ein einzelnes Terpen lässt sich sensorisch nicht immer auf einen einzigen einfachen Geruchsbegriff reduzieren.
Sind Terpene für den Cannabisgeruch verantwortlich?
Ja – aber nicht allein.
Terpene tragen wesentlich zum charakteristischen Aroma von Cannabis bei.
Lange wurde der Cannabisgeruch hauptsächlich über das Terpenprofil erklärt.
Neuere Forschung zeigt jedoch, dass auch andere flüchtige Verbindungen eine wichtige Rolle spielen.
Dazu gehören unter anderem:
- schwefelhaltige Verbindungen
- Ester
- Aldehyde
- Ketone
- weitere flüchtige Pflanzenstoffe
Besonders ungewöhnliche Geruchsnoten bestimmter Cannabisblüten können teilweise stark von Stoffen beeinflusst werden, die keine Terpene sind.
Deshalb ist die Aussage:
„Der gesamte Cannabisgeruch wird ausschließlich durch Terpene bestimmt“
zu einfach.
Woher kommt der typische „Skunk“-Geruch?
Der besonders intensive, teilweise als:
- skunkartig
- schwefelig
- kraftstoffartig
beschriebene Geruch bestimmter Cannabisprodukte lässt sich nicht allein durch klassische Terpene erklären.
Moderne chemische Analysen haben verschiedene flüchtige schwefelhaltige Verbindungen identifiziert, die bereits in sehr geringen Konzentrationen einen starken Geruch erzeugen können.
Damit zeigt sich:
Das Aroma von Cannabis ist chemisch komplexer als eine einfache Liste aus Myrcen, Limonen und Pinen.
Was ist ein Terpenprofil?
Das Terpenprofil beschreibt, welche Terpene in einer Cannabisprobe vorhanden sind und in welchen Konzentrationen sie vorkommen.
Eine Laboranalyse kann beispielsweise zeigen:
- welche Terpene nachweisbar sind
- welches Terpen mengenmäßig dominiert
- wie hoch einzelne Konzentrationen sind
- wie sich verschiedene Proben unterscheiden
Ein Terpenprofil kann deshalb zur chemischen Charakterisierung einer Cannabisprobe beitragen.
Es ist jedoch nicht dasselbe wie eine vollständige Aromaanalyse.
Denn auch andere flüchtige Verbindungen beeinflussen den Geruch.
Was bedeutet „dominantes Terpen“?
Als dominantes Terpen wird meist das Terpen bezeichnet, das innerhalb einer analysierten Probe in der höchsten Konzentration nachgewiesen wurde.
Beispielsweise könnte eine Analyse ergeben:
- Myrcen
- β-Caryophyllen
- Limonen
Dann wäre Myrcen das mengenmäßig dominante der untersuchten Terpene.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch:
„Diese Sorte wirkt deshalb wie Myrcen.“
Die Wirkung eines Cannabisprodukts lässt sich nicht zuverlässig allein aus seinem dominanten Terpen ableiten.
Haben verschiedene Cannabissorten unterschiedliche Terpenprofile?
Ja.
Cannabispflanzen können sich deutlich in ihrem chemischen Profil unterscheiden.
Die Unterschiede hängen unter anderem zusammen mit:
- Genetik
- Entwicklungsstadium
- Umwelt
- Pflanzenteil
- Nacherntebehandlung
- Lagerung
Dadurch können unterschiedliche Cannabisproben verschiedene:
- Gerüche
- Aromen
- Terpenkonzentrationen
aufweisen.
Der Sortenname allein garantiert jedoch kein exakt identisches Terpenprofil.
Was beeinflusst das Terpenprofil von Cannabis?
Mehrere Faktoren können die Zusammensetzung beeinflussen.
Genetik
Die genetische Ausstattung bestimmt wesentlich, welche Enzyme eine Pflanze bildet und welche Terpene sie grundsätzlich produzieren kann.
Entwicklungsstadium
Das Terpenprofil kann sich während der Blütenentwicklung verändern.
Umwelt
Auch Umweltbedingungen können die Bildung sekundärer Pflanzenstoffe beeinflussen.
Ernte und Verarbeitung
Nach der Ernte können flüchtige Stoffe verloren gehen oder chemisch verändert werden.
Lagerung
Terpene können:
- verdampfen
- oxidieren
- sich chemisch verändern
Dadurch kann sich das Aromaprofil während längerer Lagerung verändern.
Warum gehen Terpene verloren?
Viele Terpene sind vergleichsweise flüchtig.
Das bedeutet:
Sie können bei geeigneten Bedingungen leicht aus Pflanzenmaterial entweichen.
Einfluss haben unter anderem:
- Temperatur
- Luftkontakt
- Zeit
- Licht
- Oberfläche
- Verarbeitung
Insbesondere Monoterpene können relativ leicht verloren gehen.
Deshalb muss das Terpenprofil einer frischen Pflanze nicht identisch mit dem Profil eines lange gelagerten Produkts sein.
Können Terpene oxidieren?
Ja.
Terpene können mit Sauerstoff reagieren.
Dadurch können neue chemische Verbindungen entstehen.
Dieser Vorgang kann:
- Geruch
- Geschmack
- chemische Zusammensetzung
eines Pflanzenprodukts verändern.
Das bedeutet:
Auch nach der Ernte bleibt das chemische Profil von Cannabis nicht vollständig konstant.
Sind Terpene psychoaktiv?
Terpene verursachen keinen typischen THC-Rausch.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche Terpene biologisch wirkungslos sind.
Einige Terpene besitzen pharmakologische Eigenschaften und werden wissenschaftlich untersucht.
Die Gleichsetzung:
„nicht berauschend = keine biologische Wirkung“
wäre deshalb falsch.
Ebenso problematisch wäre jedoch die Behauptung:
„Jedes Terpen besitzt bei normalen Cannabis-Konzentrationen eine klar vorhersehbare psychoaktive Wirkung.“
Dafür reicht die klinische Evidenz nicht aus.
Bestimmen Terpene die Wirkung einer Cannabissorte?
Nicht zuverlässig.
Im kommerziellen Cannabisbereich werden Terpenen häufig bestimmte Wirkungen zugeschrieben.
Beispiele sind:
Myrcen = entspannend
Limonen = aktivierend
Linalool = beruhigend
Pinen = fokussierend
Diese Zuordnungen sind als einfache Marketingkategorien beliebt.
Wissenschaftlich sind sie jedoch zu pauschal.
Die Wirkung eines Cannabisprodukts hängt unter anderem ab von:
- THC-Dosis
- CBD-Gehalt
- weiteren Cannabinoiden
- weiteren Pflanzenstoffen
- Aufnahmeform
- individueller Empfindlichkeit
- Konsumerfahrung
- psychischer Verfassung
- Umgebung
Ein einzelnes Terpen erlaubt daher keine zuverlässige Vorhersage der individuellen Wirkung.
Sind Terpene wichtiger als Sativa oder Indica?
Terpen- und Cannabinoidanalysen liefern grundsätzlich konkretere chemische Informationen als eine reine Bezeichnung als:
- Sativa
- Indica
- Hybrid
Das bedeutet jedoch nicht, dass allein das Terpenprofil die Wirkung zuverlässig vorhersagt.
Für eine wissenschaftlich sinnvollere Charakterisierung sind insbesondere interessant:
- Cannabinoidprofil
- Terpenprofil
- weitere chemische Bestandteile
- tatsächliche Laboranalyse
Eine pauschale Wirkungseinteilung nur anhand von „Sativa“ oder „Indica“ ist dagegen problematisch.
Was bedeutet Entourage-Effekt?
Der sogenannte Entourage-Effekt beschreibt die Hypothese, dass verschiedene Bestandteile von Cannabis sich gegenseitig beeinflussen könnten.
Dazu können gehören:
- THC
- CBD
- weitere Cannabinoide
- Terpene
- andere Pflanzenstoffe
Vereinfacht lautet die Idee:
Die Gesamtwirkung könnte sich von der Wirkung eines einzelnen isolierten Stoffes unterscheiden.
Biologische Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Molekülen sind grundsätzlich möglich.
Die populäre Version:
„Alle Cannabisstoffe wirken gemeinsam automatisch besser“
ist jedoch wissenschaftlich nicht belegt.
Ist der Entourage-Effekt bewiesen?
Nicht als allgemeines, zuverlässig vorhersagbares Prinzip.
Es existieren:
- Laborstudien
- Tierversuche
- einzelne Humanstudien
- pharmakologische Hinweise
zu möglichen Wechselwirkungen.
Die Ergebnisse sind jedoch nicht ausreichend, um jeder bestimmten Terpen-Cannabinoid-Kombination eine vorhersehbare medizinische Wirkung zuzuschreiben.
Aktuelle Reviews kommen deshalb weiterhin zu dem Ergebnis, dass die klinische Evidenz für einen generellen Terpen-basierten Entourage-Effekt begrenzt beziehungsweise nicht ausreichend ist.
Die Aussage:
„Vollspektrum wirkt immer besser als Einzelstoffe“
lässt sich daraus nicht ableiten.
Gibt es Humanstudien zu Terpenen und THC?
Ja, vereinzelt.
Ein interessantes Beispiel betrifft:
D-Limonen und THC
In einer kleinen kontrollierten Humanstudie wurde untersucht, ob inhaliertes D-Limonen bestimmte akute Wirkungen von THC beeinflussen kann.
Dabei wurden Hinweise gefunden, dass höhere Limonen-Dosen bestimmte durch THC ausgelöste Angstgefühle reduzieren könnten.
Solche Ergebnisse sind wissenschaftlich interessant.
Sie beweisen jedoch keinen allgemeinen Entourage-Effekt.
Die Studie zeigt vielmehr:
Bestimmte einzelne Stoffkombinationen können unter bestimmten Bedingungen gezielt untersucht werden.
Daraus kann nicht geschlossen werden, dass jede limonenreiche Cannabisblüte automatisch weniger Angst verursacht.
Haben Terpene medizinische Wirkungen?
Verschiedene Terpene werden pharmakologisch untersucht.
Forschungsbereiche umfassen beispielsweise:
- Schmerzsignalwege
- Entzündungsprozesse
- Nervensystem
- Mikroorganismen
- Stoffwechsel
Ein großer Teil dieser Forschung ist jedoch:
- präklinisch
- dosisabhängig
- nicht speziell mit Cannabisprodukten durchgeführt
Besonders wichtig:
Wenn ein isoliertes Terpen in einem Laborversuch eine Wirkung zeigt, bedeutet das nicht automatisch, dass eine Cannabisblüte mit diesem Terpen dieselbe medizinische Wirkung besitzt.
Die Konzentration und Aufnahme können völlig unterschiedlich sein.
Kann man von einem Terpen auf eine medizinische Wirkung schließen?
Nein.
Beispielsweise wäre folgende Argumentation falsch:
„Diese Blüte enthält Limonen, deshalb behandelt sie Angst.“
Oder:
„Diese Sorte enthält Myrcen, deshalb hilft sie beim Schlafen.“
Solche Aussagen überspringen mehrere wissenschaftliche Schritte.
Für eine medizinische Wirksamkeit müssten unter anderem geklärt werden:
- genaue Dosis
- Aufnahmeweg
- Bioverfügbarkeit
- Zielgruppe
- Erkrankung
- Vergleich mit Placebo
- Nebenwirkungen
- klinische Relevanz
Ein Terpenprofil ist daher zunächst eine chemische Beschreibung, kein medizinischer Wirksamkeitsnachweis.
Sind Terpene sicher?
Terpene kommen in zahlreichen Pflanzen, Lebensmitteln und Aromen vor.
Ihre Sicherheit lässt sich trotzdem nicht pauschal für jede:
- Substanz
- Konzentration
- Aufnahmeform
gleich beurteilen.
Entscheidend ist wie bei anderen Stoffen die:
Dosis.
Hochkonzentrierte isolierte Terpene sind nicht dasselbe wie geringe Mengen innerhalb einer Pflanze.
Ein natürlicher Ursprung bedeutet ebenfalls nicht automatisch:
risikofrei.
Was sind Terpenoide?
Die Begriffe:
Terpen
und:
Terpenoid
werden häufig synonym verwendet.
Chemisch gibt es jedoch einen Unterschied.
Terpene
Bestehen grundsätzlich aus Kohlenwasserstoffstrukturen, die aus Isopreneinheiten aufgebaut sind.
Terpenoide
Sind chemisch modifizierte Terpenderivate und können beispielsweise zusätzliche sauerstoffhaltige Gruppen besitzen.
Im allgemeinen Sprachgebrauch rund um Cannabis wird diese Unterscheidung jedoch häufig nicht konsequent vorgenommen.
Was ist der Unterschied zwischen Monoterpenen und Sesquiterpenen?
Die Einteilung hängt von der Zahl der Kohlenstoffatome beziehungsweise Isopreneinheiten ab.
Monoterpene
Bestehen aus zwei Isopreneinheiten und besitzen typischerweise:
10 Kohlenstoffatome
Beispiele:
- Myrcen
- Limonen
- Pinen
- Linalool
- Terpinolen
Viele Monoterpene sind relativ flüchtig.
Sesquiterpene
Bestehen aus drei Isopreneinheiten und besitzen typischerweise:
15 Kohlenstoffatome
Beispiele:
- β-Caryophyllen
- Humulen
Sie sind häufig weniger flüchtig als Monoterpene.
Wie entstehen Terpene in Cannabis?
Pflanzen besitzen verschiedene Stoffwechselwege zur Terpenbiosynthese.
Besonders relevant sind:
- MEP-Weg
- Mevalonat-Weg
Diese Stoffwechselwege erzeugen grundlegende Isoprenbausteine.
Anschließend können sogenannte:
Terpensynthasen
unterschiedliche Terpenstrukturen erzeugen.
Vereinfacht:
Grundbausteine → Terpensynthase → bestimmtes Terpen
Welche Terpensynthasen eine Cannabispflanze bildet, wird wesentlich durch ihre Genetik bestimmt.
Dadurch entstehen unterschiedliche Terpenprofile.
Haben Cannabinoide und Terpene etwas miteinander zu tun?
Ja – biochemisch gibt es Verbindungen.
Cannabinoide besitzen selbst einen terpenoiden beziehungsweise terpenophenolischen Bestandteil.
Bei der Cannabinoid-Biosynthese spielt beispielsweise:
Geranyldiphosphat
eine wichtige Rolle.
Dieses Molekül ist auch ein zentraler Ausgangsstoff der Terpenbiosynthese.
Cannabinoide und Terpene sind also unterschiedliche Stoffgruppen, besitzen innerhalb des pflanzlichen Stoffwechsels aber teilweise gemeinsame chemische Ausgangspunkte.
Warum riechen zwei Cannabisblüten unterschiedlich?
Der Geruch hängt von einer komplexen Mischung vieler flüchtiger Moleküle ab.
Dazu gehören:
- Monoterpene
- Sesquiterpene
- schwefelhaltige Verbindungen
- Ester
- Aldehyde
- Ketone
- weitere flüchtige Stoffe
Schon kleine Veränderungen einzelner sehr geruchsintensiver Moleküle können das wahrgenommene Aroma stark verändern.
Deshalb können zwei Proben mit teilweise ähnlichen Terpenprofilen trotzdem unterschiedlich riechen.
Kann man eine Cannabissorte am Geruch erkennen?
Nicht zuverlässig.
Bestimmte genetische Linien können charakteristische Aromaprofile besitzen.
Aber der Geruch wird beeinflusst durch:
- Genetik
- Pflanzenentwicklung
- Umwelt
- Trocknung
- Lagerung
- Alterung
Zusätzlich sind Sortennamen auf dem Markt nicht immer genetisch standardisiert.
Eine zuverlässige Identifikation ausschließlich anhand des Geruchs ist deshalb nicht möglich.
Was sind Terpene bei Cannabis? Das Wichtigste zusammengefasst
Terpene sind natürliche Pflanzenstoffe, die wesentlich zum Aroma von Cannabis beitragen und besonders in glandulären Trichomen gebildet werden.
Die wichtigsten Fakten:
- Terpene kommen nicht nur in Cannabis vor.
- Sie bestehen aus Isoprenbausteinen.
- Cannabis enthält vor allem verschiedene Mono- und Sesquiterpene.
- Bekannte Beispiele sind Myrcen, Limonen, Pinen, Linalool, β-Caryophyllen und Humulen.
- Terpene werden unter anderem in glandulären Trichomen produziert.
- Cannabinoide und Terpene sind unterschiedliche Stoffgruppen.
- Beide können gleichzeitig im Harz der Cannabisblüten vorkommen.
- Terpene tragen wesentlich zum Geruch und Aroma von Cannabis bei.
- Sie sind jedoch nicht allein für das gesamte Aroma verantwortlich.
- Auch schwefelhaltige Verbindungen, Ester und andere flüchtige Stoffe können eine wichtige Rolle spielen.
- Unterschiedliche Pflanzen können unterschiedliche Terpenprofile besitzen.
- Genetik beeinflusst das Terpenprofil erheblich.
- Entwicklung, Verarbeitung und Lagerung können es zusätzlich verändern.
- Viele Terpene sind flüchtig und können mit der Zeit verloren gehen.
- Ein dominantes Terpen erlaubt keine zuverlässige Vorhersage der Cannabiswirkung.
- Die einfache Zuordnung „Myrcen = müde“ oder „Limonen = aktiv“ ist wissenschaftlich zu pauschal.
- Der sogenannte Entourage-Effekt wird erforscht.
- Ein genereller therapeutischer Entourage-Effekt von Terpenen und Cannabinoiden ist bislang nicht zuverlässig bewiesen.
- Einzelne kontrollierte Humanstudien zeigen, dass bestimmte Terpene unter bestimmten Bedingungen THC-Effekte beeinflussen können.
- Daraus lassen sich jedoch keine pauschalen Wirkversprechen für Cannabisprodukte ableiten.
- Ein Terpenprofil ist vor allem eine chemische Charakterisierung einer Cannabisprobe.
Terpene erklären damit einen wichtigen Teil der chemischen und sensorischen Vielfalt der Cannabispflanze – aber weder das Aroma noch die Wirkung von Cannabis lässt sich auf ein einziges Terpen reduzieren.
Häufige Fragen zu Terpenen bei Cannabis
Was sind Terpene einfach erklärt?
Terpene sind natürliche Pflanzenstoffe, die häufig einen charakteristischen Geruch besitzen. Bei Cannabis werden viele Terpene in glandulären Trichomen produziert.
Sind Terpene Cannabinoide?
Nein. Terpene und Cannabinoide sind unterschiedliche Stoffgruppen. THC und CBD sind Cannabinoide, während beispielsweise Myrcen und Limonen Terpene sind.
Welche Terpene gibt es bei Cannabis?
Zu den häufig beschriebenen gehören Myrcen, Limonen, α-Pinen, β-Pinen, Linalool, Terpinolen, β-Caryophyllen und Humulen.
Wo entstehen Cannabis-Terpene?
Viele Cannabis-Terpene entstehen in glandulären Trichomen, insbesondere im Bereich weiblicher Blütenstände.
Sind Terpene für den Cannabisgeruch verantwortlich?
Sie tragen wesentlich zum Aroma bei. Neuere Forschung zeigt jedoch, dass auch andere flüchtige Stoffe wie Schwefelverbindungen, Ester, Aldehyde und Ketone wichtig sein können.
Macht Myrcen müde?
Myrcen wird häufig mit beruhigenden Wirkungen beworben. Die Wirkung einer Cannabisblüte lässt sich jedoch nicht zuverlässig allein aus ihrem Myrcengehalt vorhersagen.
Wirkt Limonen aktivierend?
Eine solche pauschale Wirkung ist klinisch nicht belegt. Limonen wird pharmakologisch untersucht, aber ein hoher Limonengehalt bedeutet nicht automatisch eine bestimmte Wirkung.
Macht ein Terpen high?
Terpene verursachen keinen mit THC vergleichbaren typischen Cannabisrausch.
Was ist das wichtigste Terpen bei Cannabis?
Es gibt kein allgemein wichtigstes Cannabis-Terpen. Welche Terpene dominieren, hängt vom jeweiligen chemischen Profil der Pflanze ab.
Was ist ein Terpenprofil?
Ein Terpenprofil beschreibt, welche Terpene in einer Probe nachweisbar sind und in welchen Konzentrationen sie vorkommen.
Kann man anhand der Terpene die Wirkung vorhersagen?
Nicht zuverlässig. Die Wirkung hängt von vielen weiteren Faktoren ab, insbesondere vom Cannabinoidprofil, der Dosis und der individuellen Reaktion.
Was ist der Entourage-Effekt?
Der Entourage-Effekt ist die Hypothese, dass verschiedene Cannabisbestandteile ihre Wirkungen gegenseitig beeinflussen können. Ein allgemeiner klinisch bewiesener Terpen-Cannabinoid-Entourage-Effekt ist bislang nicht etabliert.
Quellen & weiterführende Informationen
Aktuelle Review zur Phytochemie von Cannabis sativa L.
Übersicht zu Cannabinoiden, Terpenen, Flavonoiden und weiteren Pflanzenstoffen.
Cannabis Glandular Trichomes: A Cellular Metabolite Factory
Wissenschaftliche Übersicht zur Produktion von Cannabinoiden und Terpenen in glandulären Cannabis-Trichomen.
Exploring Aroma and Flavor Diversity in Cannabis sativa L.
Aktuelle Review zur chemischen Vielfalt von Terpenen und anderen flüchtigen Aromastoffen.
Minor, Nonterpenoid Volatile Compounds Drive the Aroma Differences of Exotic Cannabis
Studie zur Bedeutung nicht-terpenoider flüchtiger Verbindungen für das Cannabisaroma.
Hinweis
Dieser Artikel dient der botanischen und wissenschaftlichen Information über Terpene in Cannabis. Angaben zu einzelnen Terpenen stellen keine medizinischen Wirkversprechen dar. Die Wirkung eines Cannabisprodukts lässt sich nicht zuverlässig allein anhand seines Terpenprofils vorhersagen.