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Was sind Flavonoide bei Cannabis? Cannflavine & Pflanzenfarbstoffe erklärt

Flavonoide sind natürliche sekundäre Pflanzenstoffe, die auch in Cannabis vorkommen und unter anderem an Pflanzenfarbe, UV-Schutz und weiteren Schutzmechanismen beteiligt sein können. Zu den besonders interessanten Cannabis-Flavonoiden gehören Cannflavin A, Cannflavin B und Cannflavin C.

Neben Cannabinoiden und Terpenen bilden Flavonoide damit eine weitere wichtige Gruppe von Inhaltsstoffen der Cannabispflanze.

Zu bekannten Flavonoiden beziehungsweise Flavonoidgruppen in Cannabis gehören beispielsweise:

  • Cannflavin A
  • Cannflavin B
  • Cannflavin C
  • Apigenin
  • Luteolin
  • Quercetin
  • Kaempferol
  • Vitexin
  • Orientin
  • Anthocyane

Flavonoide sind jedoch keine Cannabinoide und keine Terpene.

Was sind Flavonoide?

Flavonoide sind eine große Gruppe pflanzlicher Polyphenole.

Sie kommen in zahlreichen Pflanzen vor und gehören zu den sogenannten:

sekundären Pflanzenstoffen.

Das bedeutet nicht, dass sie für die Pflanze unwichtig wären.

Im Gegenteil:

Flavonoide können verschiedene biologische Funktionen übernehmen.

Dazu gehören unter anderem mögliche Rollen bei:

  • UV-Schutz
  • Pflanzenfärbung
  • Reaktionen auf Umweltstress
  • Abwehrmechanismen
  • Signalprozessen innerhalb der Pflanze
  • Wechselwirkungen mit anderen Organismen

Flavonoide kommen nicht nur in Cannabis vor.

Sie finden sich beispielsweise auch in:

  • Beeren
  • Äpfeln
  • Zwiebeln
  • Tee
  • Trauben
  • Zitrusfrüchten
  • vielen Gemüsearten

Cannabis besitzt jedoch einige besonders interessante Vertreter.

Sind Flavonoide Cannabinoide?

Nein.

Cannabinoide und Flavonoide sind unterschiedliche chemische Stoffgruppen.

Cannabinoide

Bekannte Beispiele sind:

  • THC
  • CBD
  • CBG
  • CBC
  • CBN

Cannabinoide beziehungsweise ihre Vorstufen werden besonders stark mit den glandulären Trichomen der Cannabispflanze in Verbindung gebracht.

Flavonoide

Bekannte Vertreter sind:

  • Cannflavine
  • Quercetin
  • Kaempferol
  • Apigenin
  • Luteolin
  • Anthocyane

Sie gehören zu einer großen Gruppe phenolischer Pflanzenstoffe.

Vereinfacht:

THC und CBD → Cannabinoide

Myrcen und Limonen → Terpene

Cannflavine und Quercetin → Flavonoide

Was sind Cannabinoide?

Was sind Terpene bei Cannabis?

Welche Flavonoide enthält Cannabis?

In Cannabis sativa L. wurden zahlreiche unterschiedliche Flavonoide beschrieben.

Dazu gehören Vertreter verschiedener Untergruppen.

Beispiele sind:

Flavone

  • Apigenin
  • Luteolin
  • Cannflavine

Flavonole

  • Quercetin
  • Kaempferol

Flavonoid-Glykoside

  • Vitexin
  • Isovitexin
  • Orientin

Anthocyane

Anthocyane gehören ebenfalls zur größeren Flavonoidfamilie und können unter anderem für rote, violette oder bläuliche Pflanzenfarben verantwortlich sein.

Die genaue Zusammensetzung unterscheidet sich zwischen verschiedenen Cannabisproben.

Was sind Cannflavine?

Cannflavine sind spezielle prenylierte beziehungsweise geranylierte Flavone, die besonders aus der Cannabispflanze bekannt sind.

Zu den bekanntesten gehören:

  • Cannflavin A
  • Cannflavin B
  • Cannflavin C

Sie gehören zu den am intensivsten untersuchten Cannabis-Flavonoiden.

Der Name setzt sich vereinfacht zusammen aus:

Cannabis + Flavin beziehungsweise Flavonoid

Cannflavine sollten nicht mit Cannabinoiden verwechselt werden.

Cannflavin A ist beispielsweise chemisch völlig anders aufgebaut als:

  • THC
  • CBD
  • CBG

Sind Cannflavine einzigartig für Cannabis?

Häufig liest man:

„Cannflavine kommen ausschließlich in Cannabis vor.“

Das ist zu absolut.

Cannflavin A, B und C sind zwar besonders eng mit Cannabis verbunden und für die Cannabisforschung charakteristisch.

Mindestens Cannflavin A wurde jedoch auch in einer anderen Pflanzenart beschrieben.

Deshalb ist eine präzisere Formulierung:

Cannflavine sind charakteristische und vergleichsweise ungewöhnliche Flavonoide, die besonders aus Cannabis bekannt sind.

Nicht:

„Sie existieren ausschließlich in Cannabis.“

Was ist Cannflavin A?

Cannflavin A gehört zu den bekanntesten Cannflavinen.

Es handelt sich um ein sogenanntes:

prenyliertes beziehungsweise geranyliertes Flavon.

Cannflavin A wird insbesondere hinsichtlich möglicher:

  • entzündungsbezogener Signalwege
  • antioxidativer Mechanismen
  • neurologischer Prozesse
  • weiterer pharmakologischer Eigenschaften

untersucht.

Ein großer Teil dieser Forschung stammt allerdings aus:

  • Zellkulturen
  • biochemischen Untersuchungen
  • Tiermodellen
  • molekularen Modellen

Daraus lässt sich keine allgemein nachgewiesene medizinische Wirkung beim Menschen ableiten.

Was ist Cannflavin B?

Cannflavin B ist ein weiterer charakteristischer Vertreter.

Es ist strukturell eng mit Cannflavin A verwandt.

Auch Cannflavin B wurde in verschiedenen präklinischen Modellen untersucht.

Besonderes Interesse besteht unter anderem an möglichen Effekten auf:

  • Entzündungssignalwege
  • Enzyme
  • zelluläre Prozesse

Wie bei Cannflavin A gilt jedoch:

Interessante Laborergebnisse sind noch kein klinischer Wirksamkeitsnachweis.

Was ist Cannflavin C?

Cannflavin C gehört ebenfalls zur Cannflavin-Gruppe.

Es wurde später beschrieben als Cannflavin A und B und ist insgesamt deutlich weniger erforscht.

Die Datenbasis ist entsprechend kleiner.

Deshalb sollten gerade bei Cannflavin C keine weitreichenden gesundheitlichen Wirkungen behauptet werden.

Wie entstehen Cannflavine?

Flavonoide entstehen über eigene pflanzliche Stoffwechselwege.

Ausgangspunkt sind unter anderem Stoffwechselprodukte aus dem:

Phenylpropanoid-Stoffwechsel.

Für Cannflavin A und B wurde ein Biosyntheseweg beschrieben, bei dem unter anderem:

  • Luteolin
  • Chrysoeriol
  • spezialisierte Enzyme

eine Rolle spielen.

Vereinfacht:

Luteolin → Chrysoeriol → Cannflavin A beziehungsweise B

Dabei sind unter anderem Enzyme beteiligt, die Moleküle:

  • methylieren
  • prenylieren
  • geranylieren

können.

Das zeigt:

Die Cannabispflanze besitzt hoch spezialisierte biochemische Stoffwechselwege weit über die Produktion von THC und CBD hinaus.

Wo befinden sich Flavonoide in der Cannabispflanze?

Flavonoide wurden in verschiedenen oberirdischen Geweben von Cannabis nachgewiesen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Blätter
  • Blüten
  • junge Pflanzen
  • Fruchtgewebe

Die Konzentrationen können je nach Pflanzenorgan deutlich unterschiedlich sein.

Bestimmte Untersuchungen fanden beispielsweise in Blättern höhere Gesamtflavonoidkonzentrationen als in Blütenständen.

Das unterscheidet Flavonoide teilweise von Cannabinoiden.

Bei den bekannten Cannabinoiden stehen insbesondere die glandulären Trichome weiblicher Blüten im Mittelpunkt.

Flavonoide können dagegen stärker über verschiedene Pflanzengewebe verteilt sein.

Sind Flavonoide in den Trichomen?

Ein Teil der Cannabis-Pflanzenchemie steht in enger Verbindung mit spezialisierten Geweben und Stoffwechselwegen.

Bei Cannabinoiden und vielen Terpenen spielen glanduläre Trichome eine besonders zentrale Rolle.

Bei Flavonoiden ist die Verteilung komplexer.

Sie können in unterschiedlichen Geweben beziehungsweise Zelltypen der Pflanze vorkommen.

Deshalb sollte nicht pauschal behauptet werden:

„Alle Cannabis-Flavonoide entstehen ausschließlich in den Trichomen.“

Das wäre zu stark vereinfacht.

Was sind Trichome bei Cannabis?

Welche Funktion haben Flavonoide für die Cannabispflanze?

Flavonoide entstehen nicht, um eine Wirkung auf Menschen auszuüben.

Sie erfüllen zunächst Funktionen innerhalb der Pflanzenbiologie.

Schutz vor UV-Strahlung

Bestimmte Flavonoide können UV-Strahlung absorbieren.

Dadurch können sie zum Schutz empfindlicher Pflanzengewebe beitragen.

Reaktion auf Umweltstress

Die Bildung bestimmter Flavonoide kann sich unter Umweltstress verändern.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • intensive Strahlung
  • Temperaturstress
  • andere Belastungen

Pflanzenfarbe

Einige Flavonoidgruppen wirken als Pigmente.

Besonders bekannt sind:

Anthocyane.

Sie können rote, violette und blaue Farbtöne erzeugen.

Pflanzenabwehr

Flavonoide können außerdem an verschiedenen chemischen Abwehrmechanismen beteiligt sein.

Ihre genaue Funktion hängt jedoch vom jeweiligen Molekül und Pflanzengewebe ab.

Warum wird Cannabis manchmal lila?

Die violette beziehungsweise rote Färbung bestimmter Cannabispflanzen hängt unter anderem mit:

Anthocyanen

zusammen.

Anthocyane sind pflanzliche Pigmente aus der Flavonoidfamilie.

Sie sind auch verantwortlich für Farben in zahlreichen anderen Pflanzen und Lebensmitteln.

Beispiele:

  • Blaubeeren
  • Rotkohl
  • dunkle Trauben
  • Kirschen
  • violette Kartoffeln

Auch Cannabis kann verschiedene Anthocyane bilden.

Eine aktuelle genetische Untersuchung zeigte klare Zusammenhänge zwischen bestimmten Genen der Anthocyan-Biosynthese und roten beziehungsweise violetten Cannabisblättern.

Bedeutet lila Cannabis mehr THC?

Nein.

Eine violette Farbe bedeutet nicht automatisch einen höheren THC-Gehalt.

Anthocyane und THC gehören zu völlig unterschiedlichen Stoffgruppen und Biosynthesewegen.

Eine Cannabisblüte kann:

  • stark violett und THC-arm
  • grün und THC-reich
  • oder irgendwo dazwischen

sein.

Die Farbe erlaubt keine zuverlässige Aussage über den THC-Prozentwert.

Für den tatsächlichen Cannabinoidgehalt ist eine:

Laboranalyse

notwendig.

Bedeutet lila Cannabis eine stärkere Wirkung?

Auch das lässt sich nicht sagen.

Die wahrgenommene Farbe hängt unter anderem von:

  • Genetik
  • Pigmentbildung
  • Entwicklungsstadium
  • Umweltbedingungen

ab.

Die psychoaktive Wirkung wird dagegen besonders stark beeinflusst durch:

  • THC-Menge
  • Aufnahmeform
  • weitere Inhaltsstoffe
  • individuelle Empfindlichkeit

Eine violette Farbe ist daher kein verlässlicher Wirkungsindikator.

Welche Rolle spielen Anthocyane?

Anthocyane sind wasserlösliche Pflanzenpigmente.

Je nach:

  • chemischer Struktur
  • pH-Wert
  • Zellumgebung

können sie unterschiedliche Farbtöne erzeugen.

Dazu gehören:

  • rot
  • violett
  • blau

Bei Cannabis wurde beispielsweise:

Cyanidin-3-rutinosid

als relevantes Anthocyan beschrieben.

Die Pigmentierung ist genetisch reguliert und kann zusätzlich von Umweltbedingungen beeinflusst werden.

Was ist Quercetin?

Quercetin ist ein weit verbreitetes Flavonol.

Es kommt nicht nur in Cannabis vor.

Weitere Quellen sind beispielsweise:

  • Zwiebeln
  • Äpfel
  • Beeren
  • verschiedene Gemüsesorten

Quercetin wurde umfangreich hinsichtlich verschiedener biologischer Eigenschaften untersucht.

Bei Cannabis handelt es sich jedoch lediglich um einen von vielen Pflanzenbestandteilen.

Dass Cannabis Quercetin enthält, bedeutet nicht, dass ein Cannabisprodukt automatisch die Effekte hoch dosierter Quercetinpräparate oder experimenteller Studien besitzt.

Was ist Kaempferol?

Kaempferol ist ebenfalls ein Flavonol.

Es kommt in zahlreichen Pflanzen vor und wurde auch in Cannabis nachgewiesen.

Es wird wissenschaftlich hinsichtlich verschiedener:

  • antioxidativer
  • entzündungsbezogener
  • zellulärer

Mechanismen untersucht.

Auch hier gilt:

Ein Stoffnachweis in Cannabis ist kein medizinischer Wirkungsnachweis des gesamten Cannabisprodukts.

Was sind Apigenin und Luteolin?

Apigenin und Luteolin gehören zu den Flavonen.

Beide kommen in zahlreichen Pflanzen vor.

Luteolin ist außerdem besonders interessant für die Cannabisbiochemie, da es Teil des Stoffwechselwegs zur Bildung bestimmter Cannflavine sein kann.

Vereinfacht:

Luteolin → Chrysoeriol → Cannflavine

Damit verbindet sich die allgemeine Flavonoid-Biosynthese mit spezielleren Cannabis-Metaboliten.

Machen Flavonoide high?

Cannabis-Flavonoide verursachen keinen mit THC vergleichbaren typischen Cannabisrausch.

Für die charakteristische psychoaktive Wirkung von Cannabis ist insbesondere:

Delta-9-THC

relevant.

Flavonoide besitzen andere chemische Strukturen und Wirkmechanismen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche Flavonoide biologisch wirkungslos sind.

Verschiedene Vertreter werden pharmakologisch untersucht.

Die Aussage:

„Flavonoide machen nicht high“

ist daher richtig.

Die Aussage:

„Flavonoide haben keinerlei biologische Wirkung“

wäre dagegen zu weitgehend.

Interner Link: Was ist THC?

Haben Cannabis-Flavonoide eine medizinische Wirkung?

Verschiedene Cannabis-Flavonoide werden pharmakologisch erforscht.

Besonders Cannflavine stehen im Mittelpunkt.

Untersucht werden unter anderem mögliche Wirkungen in Zusammenhang mit:

  • Entzündungsmechanismen
  • oxidativem Stress
  • Nervenzellen
  • Mikroorganismen
  • Tumorzellmodellen

Der entscheidende Punkt:

Die Forschung ist überwiegend präklinisch.

Das bedeutet, die vorhandenen Daten stammen hauptsächlich aus:

  • Laborstudien
  • Zellmodellen
  • Tiermodellen
  • Computersimulationen

Daraus können interessante Forschungsansätze entstehen.

Sie beweisen aber keine medizinische Wirksamkeit beim Menschen.

Wirken Cannflavine entzündungshemmend?

Cannflavin A und Cannflavin B wurden bereits früh hinsichtlich bestimmter Entzündungssignalwege untersucht.

In Laboruntersuchungen konnten sie unter anderem Prozesse beeinflussen, die mit der Bildung bestimmter:

Prostaglandine

zusammenhängen.

Diese Ergebnisse sind einer der Gründe für das wissenschaftliche Interesse an Cannflavinen.

Die Aussage:

„Cannflavine sind wirksame entzündungshemmende Medikamente“

wäre dennoch falsch.

Dafür fehlen ausreichende klinische Studien am Menschen.

Besser ist:

Präklinische Studien zeigen interessante entzündungsbezogene Eigenschaften von Cannflavinen, deren klinische Bedeutung noch untersucht werden muss.

Sind Cannflavine stärker als Aspirin?

Im Internet findet man gelegentlich Aussagen wie:

„Cannflavine wirken 30-mal stärker als Aspirin.“

Solche Aussagen sind problematisch.

Sie basieren häufig auf älteren Laboruntersuchungen einzelner biochemischer Prozesse.

Ein direkter Vergleich:

Cannflavin = X-mal stärker als ein zugelassenes Schmerzmittel

lässt sich daraus klinisch nicht ableiten.

Denn entscheidend wären unter anderem:

  • Dosis
  • Aufnahme
  • Bioverfügbarkeit
  • Stoffwechsel
  • Wirksamkeit bei Patienten
  • Nebenwirkungen
  • klinische Endpunkte

Ohne diese Daten ist ein solcher Zahlenvergleich irreführend.

Wie gut werden Cannflavine vom Körper aufgenommen?

Auch zur:

Pharmakokinetik

von Cannflavinen bestehen noch große Wissenslücken.

Pharmakokinetik beschreibt unter anderem:

  • Aufnahme
  • Verteilung
  • Stoffwechsel
  • Ausscheidung

eines Stoffes.

Ein Molekül kann im Labor sehr interessante Eigenschaften zeigen.

Wenn es beim Menschen jedoch:

  • schlecht aufgenommen
  • schnell abgebaut
  • kaum ins Zielgewebe transportiert

wird, kann die klinische Bedeutung völlig anders aussehen.

Deshalb ist die Übertragung von Laborergebnissen auf den Menschen besonders bei wenig erforschten Pflanzenstoffen schwierig.

Was haben Flavonoide mit dem Entourage-Effekt zu tun?

Flavonoide werden manchmal in die Diskussion um den sogenannten:

Entourage-Effekt

einbezogen.

Die Hypothese besagt, dass verschiedene Cannabisbestandteile sich gegenseitig beeinflussen könnten.

Dazu gehören beispielsweise:

  • THC
  • CBD
  • andere Cannabinoide
  • Terpene
  • Flavonoide

Solche Wechselwirkungen sind grundsätzlich biologisch möglich.

Allerdings ist die konkrete Rolle der Cannabis-Flavonoide beim Entourage-Effekt bislang nur unzureichend untersucht.

Die Aussage:

„Flavonoide verstärken automatisch die Wirkung von THC und CBD“

ist deshalb nicht wissenschaftlich gesichert.

Interner Link: Was sind Terpene bei Cannabis?

Sind Flavonoide für das Aroma von Cannabis verantwortlich?

Nicht primär.

Der Geruch beziehungsweise das Aroma von Cannabis wird vor allem durch flüchtige Verbindungen geprägt.

Dazu gehören unter anderem:

  • Terpene
  • schwefelhaltige Verbindungen
  • Ester
  • weitere flüchtige Moleküle

Flavonoide sind im Vergleich dazu deutlich weniger flüchtig.

Sie stehen deshalb nicht im Mittelpunkt des typischen Cannabisgeruchs.

Vereinfacht:

Terpene und andere flüchtige Stoffe → Aroma

Flavonoide → unter anderem Pigmente und Pflanzenfunktionen

Beeinflussen Flavonoide den Geschmack?

Flavonoide können grundsätzlich sensorische Eigenschaften pflanzlicher Materialien beeinflussen.

Einige Vertreter besitzen beispielsweise:

  • bittere
  • adstringierende
  • pflanzliche

Geschmacksnoten.

Das gesamte Geschmacksprofil eines Cannabisprodukts ist jedoch komplex und entsteht aus zahlreichen unterschiedlichen Molekülen.

Es kann daher nicht allein durch Flavonoide erklärt werden.

Sind Flavonoide Antioxidantien?

Viele Flavonoide können in chemischen beziehungsweise biologischen Modellen antioxidative Eigenschaften besitzen.

Das bedeutet beispielsweise, dass sie an Reaktionen mit:

reaktiven Sauerstoffspezies

beteiligt sein können.

Dabei ist jedoch eine wichtige Unterscheidung notwendig.

Ein antioxidativer Effekt im Labor bedeutet nicht automatisch:

„Der Stoff wirkt beim Menschen gesundheitsfördernd.“

Im menschlichen Körper spielen zusätzlich eine Rolle:

  • Aufnahme
  • Stoffwechsel
  • Konzentration
  • Verteilung
  • Abbauprodukte

Der Begriff „Antioxidans“ sollte deshalb nicht als pauschales Gesundheitsversprechen verwendet werden.

Sind mehr Flavonoide automatisch besser?

Nein.

Eine höhere Konzentration eines Pflanzenstoffs bedeutet nicht automatisch:

  • bessere Qualität
  • stärkere Wirkung
  • höheren medizinischen Nutzen
  • größere Sicherheit

Auch bei Flavonoiden hängt die biologische Bedeutung ab von:

  • Molekül
  • Dosis
  • Aufnahme
  • Stoffwechsel
  • Zielgewebe

Deshalb lässt sich Cannabisqualität nicht anhand eines einfachen:

„Mehr Flavonoide = besser“

bewerten.

Haben verschiedene Cannabissorten unterschiedliche Flavonoidprofile?

Ja.

Wie bei Cannabinoiden und Terpenen kann sich auch das Flavonoidprofil zwischen verschiedenen Pflanzen unterscheiden.

Einfluss haben unter anderem:

  • Genetik
  • Pflanzenteil
  • Entwicklungsstadium
  • Umweltbedingungen
  • Stress
  • Licht
  • Verarbeitung

Die chemische Zusammensetzung einer Pflanze entsteht also aus dem Zusammenspiel von:

Genetik × Umwelt × Entwicklung

Verändert sich das Flavonoidprofil während der Entwicklung?

Ja.

Untersuchungen zeigen, dass sich Flavonoidkonzentrationen und -profile während der Pflanzenentwicklung verändern können.

Das gilt beispielsweise für:

  • Blätter
  • Brakteen
  • Blütenstrukturen

Die chemische Zusammensetzung einer jungen Cannabispflanze ist daher nicht identisch mit der einer reifen Pflanze.

Interner Link: Lebenszyklus der Cannabispflanze

Beeinflusst Licht die Flavonoidbildung?

Flavonoide spielen bei vielen Pflanzen eine Rolle im Zusammenhang mit Licht- und UV-Stress.

Auch bei Cannabis können Umweltbedingungen die Flavonoidproduktion beeinflussen.

Besonders die Beteiligung bestimmter Flavonoide am Schutz vor UV-Strahlung wird wissenschaftlich untersucht.

Die Pflanze kann ihre sekundäre Pflanzenchemie daher teilweise an Umweltbedingungen anpassen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass sich aus einer einzelnen Umweltvariable zuverlässig die endgültige Flavonoidkonzentration vorhersagen lässt.

Beeinflussen Flavonoide die Farbe der Cannabispflanze?

Ja.

Besonders Anthocyane können einen großen Einfluss auf die Färbung besitzen.

Sie können Cannabisgewebe unter anderem:

  • rot
  • violett
  • purpur
  • teilweise bläulich

erscheinen lassen.

Die Farbe entsteht jedoch nicht nur durch ein einzelnes Pigment.

Zusätzlich spielen beispielsweise:

  • Chlorophyll
  • Carotinoide
  • Anthocyane
  • Zellstruktur
  • Entwicklungsstadium

eine Rolle.

Sind Cannflavine in Cannabis in großen Mengen enthalten?

Nein.

Cannflavine kommen im Vergleich zu den dominierenden Pflanzenbestandteilen nur in relativ geringen Konzentrationen vor.

Das ist für die pharmazeutische Forschung relevant.

Selbst wenn ein Stoff im Labor interessante Eigenschaften besitzt, kann seine geringe natürliche Konzentration die Gewinnung größerer Mengen erschweren.

Deshalb wird auch untersucht, Cannflavine:

  • synthetisch
  • biosynthetisch
  • biotechnologisch

herzustellen.

Warum sind Cannabis-Flavonoide für die Forschung interessant?

Die Cannabisforschung konzentrierte sich lange besonders stark auf:

  • THC
  • CBD

Später rückten zunehmend auch:

  • Minor Cannabinoids
  • Terpene
  • Flavonoide
  • weitere Pflanzenstoffe

in den Mittelpunkt.

Flavonoide sind interessant, weil sie:

  • eine große chemische Vielfalt besitzen
  • wichtige Funktionen für die Pflanze erfüllen
  • mögliche pharmakologische Eigenschaften besitzen
  • die chemische Charakterisierung von Cannabis erweitern

Gleichzeitig ist die Forschung deutlich weniger weit entwickelt als bei THC oder CBD.

Was sind Flavonoide bei Cannabis? Das Wichtigste zusammengefasst

Flavonoide sind sekundäre Pflanzenstoffe, die auch in Cannabis vorkommen und unter anderem an Pigmentierung, UV-Schutz und verschiedenen Pflanzenreaktionen beteiligt sein können.

Die wichtigsten Fakten:

  • Flavonoide sind keine Cannabinoide.
  • Flavonoide sind keine Terpene.
  • Cannabis enthält zahlreiche unterschiedliche Flavonoide.
  • Dazu gehören Apigenin, Luteolin, Quercetin und Kaempferol.
  • Besonders bekannt sind Cannflavin A, B und C.
  • Cannflavine sind charakteristische Cannabis-Flavonoide.
  • Die Aussage, sie kämen ausschließlich in Cannabis vor, ist zu pauschal.
  • Flavonoide kommen in unterschiedlichen Cannabisgeweben vor.
  • Ihre Konzentration kann sich zwischen Blättern und Blüten unterscheiden.
  • Flavonoide erfüllen verschiedene Funktionen für die Pflanze.
  • Dazu gehören unter anderem UV-Schutz und Reaktionen auf Umweltstress.
  • Anthocyane gehören zur Flavonoidfamilie.
  • Sie können für rote und violette Cannabisfärbungen verantwortlich sein.
  • Eine violette Cannabisblüte besitzt nicht automatisch mehr THC.
  • Auch eine stärkere Wirkung lässt sich aus der Farbe nicht ableiten.
  • Cannflavin A und B werden hinsichtlich entzündungsbezogener Mechanismen untersucht.
  • Der Großteil der medizinisch relevanten Forschung ist bislang präklinisch.
  • Eine klinisch bewiesene therapeutische Wirkung von Cannflavinen ist bislang nicht etabliert.
  • Aussagen wie „Cannflavine sind 30-mal stärker als Aspirin“ sind ohne klinischen Kontext irreführend.
  • Flavonoide könnten theoretisch an Wechselwirkungen verschiedener Cannabisbestandteile beteiligt sein.
  • Ihre Rolle beim sogenannten Entourage-Effekt ist jedoch noch nicht ausreichend geklärt.
  • Flavonoide sind nicht hauptsächlich für den Cannabisgeruch verantwortlich.
  • Die Forschung zu Cannabis-Flavonoiden steht noch deutlich hinter der Forschung zu THC und CBD zurück.

Cannabis besteht damit chemisch aus wesentlich mehr als nur Cannabinoiden und Terpenen.

Flavonoide bilden eine weitere vielfältige Stoffgruppe, die für die Pflanzenbiologie interessant ist – deren Bedeutung für medizinische Anwendungen beim Menschen aber noch deutlich besser untersucht werden muss.

Häufige Fragen zu Flavonoiden bei Cannabis

Was sind Flavonoide einfach erklärt?

Flavonoide sind natürliche sekundäre Pflanzenstoffe. Bei Cannabis können sie unter anderem an Pflanzenfarbe, UV-Schutz und weiteren biologischen Funktionen beteiligt sein.

Welche Flavonoide enthält Cannabis?

Zu bekannten Cannabis-Flavonoiden gehören Cannflavin A, B und C sowie Apigenin, Luteolin, Quercetin, Kaempferol, Vitexin und Orientin.

Was sind Cannflavine?

Cannflavine sind spezielle Flavonoide, die besonders aus Cannabis bekannt sind. Zu den wichtigsten gehören Cannflavin A, Cannflavin B und Cannflavin C.

Sind Cannflavine Cannabinoide?

Nein. Cannflavine gehören zu den Flavonoiden und besitzen eine andere chemische Struktur als Cannabinoide wie THC oder CBD.

Kommen Cannflavine nur in Cannabis vor?

Nicht uneingeschränkt. Cannflavine sind charakteristisch für Cannabis, allerdings wurde beispielsweise Cannflavin A auch in einer anderen Pflanzenart beschrieben.

Machen Flavonoide high?

Nein. Cannabis-Flavonoide verursachen keinen mit THC vergleichbaren typischen Cannabisrausch.

Warum ist manche Cannabispflanze lila?

Violette und rote Farben können unter anderem durch Anthocyane entstehen. Diese Pflanzenpigmente gehören zur Flavonoidfamilie.

Hat lila Cannabis mehr THC?

Nein. Die violette Farbe erlaubt keine zuverlässige Aussage über den THC-Gehalt.

Wirken Cannflavine entzündungshemmend?

Präklinische Untersuchungen zeigen interessante Effekte auf entzündungsbezogene Signalwege. Eine klinisch nachgewiesene entzündungshemmende Therapie mit Cannflavinen beim Menschen ist daraus bislang nicht ableitbar.

Sind Cannflavine stärker als Aspirin?

Solche pauschalen Vergleiche beruhen meist auf Laborergebnissen einzelner Mechanismen und können nicht direkt auf die klinische Wirksamkeit beim Menschen übertragen werden.

Sind Flavonoide für den Cannabisgeruch verantwortlich?

Sie spielen dafür keine zentrale Rolle. Der Geruch wird stärker von flüchtigen Verbindungen wie Terpenen und weiteren Aromastoffen bestimmt.

Gehören Anthocyane zu den Flavonoiden?

Ja. Anthocyane sind eine Untergruppe der Flavonoide und können rote, violette beziehungsweise blaue Pflanzenfarben erzeugen.

Haben verschiedene Cannabissorten unterschiedliche Flavonoide?

Ja. Genetik, Pflanzengewebe, Entwicklungsstadium und Umwelt können die Zusammensetzung beeinflussen.

Sind Flavonoide Teil des Entourage-Effekts?

Sie werden als mögliche Beteiligte diskutiert. Eine klinisch gesicherte allgemeine Verstärkung der Cannabinoidwirkung durch Flavonoide ist bislang jedoch nicht bewiesen.

Quellen & weiterführende Informationen

Flavonoids in Cannabis sativa: Biosynthesis, Bioactivities, and Biotechnology
Wissenschaftliche Übersicht zu Cannabis-Flavonoiden, Cannflavinen und deren Biosynthese.

Chemistry and Biological Activities of Cannflavins of the Cannabis Plant
Review zu Cannflavin A, B und C, deren Chemie, Biosynthese und präklinischer Pharmakologie.

Cannflavins – From plant to patient: A scoping review
Übersichtsarbeit zum Forschungsstand und zur bislang begrenzten klinischen Übertragbarkeit von Cannflavinen.

Biosynthesis of cannflavins A and B from Cannabis sativa L.
Forschungsarbeit zur Bildung von Cannflavin A und B über Luteolin, Chrysoeriol und spezialisierte Cannabis-Enzyme.

Leaf pigmentation in Cannabis sativa: Characterization of anthocyanin biosynthesis in colorful Cannabis varieties
Aktuelle Forschung zur genetischen Regulation von Anthocyanen und roten beziehungsweise violetten Cannabisfärbungen.

Hinweis

Dieser Artikel dient der botanischen und wissenschaftlichen Information über Flavonoide der Cannabispflanze. Präklinische Ergebnisse zu Cannflavinen oder anderen Flavonoiden stellen keinen Nachweis einer medizinischen Wirksamkeit beim Menschen dar.